Zürich
Güterbahnhof: Der Kreis 4 wittert Morgenluft

Der Zürcher Kreis 4 schöpft Hoffnung. Hoffnung, dass auf dem Areal des stillgelegten Güterbahnhofs nun doch kein Justizpalast entsteht, sondern Raum für einen neuen, attraktiven Quartierteil.

Anna Wepfer
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«1000 erschwingliche Wohnungen» heisst die Vision der Gruppe Cargo4 für das Güterbahnhof-Areal. Alessandro Della Bella/Keystone

«1000 erschwingliche Wohnungen» heisst die Vision der Gruppe Cargo4 für das Güterbahnhof-Areal. Alessandro Della Bella/Keystone

Eigentlich hätte auf dem Areal dieses Jahr das Zürcher Polizei- und Justizzentrum (PJZ) eröffnet werden sollen. Doch nach sieben Jahren Planung und Verzögerung hat der Kantonsrat im letzten Herbst den nötigen 570-Millionen-Kredit nicht gesprochen.

Am 4. September fällt Entscheid

Heute ist es darum unsicherer denn je, ob der Prestigebau je über das Projektstadium hinauskommt. Am 4. September fällt das Stimmvolk das entscheidende Verdikt. Mit einem definitiven Aus für das PJZ wäre der Weg frei für ganz neue Ideen, die sich auf dem 63000 Quadratmeter grossen Güterbahnhof-Areal verwirklichen liessen. Angespornt durch diese Perspektive hat eine Gruppe unter dem Namen Cargo4 ein Konzept dafür entwickelt, wie der alte Güterbahnhof für das Quartier fruchtbar gemacht werden könnte. Ihre Ideen hat sie gestern zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Zur Gruppe gehören nebst dem erfolgreichen Zürcher Gastrounternehmer Koni Frei und dem Autor Gian Trepp auch ein Architekt, ein Professor für Stadtforschung, ein Ökonom und eine Kulturvermittlerin.

«1000 erschwingliche Wohnungen» heisst ihre Vision: Rund 60 Prozent des Areals sollen für Wohnraum zur Verfügung stehen, eine 3-Zimmer-Wohnung soll nicht mehr als 1200 Franken kosten. Daneben gäbe es zu günstigen Konditionen Platz für lokales Kleingewerbe, Geschäfte, Kunstschaffende und Begegnungszonen. Kurz: Den Initianten schwebt ein völlig neues Quartier vor,
vielleicht sogar samt Schulen und anderen öffentlichen Institutionen. Selbst ein neues Kongresszentrum und ein Stadtmuseum könnten sie sich auf dem Gelände vorstellen.

Noch gibt es aber viele offene Fragen. So ist unklar, ob überhaupt und zu welchem Preis die Besitzerin SBB das Land verkaufen würde. Zurzeit besteht wegen des PJZ noch ein Kaufvertrag mit dem Kanton über rund 110Millionen Franken. Darum schweigen die SBB zu dieser Frage. Cargo4 hat sie aber über das Konzept vorsorglich informiert.

Keine öffentlichen Gelder

Die zweite grosse Frage betrifft die Finanzierung. «Am besten wäre es, wenn eine Stiftung das Land kaufte und sich private Investoren um den Rest kümmerten», sagt Frei. Es hätten bereits Gespräche mit möglichen Investoren stattgefunden und «das Interesse ist riesig». Das Ziel ist, ohne öffentliche Gelder auszukommen – trotz eines geschätzten Investitionsvolumens von bis zu einer Milliarde Franken.

Bis zur PJZ-Abstimmung im September will Cargo4 ihre Vision möglichst bekannt machen. «Wir greifen nicht in den Abstimmungskampf ein, sondern präsentieren einfach eine Alternative», sagt Frei. Er räumt dann aber doch ein, dass sie die Parteien, insbesondere die SP, für ihre Sache zu gewinnen versuchen. Und die SP spielt als grösste PJZ-Befürworterin für die Abstimmung eine wichtige Rolle.

Die Vorstellung eines PJZ-freien Güterbahnhofs gefällt auch dem Quartierverein Aussersihl-Hard: «Die Idee von Cargo4 finden wir gut. Zürich hat schliesslich praktische keine bezahlbaren Wohnungen mehr.» Es sei nötig, das bestens gelegene Areal anders zu nutzen als für Polizei und Justiz.