100 Jahre EVP

Hanspeter Hugentobler: «Wir feiern, dass es uns noch immer gibt»

«Fast alle Parteien kranken daran, dass sie überaltert sind», sagt der designierte EVP-Präsident Hanspeter Hugentobler.

«Fast alle Parteien kranken daran, dass sie überaltert sind», sagt der designierte EVP-Präsident Hanspeter Hugentobler.

Der neue Präsident der EVP Kanton Zürich über die Zukunft der 100-jährigen Kleinpartei

Herr Hugentobler, 100 Jahre EVP – was gibt es da eigentlich zu feiern?

Hanspeter Hugentobler: Dass es uns immer noch gibt! Das ist beachtlich. So manche Parteien kamen und gingen. Wir freuen uns, dass wir uns bester Gesundheit erfreuen und mit Alt und Jung ins zweite Jahrhundert starten.

Was sind die Errungenschaften der EVP aus den letzten 100 Jahren?

Wir sind ja vor 100 Jahren als christliche Partei gegründet worden, um zwischen links und rechts eine verbindende Mitte zu haben und ausgehend von christlicher Nächstenliebe Verantwortung in der Gesellschaft wahrzunehmen. Das ist das, was die EVP in den letzten 100 Jahren getan hat. Wir leben davon, dass wir viele Frauen und Männer haben, die sich vor Ort engagieren, in den Gemeinden, auch kantonal. Unsere Stärke ist, dass wir mithelfen, unser Zusammenleben zu regeln.

Was hat Sie ursprünglich motiviert, der EVP beizutreten?

Als junger Mensch habe ich vor vielen Jahren systematisch alle Parteiprogramme bestellt und fand: Am ehesten sehe ich mich bei der EVP.

Warum?

Ich bin eher der verbindende Typ. Wenn es nur links und rechts gibt, kommt es zu Blockierungen. Schwarzweiss-Denken liegt mir nicht. Das Leben ist viel komplexer und farbiger. Auch vom christlichen Hintergrund her fühlte ich mich in der EVP sehr gut abgeholt. Nicht im Sinne einer Konfessionspolitik für primär kirchliche Anliegen, sondern im ursprünglichen Sinne der guten Nachricht von der Nächstenliebe: Behandle den anderen so, wie Du behandelt werden willst.

In der Zürcher EVP steht ein Generationenwechsel an. Mehrere altgediente Kantonsräte hören auf, darunter auch Parteipräsident Johannes Zollinger. Jetzt treten Sie das Parteipräsidium an. Was ist Ihr Zukunftsprojekt für die EVP?

Am wichtigsten ist, wie in den meisten Parteien, dass wir mehr junge Leute gewinnen. Fast alle Parteien kranken daran, dass sie überaltert sind. Schon mit 49 Jahren, in meinem Alter, gilt man als jung in einer Partei. Ich glaube nicht, dass wir inhaltlich grosse Kurswechsel vornehmen müssen. Es muss durch verschiedene Aktivitäten gelingen, der jüngeren Generation zu vermitteln: Politik ist eine faszinierende Sache.

Die Kirche verliert Mitglieder. Die EVP positioniert sich weiterhin als evangelische Partei. Ist das zukunftsträchtig?

Ich glaube schon. Sehr viele Leute sagen, es braucht Werte. Gerade die Art, verbindend in der Mitte und je nach persönlicher Einstellung etwas mehr links oder rechts zu politisieren, spricht viele Leute an. Im Staatskundeunterricht eines meiner jugendlichen Kinder wurde unlängst eine Smartvote-Umfrage gemacht. Die Jugendlichen füllten aus, was sie zu welchem Thema denken. Überraschend oft kam dabei die Empfehlung heraus, sie sollten EVP wählen. Doch einige von ihnen kannten die EVP gar nicht. Eigentlich sind wir als Volkspartei oft auf einer Mehrheitslinie des gesunden Menschenverstands. Unsere Herausforderung ist, dass es noch zu wenige gibt, die uns kennen. Daran wollen wir arbeiten.

Wie?

Indem wir möglichst überall präsent sind mit Leuten, die kommunikativ dranbleiben können. Das ist eine Herausforderung, nur schon vom Budget her. Wir haben kein Wirtschaftssponsoring, um flächendeckende Kampagnen zu fahren. Wir sind dort stark, wo gute Leute vor Ort in den Schulpflegen, in Sozialbehörden, im Gemeinderat arbeiten. Das ergibt einen guten Ruf – und dann wählt man auch EVP.

Trotzdem müssen Sie auch inhaltlich gute Angebote machen. Wofür braucht es die EVP in Zukunft noch?

Es braucht sie, weil es immer weniger Mitteparteien gibt.

Weniger? Und was ist mit BDP und GLP, die neu hinzugekommen sind?

Es bezeichnen sich zwar alle als Mitte. Aber zum Teil haben sie rechte Schlagseite, etwa wenn es im Parlament um Sparbemühungen geht. Da gibt es eine grosse Phalanx von Mitteparteien, die dann plötzlich rechtsbürgerlich sind. Punktuell kann man vielleicht mal einen Konsens mit ihnen erreichen. Aber es ist entscheidend, dass es eine Mitte gibt, die dazu beiträgt, dass immer wieder Kompromisse gefunden werden – auch wenn wir klein sind. Unsere Bevölkerung will nicht, dass die Politik sich blockiert, sondern dass man Lösungen findet.

Das sagen alle. Was macht das Spezielle der EVP-Lösungen aus?

Dass wir immer wieder versuchen, auf verschiedene Seiten zuzugehen und für die Menschen das Beste zu erreichen – ohne an Ideologien, Sponsoren oder Interessengruppen gebunden zu sein, die von vornherein auf einer Richtung beharren. Es braucht Leute, die eher die verbindende Art haben.

*Hanspeter Hugentobler ist designierter neuer Präsident der EVP Kanton Zürich: Der Pfäffiker steht an der 100. Delegiertenversammlung der Partei am Samstag als Nachfolger von Johannes Zollinger zur Wahl. Hugentobler, verheiratet, drei Kinder, ist seit 2015 Kantonsrat und Geschäftsführer der ERF Medien. ERF steht für Evangelium in Radio und Fernsehen.

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