Gewalt

Handgemenge vor Koch-Areal: Politiker sind erzürnt – die Besetzer auch

Die Bewohner des Koch-Areals wehren sich gegen Vorwürfe.

Die Bewohner des Koch-Areals wehren sich gegen Vorwürfe.

Nach den Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Hausbesetzern des Koch-Areals in Zürich-Altstetten werden in beiden Lagern empörte Stimmen laut.

Die Polizeipatrouille war dabei, gegen 0.30 Uhr in der Nacht auf Donnerstag einen mutmasslichen Essensdieb zu kontrollieren. Der Mann habe keine glaubhafte Erklärung liefern können, wie er zum Veloanhänger voller Esswaren gekommen sei. Als die Polizisten Vorbereitungen trafen, den Mann auf die Wache zu nehmen, wurden sie von einer Reihe von Besetzern des nahen Koch-Areals wüst beschimpft und schliesslich mit Gegenständen beworfen.

So fordert SVP-Fraktionschef Mauro Tuena gemäss 20Min, das Areal sei zu räumen. Die Besetzer können nicht länger geduldet werden. Auch der Stadtzürcher FDP-Präsident Michael Baumer will das Geschehene zum Anlass nehmen, das Areal von den Besetzern zu säubern. Solche Szenen seien rechtsfreie Räume, kritisiert er.

Eine Mitteilung der Besetzer, die auf Indymedia.org veröffentlicht wurde, zeigt ein etwas anderes Bild der Lage. Darin wird die Medienmitteilung der Polizei als fehlerhaft verurteilt. Von den Medien sei diese als bare Münze aufgenommen worden, ohne mit der anderen Partei Rücksprache zu halten.

Der kontrollierte Mann habe Abfall-Esswaren bei sich gehabt, das für Bedürftige auf die Seite gelegt worden sei. Die Polizei hätte sich gegenüber dem Verdächtigen gewalttätig und aggressiv verhalten, weshalb die Bewohner des Koch-Areals durch Rufe von der gegenüberliegenden Strassenseite gegen den groben Umgang protestierten.

Erst, als die Polizei Pfefferspray gegen die Menge eingesetzt habe, hätte man Obstkisten geworfen.

Die Polizei wendet ein, die Esswaren seien für die Aktion „Tischlein deck dich“ bereitgestellt worden und nicht zum Mitnehmen bestimmt gewesen.

Das Zürcher Finanzdepartement, das für das Koch-Areal verantwortlich ist, sieht momentan keinen Handlungsbedarf bezüglich der Besetzer. Das Koch-Areal ist seit Frühling 2013 besetzt. Ende 2013 kaufte die Stadt der UBS das Gelände ab. Mit den Besetzern schloss sie eine Vereinbarung, wonach sie vorderhand auf dem Areal bleiben dürfen. Die Bank nutzt einen Teil der Gebäude noch bis Ende 2016. (fdu)

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