Die Hallenstadion AG profitiert von günstigen Konditionen. Die Stadt verlangt von ihr einen reduzierten Baurechtszins für das Land, auf dem das Stadion steht. Die Stadt hatte das Gelände für über 31 Millionen gekauft, verrechnet dem Hallenstadion aber nur Zinsen für den Wert von 13,4 Millionen. Die Stimmberechtigten haben diesen Rabatt am 18. Mai 2003 gutgeheissen. Überzeugt hatte im Abstimmungskampf das Argument, der Eishockeyclub ZSC Lions brauche ein Stadion für seine Heimspiele.

Darum ein Déjà-vu am vergangenen Wochenende: Wieder musste ein Stadion her. Wieder ging es um das Wohl des Schlittschuhklubs Zürich. Und wieder zeigten sich die Zürcher grosszügig und bewilligten das finanzielle Engagement ihrer Stadt bei Stadionbau und -betrieb. Das Ja war aber alles andere als überschwänglich. 56,6 Prozent stimmten zu. Manche Nein-Stimme stammte aber von Stimmeberechtigten, die nicht einsahen, warum man schon wieder zahlen müsse für den ZSC.

Eine Mehrheit der im Gemeinderat vertretenen Parteien kommt diesen Skeptikern nun entgegen. In einer gemeinsamen Motion fordern sie vom Stadtrat, auf den Termin des Auszugs des ZSC mit der Hallenstadion AG einen neuen, der «Wirtschaftlichkeit der neuen Nutzung angemessenen Basislandwert auszuhandeln und darauf einen neuen Baurechtszins festzulegen». Formuliert hat die Motion SP-Gemeinderat Simon Diggelmann. «Ich gehe davon aus, dass die neue Nutzung ohne den ZSC eine höhere Wertschöpfung generiert. Als reine Eventhalle wird das Hallenstadion attraktiver, was entsprechend auch einen höheren Baurechtszins rechtfertigt», sagt Diggelmann zur «Schweiz am Sonntag».

Stadion-CEO: «Vertrag gilt bis 2078»

Felix Frei, CEO der Hallenstadion AG, sieht die Sache ganz anders. «Der Auszug des ZSC aus dem Hallenstadion ändert nichts am Baurechtsvertrag, der noch bis 2078 gültig ist.» Sportanlässe gehörten weiterhin ins Hallenstadion und würden die ZSC-Spiele zum Teil kompensieren. Das im Vertrag definierte Nutzungskonzept erfahre dadurch keine Änderung. Darum könne der Zins nicht mit Verweis auf eine neue oder andere Nutzung erhöht werden. Mit anderen Worten: Was die Gemeinderäte wollen, ist mit dem heute gültigen Vertrag gar nicht möglich. Der Baurechtszins von heute knapp 700 000 Franken wird höchstens wie vereinbart einer allfälligen Teuerung angepasst.

Trotzdem dürfte die Motion im Gemeinderat gute Chancen haben. Neben der SP unterstützen auch SVP, Grüne, glp, AL und CVP das Anliegen. Die FDP ist als einzige Partei im Gemeinderat dagegen. Der Zeitpunkt sei schlecht, kritisiert FDP-Gemeinderätin Onorina Bodmer. Das Hallenstadion müsse sich nun neu positionieren. Das brauche Zeit. Diese ist indes vorhanden. Das neue ZSC-Stadion soll frühestens im Sommer 2022 fertiggestellt werden.