BVK-Prozess

Hauptangeklagter Ex-Anlagechef Daniel Gloor plant neue Geschäfte

Daniel Gloor, Hauptangeklagter im BVK-Prozess.

Daniel Gloor, Hauptangeklagter im BVK-Prozess.

Heute Nachmittag wird das Bezirksgericht Zürich die Urteile und Strafmasse im Korruptionsfall rund um die kantonale Pensionskasse BVK verkünden. Was tut einer, dem eine mehrjährige Gefängnisstrafe droht: Er eröffnet eine Firma.

«Gloor-FVT» heisst sie und auf der eigens dafür kreierten Website verspricht sie ein «bankenunabhängiger Partner in Finanz- und Vorsorgefragen» zu sein. Ihr Geschäftsführer ist Daniel Gloor, bis zu seiner Verhaftung am 26. Mai 2010 Anlagechef der BVK. Wenn das Gericht heute die Urteile im grössten Zürcher Korruptionsfall verkündet, heisst es mit hoher Wahrscheinlichkeit: Gefängnis unbedingt für den Hauptangeklagten Gloor. Der ehemalige Anlagechef hat sich mutmasslich über Jahre hinweg bestechen lassen und ein ganzes Netzwerk von «Amigos» aufgebaut, wie seine Geschäftspartner genannt wurden.

Pikanter Inhalt

Ein paar Passagen auf Gloors Website wirken angesichts der im Strafprozess und im Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen besonders pikant. So schreibt der wegen Sich-bestechen-lassens angeklagte Gloor: «Unsere Dienstleistungen zielen ausschliesslich auf den Kundennutzen.» Und weiter: «Angesichts der schwierigen Lage an den Finanzmärkten und der seit geraumer Zeit geringen Ertragsmöglichkeiten versprechen wir keine Wunder.» Am Montag diskutierte der Zürcher Kantonsrat noch darüber, wie hoch die Verluste der von Gloor mitverantworteten Anlagen der BVK waren - die Rede war von einer halben bis anderthalb Milliarden Franken. Weiter heisst es auf der Website unter dem Titel Transparenz: «Wir verzichten auf Retrozessionen und andere versteckte Kosten.» Im Bericht der PUK ist nachzulesen, dass Gloor schon während seiner Zeit als Anlagechef auf solche Zahlungen verzichtet hatte - nämlich solche, die ein Auftragnehmer der BVK geschuldet hätte. Gemäss PUK-Bericht soll es sich um knapp drei Millionen Franken gehandelt haben, um die die BVK aufgrund eines solchen «Verzichts» geprellt worden sein soll.

Gloor gibt unter seinen Leistungen auch «Erarbeitung einer mehrjährigen Anlagestrategie» an, sowie Unterstützung und Vertretung von Personen und KMU gegenüber Behörden.
Der langjährige Anlagechef des Kantons und später der BVK bietet sich nun auch als Treuhänder und Immobilienverwalter an. Auf seiner Kurzbiografie heisst es, Gloor habe «während zwanzig Jahren in leitender Stellung in der öffentlichen Verwaltung gearbeitet». Das stimmt, nämlich bis zum Tag, an dem er in Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen verhaftet worden war und im Anschluss sechs Monate in Untersuchungshaft verbrachte. Der Prozess fand im Juli 2012 statt, Gloor zeigte sich grundsätzlich geständig. Der Staatsanwalt verlangte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Vor Gericht soll Gloor bereits in Aussicht gestellt haben, dass er eine selbstständige Erwerbstätigkeit anstrebe.

Im Knast wäre Schluss damit

Zu den Aktivitäten seiner neuen Firma wollte Gloor auf Anfrage nicht Stellung nehmen. Bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, gilt grundsätzlich die Unschuldsvermutung. Dass Gloor mit einer bedingten Haftstrafe davon kommen wird, gilt aber als eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlich ist aber, dass den voraussichtlichen Schuldspruch ans Obergericht weiterziehen wird. Bis er also rechtskräftig verurteilt wäre und eine mögliche Gefängnisstrafe antreten müsste, könnte noch einige Zeit vergehen. Diese kann Gloor nutzen, um seine Firma aufzubauen. Dass er die Geschäfte auch aus der Strafanstalt heraus weiterführen könnte, ist unwahrscheinlich.

Allerdings böten sich einem Insassen wie ihm Anstalts-intern diverse Betätigungsfelder. So soll der 1998 wegen Korruption verurteilte ehemalige Kantonsbeamte Raphael Huber in der Strafanstalt Pöschwies einen guten Ruf als juristischer Berater gehabt haben. Die Gefangenen, so ist überliefert, mussten sich jeweils einen Termin für ein Gespräch bei ihrem Mitinsassen «Dr. Huber» geben lassen.

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