Bereits Anfang Juli will Jan Morgenthaler vom Künstlerkollektiv Zürich Transit Maritim mit einer Gruppe von Mitstreitern ein Hafenfest im Zentrum Zürichs veranstalten. Ein «Fest, wie es Zürich noch nie gesehen hat», soll es nach Angaben der Organisatoren werden. Bloss: Die für das Fest nötigen 60'000 Franken sind offenbar noch nicht beisammen.

Kosten für Abtransport und Verschrottung decken

Deshalb sammelt das Hafenfest-OK nun auf der Crowdfunding-Plattform Wemakeit Geld für die Finanzierung. Wie bei allen Wemakeit-Projekten erhält der Spender für seine Beteiligung einen Gegenwert. Bereits für eine Spende von 20 Franken gravieren die Organisatoren den Namen des Spenders in eine Plakette, die dann an den Hafenkran kommt. Für den höchstmöglichen Spendebetrag von 250'000 Franken ist der Gegenwert der Hafenkran selbst. Mit anderen Worten: Die Hafenkran-Initianten um Morgenthaler wollen den Kran, an dessen Transport und Aufbau sich die Zürcher Steuerzahler mit 600'000 Franken beteiligt haben, verkaufen.

Verschrottung in der Schweiz vorgesehen

Laut Morgenthaler steht der Kauf des Hafenkrans jedem offen, es wird jedoch nicht zwingend der gesamte Betrag von 250'000 für das Hafenfest eingesetzt, falls er eingehen sollte. «Für das Hafenfest geben wir so viel Geld aus, wie wir eben zusammenkriegen», sagt Morgenthaler. Sollten wirklich 250'000 Franken eingehen, dann könnte ein Teil des Geldes auch für andere Projekte rund um den Hafenkran verwendet werden.

«Unsere Arbeit ist jetzt eigentlich getan, der Hafenkran steht», sagt Morgenthaler, jetzt sei es an der Bevölkerung und anderen Akteuren, dem Kran mit Rahmenveranstaltungen Leben einzuhauchen. Was auch passiert. «Das Literaturhaus macht einen Schreibwettbewerb, der Tages-Anzeiger macht einen Bastelbogen, das Kollektiv von Projektil macht eine Lichtshow und unser Anliegen ist eben das Hafenfest und dafür sammeln wir jetzt Geld», sagt Morgenthaler.

Falls der Kran tatsächlich verkauft wird, dann müsste sich der Käufer um den Rückbau und den Abtransport des Krans, der mit rund 100'000 Franken zu Buche schlagen dürfte, nicht kümmern. «Diese Kosten sind von uns abgedeckt, Ende Januar bauen wir gemäss Vertrag mit der Stadt ab», sagt Morgenthaler. Ein internationaler Transport ginge jedoch auf Kosten des Käufers. «Das können wir uns nicht leisten», sagt Morgenthaler, der den Kran in der Schweiz verschrotten lassen will. Jedenfalls das, was von ihm zum Zeitpunkt des Rückbaus nicht schon verkauft ist. Es gebe schon Interessenten für den Kranhaken und kleinere Teile oder die Führerkabine, sagt Morgenthaler: «Als Gartenhaus.»

«Gemeinderat hintergangen»

Bei Roger Liebi, Präsident der SVP der Stadt Zürich und Hafenkran-Gegner der ersten Stunde, kommen die Verkaufspläne für den Hafenkran nicht gut an. «Man wolle den Kran vor der geplanten Verschiffung und Verschrottung in China bewahren und so CO2-Emissionen senken, hat es von rot-grüner Seite im Gemeinderat geheissen, um das Geschäft durchzubringen», sagt Liebi. Mit einem möglichen Verkauf an einen Dritten sei diese CO2-Einsparung jedoch nicht mehr garantiert. «Da kann ja nun jeder kommen und den Kran ans Schwarze Meer verschiffen und dann im Ural wieder aufstellen. Der Gemeinderat wird so hintergangen und der ganze schöne rot-grüne Plan der Tilgung eines Stahlkolosses ad absurdum geführt», sagt Liebi.

Dieser Artikel erschien zuerst auf watson.ch