Sieben Jahre dauerten die Vorarbeiten, und seit dem Frühling dieses Jahres steht das lange umstrittene Temporärkunstwerk Hafenkran am Zürcher Limmatquai. Doch was jetzt kommt, bezeichnet Hafenkran-Macher Jan Morgenthaler als die bisher grösste Herausforderung in der Geschichte des Zürcher Hafenkrans: Von Freitag bis Sonntag steigt rund um den Kran ein Hafenfest.

Die damit verbundene Herausforderung formuliert Morgenthaler in der ihm eigenen verschrobenen Art: «Hat der Kran genug Kraft, um das Meer anzulocken?» Gegen 60 andere Wettbewerbsteilnehmer konnten Morgenthaler und die Künstlergruppe Zürich Transit Maritim sich durchsetzen, als die Stadt Zürich das Projekt für ein temporäres Kunstwerk am Limmatquai ausschrieb; ebenso gegen den Widerstand der SVP und einer früheren Gemeinderätin namens Susi Gut. Doch damit nicht genug. Nun soll der Kran das Meer anlocken, will heissen: maritime Gefühle in der Limmatstadt verbreiten.

Auf dem Programm stehen diverse maritime Attraktionen. So präsentiert sich in einem Container auf dem Weinplatz der Deutsche Seerettungsdienst aus Bremen. Auf dem Lindenhof können Kinder unter kundiger Anleitung kleine Schiffe aus Schwemmholz bauen. Auch ein Piratenschiff werden sie vorfinden. Und beim Hafenkran wird laut Morgenthaler die grösste Flaschenpost abgeschickt.

Zudem sind diverse kleinere Konzerte geplant, mit leisen Klängen und Strassenmusik-artigen Auftritten. So lässt das Duo Prader & Knecht an der Schipfe Cello und Gitarre erklingen, und Le Sorelle Blu bringen Seefahrerinnenlieder aus Berlin auf die Gemüsebrücke. Der Seefahrerromantik mit Schauergeschichten zugeneigt sind auch Les Lilas Marseilles aus Zürich, die am Freitagabend auf der Gemüsebrücke spielen.

Vom lärmigen Halligalli sonstiger Volksfeste grenzt sich das Hafenfest klar ab: «Wir machen kein Züri-Fäscht, sondern ein Fest für Spaziergänger», sagt Morgenthaler. Vergleichsweise leise solle es werden, mit Boulespielen auf dem Lindenhof – und ohne Fussballfernseher. Das Quartier rund um das Limmatquai leide bereits genug an Eventitis. «Wir wollen, dass die Quartierbewohner mit an Bord sind», so Morgenthaler weiter.

Selbstverständlich gehören zum Hafenfest auch Hafenrundfahrten, die jeweils an der Schiffanlegestelle Limmatquai starten. Mit an Bord ist dabei unter anderem das Duo Liebestoll, dessen Sängerin Marietta Jemmi als «die Braut des Hafenkrans» ankündigt wird. Auch Dichterlesungen finden während der Schiffsfahrten statt, unter anderem mit Johanna Lier und Dragica Rajcic. Da jeweils nur 50 Leute aufs Schiff können, sind Anmeldungen für die Gratis-Rundfahrten beim Info-Pavillon am Limmatquai 32 zu empfehlen.

Damit die maritimen Gefühle auch nach dem Hafenfest nicht ganz schwinden, wird übrigens ab 17. Juli das zum Hafenkranprojekt gehörende Schiffshorn unweit des Paradeplatzes auf dem Dach des Temporärmuseums Photobastei platziert. Einmal pro Woche, jeweils am Donnerstag um 17.15 Uhr trötet es fortan durch die Limmatstadt.