Die Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (Vioz) habe heute in allen Zürcher Gefängnissen Imam-Seelsorger, berichtet der «Tages Anzeiger». Sie würden versuchen, das Gefängnisleben ihrer Mitgläubigen zu erleichtern und ihnen zu helfen, «nicht in das Spinnennetz des Radikalismus und Terrorismus zu geraten», sagt der Imam in der Vollzugsanstalt Pöschwies und Mitglied im Vorstand der Vioz, Sakib Halilovic, gegenüber der Tageszeitung. Nun schlägt Islam-Expertin Saida Keller-Messahli Alarm: Einige Imame, die im Gefängnis Pöschwies in Regensdorf tätig sind, würden bedenkliche Beziehungen pflegen, wie sie gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt.

Zu den umstrittenen Imamen würde unter anderem der Mazedonier Nebi Rexhepi gehören. Er organisierte im Rahmen der Union Albanischer Imame häufig Seminare mit salafistischen Predigern aus Mazedonien und Kosovo. Zwei der Imame, die er in die Schweiz einlud und mit denen er auch in Wetzikon gemeinsam auftrat, Shefquet Krasniqi und Mazllam Mazllami von Prizren, wurden im Kosovo wegen Aufruhr und religiöser Hasspredigt verhaftet.

Seit 2015 gehört auch der Türke Bilal Yildiz zum Pöschwies-Imam-Team; Ein Imam der türkischen Religionsbehörde Diyanet. In der Diyanet-Moschee wirkte er als Geistlicher und arbeitete mit dem Imam Engin Yilmaz zusammen, der unlängst als Erdogan-Spitzel Schlagzeilen machte. Auf Anfrage des «Tages-Anzeigers» sagte Yildiz, er kenne Yilmaz kaum und zudem sei dieser aus der Moschee und der Stiftung ausgetreten.

Imame durch Kantonspolizei überprüft

Islam-Expertin Saida Keller-Messahli hat im April Gefängnisdirektor Andreas Naegeli und Thomas Manhart, Chef des Amtes für Justizvollzug, auf die fragwürdigen Imame im Gefängnis Pöschwies aufmerksam gemacht. Aus ihrer Sicht müsste die Zusammenarbeit mit Vioz sistiert und die Imame durch Sozialarbeiter oder Psychologen ersetzt werden. Eine Antwort erhielt Keller-Messahli nicht.

Stattdessen erfuhr sie, dass das Zürcher Amt für Justizvollzug sein Personal aus den Jihadismuskursen «Jihadismus – erkennen, verstehen, handeln» des Schweizer Ausbildungszentrums für das Strafvollzugspersonal (SAZ), die Keller-Messahli mitgeleitet hatte, zurückgezogen hat. Die Sprecherin des Amtes für Justizvollzug, Jessica Maise, sagte gegenüber dem «Tages-Anzeiger», Keller-Messahli würde in den Kursen eine Haltung vermitteln, die den Grundprinzipen der Justizdirektion widerspreche.

Maise sagte ausserdem, dass alle Imame des Pöschwies bei einer Personensicherheitsüberprüfung durch die Kantonspolizei als unbedenklich eingestuft worden seien.

Namen der Gefängnis-Imame nicht publik

Für Isabelle Noth allerdings, Professorin für Seelsorge, Religionspsychologie und Religionspädagogik an der Universität Bern, ist es unhaltbar, Gefängnisimame mit salafistischen Beziehungen oder von Erdogans Gnaden zu beschäftigen.

Ausserdem müssten zudem die Namen der Gefängnis-Imame öffentlich bekannt sein, sagt Noth gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Diese macht das Amt für Justizvollzug auf seiner Homepage nämlich nicht publik. (lgi)