Hans-Jakob Boesch
Hans-Jakob Boesch wird neuer FDP-Präsident des Kantons Zürich

Hans-Jakob Boesch hat sich am Dienstagabend als neuer Präsident der FDP des Kantons Zürich klar gegen den zweiten Kandidaten, Peter Werder, durchgesetzt. Boesch löst Beat Walti ab, der die Partei durch Tiefen und Höhen führte.

Thomas Marth
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Der 36-jährige Hans-Jakob Boesch strahlt nach seiner Wahl zum neuen Präsidenten der FDP des Kantons Zürich.key

Der 36-jährige Hans-Jakob Boesch strahlt nach seiner Wahl zum neuen Präsidenten der FDP des Kantons Zürich.key

KEYSTONE

Mehr als 20 Auftritte haben Peter Werder (Adliswil) und Hans-Jakob Boesch (Stadt Zürich 3) auf Einladung der Bezirks- und Ortsparteien mit- und gegeneinander absolviert. Jeder versuchte für sich zu punkten, dennoch schien bis zum Schluss offen, wer das Rennen machen würde. Am Dienstagabend an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung im Stadt-Zürcher Glockenhof leisteten beide noch einmal Überzeugungsarbeit in eigener Sache. Boesch war in seinen Aussagen klarer und auch besser zu hören im Saal.

Zunächst allerdings ergriff Parteipräsident Beat Walti das Wort. Er blickte zurück auf das Abstimmungswochenende vom 28. Februar. Die FDP habe mit all ihren Parolen auf nationaler und kantonaler Ebene richtig gelegen, hielt er fest. Die Ablehnung der Durchsetzungsinitiative der SVP habe gezeigt, dass eine Mehrheit der Bürger bereit sei, sich auch mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen, und simple Parolen nicht mehr verfingen.

Moderation oder Inhalte

Dann stellten sich die zwei Kandidaten vor und beantworteten Fragen aus dem Plenum. Peter Werder (41) war Chef Kommunikation der Hirslanden-Gruppe und leitet seit Anfang Jahr die Hirslanden-Klinik Belair in Schaffhausen. Er empfahl sich den Delegierten in erster Linie als Moderator, der auch die Anliegen der Gemeinden in den Kanton trägt. Er wies darauf hin, dass er mit 18 Jahren der Partei beitrat, langjähriges Mitglied im Gemeinderat Adliswil war, seit sieben Jahren im kantonalen Parteivorstand mitmacht und erfolgreich die letzten Wahlkämpfe geleitet hat. Auf die Frage, wie er den Makel kompensiere, nicht Mitglied des Kantonsrates zu sein, versprach Werder, jeweils an den Fraktionssitzungen vom Montagnachmittag teilzunehmen.

Hans-Jakob Boesch (Zürich 3) hat an der Universität Zürich Politik und Ökonomie studiert. Der 36-Jährige arbeitet als Projektleiter bei einem Zürcher Ingenieur- und Beratungsunternehmen – noch bis Ende Mai. Er will sich beruflich neu orientieren. In seiner Rede war er programmatischer als sein Mitbewerber. Er will die Flagge der liberalen Freiheit hochhalten. Gleichzeitig sei es ihm wichtig, mit den bürgerlichen Parteien zusammenzuarbeiten. Dabei sieht er es als Vorteil, erst seit fünf Jahren Parteimitglied zu sein. Er sei somit frei von Ressentiments früherer Auseinandersetzungen vor allem mit der SVP.

St. Galler Prägnanz

Als A und O für den Erfolg erachtet es Boesch zu mobilisieren. Er rief die Parteigänger daher auf, sich auch auf Podien, an Standaktionen und in Leserbriefen zu äussern. Als wichtiges Anliegen nannte er eine gute Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. «Die Wirtschaft braucht Ansprechpartner», sagte er. Auf seiner Tour durch den Kanton habe er das immer wieder gehört von Unternehmern. «Wir sind das», fügte er mit Bestimmtheit an. Die dazugehörigen Stichworte: weniger Bürokratie, weniger Regulierung.

Boesch ist in der Stadt St. Gallen aufgewachsen und hat seinen Dialekt behalten. Dieser verlieh seinen Worten zusätzliche Prägnanz. In der anschliessenden offenen Diskussion – die zwei Kandidaten verliessen dafür den Saal – wurde jedenfalls schnell klar, dass er wohl das Rennen machen wird. An erster Stelle für ihn genannt wurde das Kantonsratsmandat. Mit 161 Stimmen für Boesch und 52 für Werder fiel das Resultat dann auch überraschend deutlich aus. Die Abstimmung war geheim erfolgt.

Bis zur Delegiertenversammlung vom 24. Mai bleibt Walti im Amt. Dann erfolgt die offizielle Stabsübergabe an den Nachfolger.