Zürich
Hardturm-Stadion: Investoren glauben nicht an eine Rendite

Rückschlag: Die Stadt Zürich sucht Investoren, die das Hardturm-Areal mit einem Stadion sowie Wohnungen überbauen. Eine Woche vor Wettbewerbsende ist klar: Mit Halter und CS winken zwei potente Unternehmen ab.

Oliver Graf
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Ein Fussballstadion am Zürcher Hardturm: Zwei Firmen ziehen sich zurück. Im Bild: Ein Legendenspiel zwischen GC und Neuchatel Xamax im Hardturm Stadion am Samstag, 5. September 2015.

Ein Fussballstadion am Zürcher Hardturm: Zwei Firmen ziehen sich zurück. Im Bild: Ein Legendenspiel zwischen GC und Neuchatel Xamax im Hardturm Stadion am Samstag, 5. September 2015.

Keystone

Die finanziellen Forderungen der beiden Zürcher Fussballvereine FCZ und GC scheinen zu hoch zu sein: Zumindest zwei zunächst interessierte Investoren werden nicht am laufenden «Investoren-Studienauftrag Areal Hardturm» teilnehmen. Wie die SRF-Sendung «Schweiz aktuell» gestern Abend berichtete, werden weder das Bauunternehmen Halter noch das «CS Real Estate Investment Management» am Wettbewerb teilnehmen.

Diese Absagen kommen nicht ganz unerwartet. In der Branche ist bereits verschiedentlich gemunkelt worden, dass die Auflagen für das Investorenprojekt insgesamt zu gross sind. Halter-Geschäftsführer Markus Mettler bestätigte dies: Es seien verschiedene Modelle detailliert durchgerechnet worden. Doch keines rechnet sich für ihn: «Hier prallen die Themen Wirtschaftlichkeit und Städtebau wie Güterzüge aufeinander.» Dieser Zerreissprobe habe sich Halter nicht stellen wollen.

Mit CS und Halter haben sich nun zwei potente Investoren vom Wettbewerb verabschiedet. Welche – und ob überhaupt noch – andere Interessenten im Rennen bleiben, wird sich in einer Woche weisen. Bis kommenden Freitag, um exakt 16 Uhr, müssen Investoren ihre Unterlagen abgegeben haben.

Die Stadt Zürich hatte Ende September diesen drei Bereiche umfassenden Studienauftrag ausgeschrieben: Auf dem 55 000 Quadratmeter grossen Areal Hardturm soll ein privates Unternehmen zunächst für FCZ und GC ein reines Fussballstadion mit 18 000 Plätzen erstellen. Im Weiteren soll der private Investor, der das Land im Baurecht erhält, für die Stadt eine vom Volk bewilligte gemeinnützige Wohnsiedlung mit rund 170 Wohnungen bauen. Schliesslich kann er auf dem Areal auch noch ein «Investorenprojekt» realisieren; dieses kann ein oder mehrere Hochhäuser umfassen und soll dem privaten Unternehmen eine Rendite ermöglichen.

Den beiden potenten Investoren Halter und CS scheint das Risiko aber zu gross, die Rendite zu klein zu sein. Sie verzichten deshalb auf eine Teilnahme am Studienauftrag.

Kürzlich ist bekannt geworden, welche Vorgaben alleine die beiden Super-League-Vereine aufgestellt haben («Der lange Wunschzettel der Fussballclubs», Ausgabe vom 17. Oktober). So fordern FCZ und GC vom privaten Investor unter anderem, dass er ihnen, bis das Stadion erstellt sein wird, einen jährlichen Beitrag von je 1,5 Millionen Franken überweist. Bis der neue Hardturm steht, können gut sechs Jahre vergehen. Alleine diese Betriebsbeiträge an die beiden Clubs kämen den Investor auf 18 Millionen Franken zu stehen.

Die Vereine begründen dies damit, dass «eine Sicherstellung der Fortführung der beiden Fussballclubs» am Standort Zürich ohne erhebliche finanzielle Zuschüsse von Privatpersonen kaum realisierbar sei, solange ein modernes Stadion fehle. Halter-Geschäftsführer Mettler winkte gestern ab; «aus meiner Sicht ist es nicht realistisch, dass die Clubs da noch finanzielle Mittel erhalten», sagte er gegenüber «Schweiz aktuell». GC-Präsident Stephan Anliker räumte ein, dass für einen Investor das Risiko schon gross sei. «Aber auch die Chancen sind gross.»

In einer Woche wird sich zeigen, ob das ein Investor auch so einschätzt. Andernfalls droht dem Projekt eines neuen Zürcher Fussballstadions Schiffbruch. Ein weiteres Mal.