Forschungsintegrität
Haben Forscher Daten für Fachartikel manipuliert? – ETH Zürich prüft Verdacht

In mehreren Publikationen aus dem Bereich Molekularbiologie sind in den letzten Wochen Unstimmigkeiten entdeckt worden. Betroffen sind die ETH Zürich und das CNRS in Strassburg, die nun eine Untersuchungskommission einsetzen. Diese soll prüfen, ob es sich um wissenschaftliches Fehlverhalten handelt.

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Eine von der ETH eingesetzte Untersuchungskommission hatte 2015 gravierende Fehler an den Fachartikeln festgestellt, die an der ETH entstanden waren. (Archivbild)

Eine von der ETH eingesetzte Untersuchungskommission hatte 2015 gravierende Fehler an den Fachartikeln festgestellt, die an der ETH entstanden waren. (Archivbild)

Keystone/GAETAN BALLY

Das Centre national de la recherche scientifique (CNRS) werde dabei die Leitung übernehmen, teilte die ETH Zürich am Donnerstag mit. Die Namen der Kommissionsmitglieder und der überprüften Forschenden wurden nicht bekannt gegeben.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda betonte die ETH Zürich, dass der Molekularbiologe Olivier Voinnet nicht im Zentrum der Untersuchung stehe. Er sei aber als Co-Autor von der Untersuchung der fraglichen Publikationen betroffen.

"Im Zuge der laufenden Korrekturen von fehlerhaften Publikationen, an denen Forschende des CNRS und der ETH Zürich beteiligt sind, gibt es Indizien, dass Manipulationen an Daten vorgenommen wurden", teilte die ETH auf Anfrage der sda mit.

Ein Fall mit Folgen

Der Fall Voinnet war ins Rampenlicht geraten, weil in Fachartikeln des angesehenen RNA-Biologen Bild-Verdopplungen und kopierte Bild-Bestandteile entdeckt worden. Da diese Abbildungen Resultate von Experimenten zeigten, entstand der Verdacht der Datenmanipulation. Die fragliche Publikationen stammten aus Voinnets Arbeit am CNRS und an der ETH.

Eine von der ETH eingesetzte Untersuchungskommission hatte 2015 gravierende Fehler an den Fachartikeln festgestellt, die an der ETH entstanden waren. Voinnet wurde zwar die Verletzung der Sorgfaltspflicht vorgeworfen, aber kein vorsätzlicher Betrug. Der Forscher wurde daraufhin von der ETH verwarnt und bekam einen Experten zur Seite gestellt, der ihn seither beim Führen seiner Forschungsgruppe unterstützt. Von seiner parallelen Tätigkeit am CNRS wurde Voinnet hingegen von diesem suspendiert.

Neuer Verdachtsfall

Der Forscher musste einige Fachartikel zurückziehen, andere korrigieren mit den korrekten Bilddaten. Im Zuge dieser Korrekturen fielen weitere Unstimmigkeiten auf, die Voinnet offenbar nicht zentral zu verantworten hat, wie den Aussagen der ETH zu entnehmen ist. Den genauen Sachverhalt soll die Untersuchungskommission klären.

Bei Fachpublikationen aus der Molekularbiologie gelten in der Regel der erst- und der letztgenannte Autor als Hauptverantwortliche. Im Zentrum von Untersuchungen zu wissenschaftlichem Fehlverhalten stehen aber generell auch die Forschenden, die die jeweiligen Experimente durchgeführt und die Daten für die Publikation zusammengestellt haben.