Zürich
Halt dich fern von «Netflix und Chill» – das sind die 6 Teufels-Pillen an der Streetparade

Am Wochenende werden in Zürich Pillen geworfen. Doch wie sehen Ecstasy, MDMA, Amphi und Co. eigentlich genau aus? Und vor welchen Sujets sollte man sich am meisten in Acht nehmen?

Jovin Barrer
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Heisse Luft aussen und innen: Ballone waren ein beliebtes Accessoire bei der Ausgabe 2016.
78 Bilder
Impression von der Street Parade 2016.
Impression von der Street Parade 2016.
Impression von der Street Parade 2016.
Impression von der Street Parade 2016.
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Die Cheerleading Gruppe Eurodancers aus Schlieren
Auch die SBB sind in Partylaune
Die Partysüchtigen zieht es nach Zürich.
Kopie von Die Street Parade 2016 in Bildern
Raver aus dem Tessin feiern bereits im Street-Parade-Extrazug nach Zürich ausgelassen. Die SBB stellen bis in die frühen Morgenstunden Extrazüge Nacht-Busse und Trams bereit.
Die StreetParadeFamilie
Lovemobiles am Bellevue
Die Stimmung in den S-Bahnen ist schon vor dem offiziellen Beginn prächtig.

Heisse Luft aussen und innen: Ballone waren ein beliebtes Accessoire bei der Ausgabe 2016.

Keystone/Walter Bieri

Am Samstag verwandelt sich Zürich wieder mal in einen menschlichen Zoo. Zum 26. Mal wird die Streetparade entlang des Zürcher Seebeckens ausgetragen. Bei der inzwischen zur grössten Technoparty der Welt gewordenen Veranstaltung wird schon seit ihrer Erstaustragung nicht nur bloss der basslastigen Musik, sondern auch den synthetischen Muntermachern gefrönt.

Pillen, so bunt und schrill wie die Outfits der Partygänger, verwandeln grosse Teile des Publikums in übereuphorische Spasszombies. Aber aufgepasst! Nicht alles, was bunt ist, bereichert das Gemüt. Laut Christian Kobel, Leiter der Zürcher Jugendberatung «Streetwork», seien im Moment gefährliche Berauschungstrends en Vogue. Dazu gehören nebst verunreinigtem Kokain auch sehr hoch dosierte Ecstasy-Pillen, die teilweise mehr als 200 Milligramm MDMA enthalten. Dabei können bereits 120 Milligramm schon zu viel für den menschlichen Körper sein.

Vom risikohaften Inhalt einer Pille lenkt das Verlangen nach dem Konsum, gepaart mit dem ansprechenden Äusseren der Tablette, meistens erfolgreich ab. Denn Ecstasy, Speed und MDMA langweilen dieser Tage nicht in witzlosem Aspirin-Design, sondern erinnern mit trashigen Popkult-Sujets an harmlose Traubenzucker-Zältli.

Diese sechs Pillen-Arten vertuschen mit ihrem spassigen Design ihre gefährliche Wirkung und sind momentan auch in der Schweiz, und somit vermutlich auch kommenden Samstag, im Umlauf.

1. Netflix & Chill

eve-rave/watson

Was heutzutage als Code für gemütliches TV-Glotzen mit optionalem Liebemachen gilt, führt in Pillenform eher zu Kieferkrämpfen, Augen- und Nervenzucken, bis hin zu Krampfanfällen.

Im April dieses Jahres nahm sich die Zürcher «Drug-Checking»-Stelle die rot-violette Pille zum ersten Mal unter die Lupe und stellte fest, dass sie 157.4 Milligramm MDMA enthält. Einen Monat später gesellte sich zusätzlich eine weitere, gelbliche Variante im selben Design ins Register der Drogenaufklärer. Diese trägt gar 222.1 Milligramm der munter machenden Chemikalien in sich.

MDMA & Ecstasy

MDMA steht kurz für 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin. Dabei handelt es sich um einen psychoaktiven Stoff, der meistens antriebssteigernd wirkt, weshalb er oft verwendet wird um eine Nacht lang durchtanzen zu können. Viele Leute setzten die Begriffe Ecstasy und MDMA gleich, obwohl es sich bei ersterem eher um einen Oberbegriff aller Pillenförmiger Partydrogen handelt.

2. Die Flitzer-Pillen

eve-rave/watson

Auch die Logos berühmter Automarken werden von den Drogenköchen zweckentfremdet. Diesen Sommer wurden bereits rote «Mitsubishi»-Pillen in Zürich vertickt. Ihr 123.7-Milligramm-MDMA-Gehalt kann bei Überdosen zu Halluzinationen führen. Am Folgetag nach der Einnahme muss bei diesen Flitzer-Pillen mit Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen und Appetitlosigkeit gerechnet werden.

Bereits im letzen Sommer fielen Ecstasy-Gemische, die in die Form der Luxusschlitten-Logos gestampft wurden, auf. Im nachgeahmten orangen «T» der sportlichen Elektroflitzer aus dem Hause Tesla wies man im September letzten Jahres 245.6 Milligramm MDMA nach. Eine himmelblaue Version des Bentley-Bs schaffte es im selben Monat auf 180.6 Milligramm.

3. Branded Trips

eve-rave/watson

Angedockt an die Freude bringenden Konsumgütern, die hinter Marken wie Coca-Cola, Apple, Nespresso und Co. stecken, dienen deren Warenzeichen auch als Gussform für «Happypillen». Ob die magentafarbene «The North Face»-Pille mit ihren 152 Milligramm MDMA das selbe nachhaltige Outdoor-Erlebnis wie die Sportausrüstung bieten kann, ist schwer zu bezweifeln. Auch die stark überdosierte Coca-Cola-Pille (223.1 mg) wird dem zweckentfremdeten Markennamen alles andere als gerecht. Denn während eines starken MDMA-Trips steigt die Körpertemperatur teilweise massivst an. Dehydrierung und Hitzschläge sind, statt süsser Erfrischung, die Folge einer Konsumation.

Wer's nicht lassen kann …

… soll laut «Streetwork» immer wieder alkoholfreie Getränke (drei Deziliter pro Stunde) trinken, auf den Mischkonsum (psychoaktive Drogen/ Alkohol) verzichten und sich jeweils gut überlegen, ob ein Nachlegen wirklich nötig ist.

4. SIM-Karten-Glücklichmacher

eve-rave/watson

Bei den Mobilfunkanbietern bringt «Vodafone» am meisten Stoff auf die Waage. Bei einem Drogencheck im Februar 2017 in Zürich wurden in der olivgrünen Pille 218 Milligramm MDMA nachgewiesen. Bei der etwas rudimentäreren SIM-Karten-Pille, auf der in rostroter Farbe «PIN» drauf steht, wurden im letzten Mai in Bern 191.5 Milligramm desselben Stoffes festgestellt.

5. Social-Media-Drogen

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Soziale Medien als Drogen zu verkaufen, ist wohl der am wenigsten weit hergeholte Vergleich in dieser Zusammenstellung. Die Instagram-Pille tauchte letzten Sommer in Zürich auf. Mit ihrer Überdosis von 221.6 Milligramm MDMA kann sie schon mal zu heftigen Halluzinationen führen. Eine Anspielung auf die inszenierten Selfies und Foodporns auf der beliebten Fotoplattform?

Facebook wirkt dagegen wie Nasenwasser – im Drogenkontext, versteht sich. Den 100.6 Milligramm MDMA wurde in der hellblauen Tablette zusätzlich eine grosse Menge Koffein zugegeben. Die Kombination dieser beiden Substanzen verstärke den stimulierenden Effekt und die Wirkung soll somit eine nervöse Komponente erhalten. Auch hier sehen wir gewisse Parallelen zwischen dem namensgebenden Netzwerk und der Droge.

6. Polito-Tablette

eve-rave/watson

Besonders befremdend sind die Pillen, welche sich mit politischen Ideologien vermarkten. Da wäre zum einen die SS-Rune, welche in den letzten Tagen sowohl in Genf, wie auch in Zürich in den Farben grün und lila getestet wurde. Sie enthält bis zu 220.1 Milligramm der betörenden Chemikalien. Das «All Cops are Bastards»-Psychozältli trägt zwar 20mg weniger MDMA in sich, wird in dieser Dosis aber auch mehr Probleme als Liebe verstreuen. Was Schade ist; denn eigentlich sind ja sowohl Streetparade, wie auch Ecstasy-Pillen dafür bekannt, der Liebe zu frönen.

Alkohol bleibt der Favorit

Die Streetparade ist schliesslich aber doch anständiger als der Ruf, der ihr nachhängt. «Nur der kleinste Teil konsumiert illegale Drogen», sagt Kobel gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Er schätzt die Anzahl auf etwa fünf Prozent: «Die grössten Probleme haben wir an der Streetparade wegen des Alkohols.»

Da aber jeweils Hunderttausende Menschen am Event teilnehmen, steigt der Drogenkonsum an einem solchen Wochenende anzahlmässig dennoch deutlich an. Bei einer Teilnehmerzahl von einer Million (wie im Jahr 2015) entsprechen fünf Prozent 50'000 Personen, die illegale Substanzen konsumieren.