Hans Egli war früh dran. Schon am 9. Juli 2018 gab er seine Regierungsratskandidatur für die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) bekannt. Vor zwei Wochen startete er so richtig in den Wahlkampf. Mit einem Video, das bereits rund 80 000-mal angeschaut wurde. Darin füttert er herzige Kälbli, pflückt Himbeeren, zeigt seine Hofbäckerei und seinen Hofladen in Steinmaur. In fünfter Generation führt der 53-Jährige den Betrieb, der im Zürcher Unterland weitherum bekannt ist.

Rund 1500 Kunden habe sein Hofladen, erzählt Egli, Chef von 10 Angestellten und Mitglied im KMU- und Gewerbeverband, von diesem aber nur als Kantonsrat zur Wahl empfohlen. Und nicht als Regierungsrat. Seiner Kandidatur soll das nicht im Weg stehen. «Sie ist ernst gemeint, auch wenn meine Chancen nicht gross sind», stellt Egli klar. Barack Obama – zurzeit liest Egli Michelle Obamas Biografie – habe es auch mit kleinem Budget geschafft. Im Kantonsrat sprechen ihn derzeit einige lächelnd als «Herr Regierungsratskandidat» an.

Regierungsratskandidat Hans Egli über seine Frau, bewusstes Essen und das Buch auf seinem Nachttisch

Regierungsratskandidat Hans Egli über seine Frau, bewusstes Essen und das Buch auf seinem Nachttisch

Zum Gespräch bittet Egli in seine Stube. Kachelofen, alte, in der Strafanstalt Regensdorf restaurierte, Stühle, Ikea-Sessel, Porzellanhühner auf den Fenstersimsen, blumige Vorhänge. Hier sitzt Egli gerne mit seiner Frau (53) seinen Söhnen (25 und 20) und seiner Tochter (24) zusammen. Die Familie, das ist für ihn das Fundament der Gesellschaft.

Als er in der Primarschule war und die Nationalratswahlen über die Bühne gingen, interessierte er sich für die FDP. «Ich habe etwas sehr Liberales in mir», sagt er. Doch die FDP wurde es nicht. «Sie will immer einen schlanken Staat, aber bei Tagesschulen spielen Mehrausgaben plötzlich keine Rolle mehr, da betreibt sie Klientelpolitik», sagt Egli. Er weist andere gerne darauf hin, wenn sie nicht konsequent sind. Wobei: Wenn es um gesellschaftliche Fragen geht, ist es bei Egli vorbei mit dem Liberalismus. Im Gespräch kritisiert er etwa provokative Kunstaktionen wie die Nacktperformance beim Rathaus oder die Erotikmesse in Zürich, gegen die die EDU protestierte. «Wir exponieren uns auch dort, wo es keinen Blumentopf zu gewinnen gibt», sagt Egli dazu.

Regelmässig der politischen Diskussion stellte sich Egli dann während seiner Landwirtslehre in Dübendorf. «Die Stadträte waren immer ein grosses Thema in meiner Gastfamilie», erzählt Egli.

So richtig politisiert wurde er aber bei der EWR-Abstimmung 1992. «Seit damals habe ich die EDU-Parteizeitung abonniert», so Egli, der nicht nur als Landwirt, sondern auch schon als Chauffeur und als Bodenleger arbeitete und der im Kantonsrat in der Kommission für Bildung und Kultur sitzt.

Die EDU, das sei die SVP mit der Bibel in der Hand, heisst es. Komplett falsch sei die Aussage nicht. «Aber gerade in finanzpolitischen Fragen sehen wir vieles anders», so Egli. Die EDU stellt sich, wie die Linken, gegen eine Senkung des kantonalen Steuerfusses. Zudem will sie mehr Krankenkassenprämienverbilligungen, um die Familien zu entlasten. Auch gegen Sparmassnahmen bei der Bildung ist sie. Und: «Die christlichen Anliegen haben bei der SVP viel zu wenig Gewicht.»

«Das Wohl des andern im Auge»

Da ist sie also, die Bibel. Eglis Lieblingsvers steht im Neuen Testament, Philipper 2,4: «Denkt nicht an euren eigenen Vorteil. Jeder von euch soll das Wohl des anderen im Auge haben.»

Die Sozialbehörde in Steinmaur war das erste Amt von Egli, dessen Name im Dorf bekannt ist. Regelmässig geht er an die Gemeindeversammlung und in die Kirche. 2007 dann die Wahl in den Kantonsrat. Egli wurde kantonal bekannt. Seine Wahl war knapp. «Ich war der Kantonsrat mit den wenigsten Wählerstimmen», blickt Egli zurück.

Die Politik beginnt bei ihm vor der Haustüre. Ein Gärtner, der ihm drei Stunden lang die Hochstammbäume schnitt, sagte nach getaner Arbeit, dass er keine Rechnung stelle, Egli solle die Arbeit als Wahlkampfspende verbuchen. Und auf der anderen Strassenseite steht eine Lärmschutzwand, die Egli nicht passt. «Eine Holzwand aus dem Jumbo wäre genauso wirkungslos, aber immerhin viel günstiger gewesen», lautet sein Fazit. «Eine Million Franken wegen fünf Einfamilienhäusern, stellen Sie sich das mal vor! Und das Fundament, wie eine Panzersperre!» Egli spricht laut und deutlich.

Eine Stimme, die im Baustellenlärm nicht untergehen würde. «Am liebsten würde ich die Baudirektion übernehmen. Gerade im Strassenbau wird viel zu viel vergoldet, ohne dass es etwas bringt», sagt Egli, der sich als Regierungsrat auch ein Stück von Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) abschneiden würde. «Es gehört zur Aufgabe eines Regierungsrats, die eigenen Ansichten durchzusetzen. Das macht Jacqueline Fehr sehr gut», sagt Egli. Und wenn es mit dem Regierungsrat nicht klappt, überlegt er sich vielleicht nochmals, Gemeinderat in Steinmaur zu werden.