Zürich

Hänselei wegen Nachnamen kein Grund zur Namensänderung

Die Schranken zur Änderung des Nachnamens in der Schweiz sind hoch (Symbolbild).

Die Schranken zur Änderung des Nachnamens in der Schweiz sind hoch (Symbolbild).

Weil ihr lediger Name, ausgesprochen auf die in der Schweiz übliche Art, eine negative Bedeutung hat, verlangte eine Zürcherin mit somalischen Wurzeln eine Änderung, die ihr von den Schweizer Behörden verwehrt wurde.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ist auf die Beschwerde einer Frau mit somalischer Herkunft nicht eingetreten.

Die in Zürich wohnhafte Frau hatte nach ihrer Heirat mit einem somalischen Landsmann beantragt, dass sie ihren ledigen Namen weiterführen darf. Das wurde bewilligt.

Spricht man den Mädchennamen der Frau in der somalischen Schreibweise wie in Europa üblich aus, bedeutet dies auf Somalisch Toiletten und verfaulte Haut. Aus diesem Grund wurde die Frau in der Schweiz von ihren Landsleuten gehänselt.

Sie wünschte deshalb die Anpassung der Schreibweise ihres Namens an die Ausspracheregelung der Schweiz. Sie wollte jedoch auch die somalische Schreibweise - je nach Situation - offiziell weiterverwenden dürfen.

Das Zürcher Obergericht kam im Juli 2009 in dieser Sache zum Schluss, dass die Hänseleien durch die Landleute kein objektiver oder gar wichtiger Grund seien, um eine Namensänderung bewilligen zu können.

Die bemängelte Aussprache ihres Namens klinge in den schweizerischen Landessprachen nicht an etwas Negatives an. Deshalb werde ihr Fortkommen in der Schweiz nicht in unbilliger Weise erschwert.

Diese objektive Betrachtungsweise sei für die Schweizer Rechtsprechung massgebend, schrieb das Obergericht in seinem Urteil. Allein die subjektiven Gründe der Frau reichten für eine Namensänderung nicht aus. Das Bundesgericht trat auf die Beschwerde der Frau wegen ungenügender Begründung nicht ein.

Der EGMR hat nun entschieden, dass die Verweigerung der Namensänderung weder eine Verletzung des Rechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens darstellt noch gegen das Diskriminierungsverbot verstösst.

Es bestehe ein öffentliches Interesse daran, dass ein Nachname zwecks Identifikation der entsprechenden Person in der Regel nicht abgeändert werden kann. Das Führen von zwei verschiedenen Schreibweisen widerspreche zudem dem Wesen eines einheitlichen Familiennamens. (Urteil Nummer 12209/10)

Meistgesehen

Artboard 1