Wenn im Kanton Zürich die Schulglocken zum Unterrichtsschluss klingeln und damit gleichzeitig die Sommerferien einläuten, wappnet sich die Flughafen Zürich AG für den jährlichen Passagieransturm. Denn laut offizieller Bildungsstatistik müssten letzten Freitag fast 150'000 Schülerinnen und Schüler sowie weitere rund 30'000 Kindergartenkinder und schliesslich fast 17'000 Lehrpersonen der Volksschule in die grosse Sommerpause ausgeschwärmt sein.

Nicht ins Schwitzen bringen die reisefreudigen Familien mit Kindern den erfahrenen Terminal-Manager Sascha Zimmermann. Seit dreizehn Jahren sorgt er jeweils mit sechs anderen anwesenden Managern für einen reibungslosen Ablauf im Check-in-Bereich des Flughafens.

Er sucht die längste Schlange

«Pro Schicht lege ich rund zwölf Kilometer zurück. Da gehören gute und vor allem mehrere Schuhe einfach dazu», erzählt Zimmermann auf seinem Gang durch das Gewirr im Check-in 3. Hier suche er quasi die längste Schlange und könne dabei in Eigenregie mal ganze Reisegruppen «herumschieben» oder mal per Funk sogenannte mobile Check-in-Schalter einsetzen. So spricht er von der «wandernden Schlange». Oft würden zusätzliche Mitarbeiter aufgeboten, um weitere Schalter aufzumachen, nur um festzustellen, dass die Passagiere sich bisweilen in die anderen Check-in-Bereiche verteilt haben.

115'000 Passagiere dieses Wochenende am Flughafen Genf

115'000 Passagiere dieses Wochenende am Flughafen Genf

Vom Flughafen Genf-Cointrin flogen am Wochenende 114'900 Passagiere ab, etwa gleich viele wie im Vorjahr mit 115'000. Die Zahl liegt nach Angaben des Flughafens innerhalb der Norm. Im Juli kommt es in Genf nur selten zu Spitzenwerten im Ferienverkehr.

Schauplatz Swiss-Check-in 1: Gestresste Fluggäste sind da selbst zur Mittagsspitze jetzt keine auszumachen. Auch Sabrina Schmidheiny aus Schaffhausen scheint die Ruhe selbst zu sein. Am Computerbildschirm übernimmt die Reisende ihren Check-in gleich selbst und muss nur noch per Klick die Boardingkarten für den Flieger nach Marseille ausdrucken. Im Doppelpack am Rücken und am Bauch angebunden: der einjährige Levin und seine zwei Jahre ältere Schwester Malina. Den Ehemann hat sie derweil schon mal per Auto mit dem Gepäck in Frankreichs Süden vorausgeschickt. Für den Terminal-Manager Zimmermann eine Szene, die für sich spricht, denn «der typische Fluggast kommt genügend vorbereitet und zeitig an den Flughafen.»

Mit gut gesichertem Gepäck reisen Andrea und Eduard Vasquez aus Glattbrugg in die Karibik.

Mit gut gesichertem Gepäck reisen Andrea und Eduard Vasquez aus Glattbrugg in die Karibik.

Keine zwei Meter daneben sitzt die 16-jährige Studentin Tina Chai mit ihrer Tante Xuehong Lu. Sie sind extra aus China angereist, um ein mögliches Studium in St.Gallen abzuklären. Wieder ein paar Stationen weiter steht ein Pärchen vor vier rot plastifizierten Koffern auf dem Wägeli. Am Flughafen Zürich besteht nämlich die Möglichkeit, die Gepäckstücke mit Plastikfolie zu «verschweissen». Eduard Vasquez aus Glattbrugg erklärt die Vorsichtsmassnahme so: «Weil ich zusammen mit meiner Frau Andrea nach Punta Cana in die Dominikanische Republik fliege, möchte ich nicht, dass uns dort etwas in die Koffer geschmuggelt wird.» Zusammen mit ihren zwei Kindern geht es für fünf Wochen in die alte Heimat zurück.

Der Vierbeiner geht auf Reisen

Andreas Bachmann, Logistikleiter des Flughafens Zürich, schätzt, dass seine Sortieranlage an diesem Samstag bis zu 50'000 Gepäckstücke bewältigen muss. Zum Thema Haustiere befragt, sieht er keine grosse Zunahme bei Hunden oder Katzen. Haustiere gelten in der Flughafensprache als Sperrgut.

Samt Hund im Handgepäck fliegen die Gremlis zunächst nach Barcelona, wo der Vierbeiner von einer Tante betreut wird.

Samt Hund im Handgepäck fliegen die Gremlis zunächst nach Barcelona, wo der Vierbeiner von einer Tante betreut wird.

Am entsprechenden Schalter wedelt der reinrassige Bolonka namens Russell. Wenn seine Besitzerfamilie Gremli aus Adliswil für mehrere Wochen via Barcelona und Miami nach Mexiko verreist, darf er mit dem Handgepäck direkt auf den Flieger. Hunde unter sechs Kilo dürfen das nämlich laut Reglement. Allerdings heisst es für den Vierbeiner in Barcelona erst mal Endstation. Denn hier kümmert sich eine Tante um den verspielten Junghund, bis Herrchen und Frauchen ihn wieder auf dem Weg in die Schweiz abholen.