Frau Scheuring, bevor Sie Leiterin des Bernhard Theaters wurden, sorgte dieses mit Pleiten, Pech und Pannen für Gesprächsstoff. Wo steht es heute?
Hanna Scheuring: Ich leite das Theater nun seit zwei Jahren. In dieser Zeit hat sich vieles verändert. Zuvor war diese Bühne ein reiner Vermietungsbetrieb und administrativ betreut. Einen Kurator gab es gar nicht. Das Opernhaus hat 2014 dann jemanden gesucht, der diesem Haus wieder ein Gesicht gibt. Deshalb war es für mich wichtig, aktiv neue Programme auf die Bernhard-Bühne zu holen.

Welche denn?
Ein Format ist beispielsweise das Stand-up-Comedy-Programm mit Künstlern aus Deutschland und der Schweiz, die hier monatlich gastieren. Damit versuche ich den Volkstheaterbegriff, der hier im Bernhard Theater gelebt wird, auch in eine etwas modernere Zeit zu führen. Mein Anliegen ist, die Volkstheater-Tradition zu bewahren, sie aber auch weiterzuentwickeln. Denn auch das Publikum verändert sich. So gibt es die klassischen Volkstheater-Stücke noch heute, einfach in einer etwas anderen Form. Dazu gehören beispielsweise Produktionen wie das Jubiläumsstück Cabaret.

Teaser Bernhard Matinee mit Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger

Oktober 2016

Und das funktioniert?
Ich hoffe es. Zumindest versuche ich, die Stücke im «Bernhard» so auszuwählen, dass sich auch Menschen angesprochen fühlen, die vielleicht nicht so regelmässig ein Theater besuchen.
Auch mit neuen Eigenproduktionen haben Sie Erfolg. Die Bernhard-Matinee, bei der Moritz Leuenberger die Gesprächsrunde moderiert, ist immer ausverkauft.

Trailer Stand-Up-Comedy im Bernhard Theater

Jeden Monat neu treffen sich die besten Stand-Up-Comedians im Bernhard Theater: 1 nationaler Moderator, 2 Schweizer und 2 deutschsprachige Künstler sowie 2 lokale Newcomer.


Als ich die Leitung übernommen habe, war mir klar, ich will etwas Ähnliches lancieren, wie es damals Hans Gmür mit dem Bernhard-Apéro getan hat. Diesen gab es während 24 Jahren und als er 2004 beendet wurde, ging der Kulturstadt Zürich tatsächlich eine Institution verloren. Zusammen mit meinem Team haben wir also lange überlegt, wie wir dieses Format wieder neu beleben könnten. So entstand die Bernhard-Matinee. Mit Moritz Leuenberger haben wir die perfekte Besetzung gefunden. Er ist ein Publikumsmagnet, ist intelligent und sehr lustig. Ein sehr grosser Dank gebührt Schauspieler Erich Vock. Seine Produktionen ziehen Besucher aus der ganzen Schweiz an. Er schafft perfektes Volkstheater, das unter die Haut geht.

Sind also bekannte Namen das Rezept für den Erfolg?
Ja und nein. Bekannte Namen alleine füllen nicht über Wochen einen Theatersaal. Es braucht Präzision, ein gutes Gespür, Lebendigkeit, klugen Humor und beherzte Stücke. Und darauf reagieren die Besucher.

Trailer Stägeli Uf - Stägeli Ab im Bernhard Theater

Ein alpenländisch-musikalisches Lustspiel mit den grösste Hits von Artur Beul! Mit Erich Vock, Maja Brunner, Fabienne Louves, Viola Tami, Philippe Roussel, Daniel Bill, Marc Haller, Hubert Spiess und weiteren.


Bei Ihrem Antritt planten Sie eine Theaterzeitung, eine neue Homepage, ein neues Logo. Haben Sie alles umgesetzt?
Ich habe die meisten Ideen aus der Anfangszeit bereits umgesetzt. Das war aber auch dringend nötig, damit das Bernhard Theater wieder ein beseeltes Haus ist.

Das Interieur aber wollten Sie bewahren.
Vor allem das Konzept mit den Tischchen liegt mir am Herzen. Das ist etwas Besonderes und zeichnet diesen Ort hier aus. Wo sonst kann man während des Theaters auch noch ein Glas Wein geniessen? Das heisst aber nicht, dass ich mir nicht überlege, was noch verschönert werden könnte. Deshalb war es mir wichtig, dass das Theater eine richtige Bar bekommt. Unsere Bar Café Bernhard.

Über die Geschichte des Bernhard Theaters finden Sie im Kartenstapel mehr heraus:

CARDS: Die Geschichte des Bernhard Theaters

Das Gesicht nach aussen?
Genau, deshalb der Name «De Bernhard». Das Logo ist auch bewusst das Konterfei von Rudolf Bernhard. Theater ist etwas Soziales. Das Stück soll nach der Aufführung noch Nachwirken dürfen und können. Und so ist unsere Bar nun eine Begegnungszone für Besucher und Schauspieler.

Auf der Website steht heute: «Das einzige Theater mit einem eigenen Opernhaus». Das ist sehr selbstbewusst.
Das ist ein Banner, den wir, augenzwinkernd, für unser 75-Jahr-Jubiläum kreiert haben. Er repräsentiert den Humor des Theaters und dass wir uns neben der grossen Mutter nicht verstecken. Zudem soll er an die Zeit erinnern, als das «Bernhard» kurz vor der Schliessung stand.

Wie gehts mit dem «Bernhard» weiter?
Zu den kommenden Programmen darf ich noch nichts sagen. Momentan bin ich glücklich mit dem wunderbaren Musical Cabaret. Es passt mit seinem 30er-Jahre- Stil sehr gut zu unserem Jubiläum am 19. Dezember. Ab Ende Januar steht eine Produktion von Erich Vock und Hubert Spiess mit Ensemble auf dem Spielplan. Das Stück «Ausser Kontrolle» ist übrigens eines der lustigsten Theaterstücke, das ich kenne.

Sie haben sich, nach Jahren auf der Bühne, hinter den Vorhang verabschiedet. Warum?
Wäre ich tatsächlich eine sehr erfolgreiche Schauspielerin gewesen, wäre es wohl nicht dazu gekommen. Schauspielerinnen zwischen 40 und 65 Jahren machen oft eine Durststrecke durch, weil es für sie nicht mehr viele Rollen gibt. Das gilt aber natürlich nicht für jene, die bei einem Haus fest angestellt sind. Mit Anfang 40 etwa habe ich begonnen, mir auch Alternativen im schauspielerischen Bereich aufzubauen. Ich begann als Coach für Auftrittskompetenz für Menschen in Wirtschaft und Kultur. Dann habe ich selber Stücke produziert und geschrieben. Das ist natürlich auch ein bisschen aus der Not heraus entstanden, weil das Telefon nicht immer geklingelt hat. Mit all diesen Projekten habe ich gemerkt, dass ich gerne mit Menschen kommuniziere und Produktionen organisiere. Und schliesslich macht mich auch diese Arbeit, so wie das Spielen, sehr glücklich.

Werden Sie je wieder selber auf der Bühne stehen?
Auf jeden Fall. Nur nicht gerade jetzt. Das Bernhard Theater braucht im Moment noch meinen vollen Einsatz.

Was ist dabei Ihre grösste Herausforderung?
Weil hier gerade vieles parallel läuft, zu spüren, was gerade oberste Priorität hat. Also zu wissen, wo der Feuerwehrschlauch das grösste Feuer zu löschen hat.

Wohin möchten Sie sich noch entwickeln?
Schwierig zu sagen. Derzeit kreist meine Fantasie innerhalb dieser roten Wände. Spielen, Regie führen, selber produzieren. Ich habe noch viele Träume.

Was haben das «Bernhard» und Sie gemeinsam?
Noch nicht ganz das Alter (lacht). Wahrscheinlich bin ich als Mensch eher umgänglich, wie das «Bernhard» meistens auch. Es ist natürlich ein Theater, das unterhält. Dagegen bin ich vielleicht etwas ernster. Wobei auch unsere Stücke immer wieder berühren und ernste Themen beinhalten. Vielleicht sind wir uns gar nicht so unähnlich.