Zoo Zürich
Gut gebrüllt, Slammer! – Wenn Poeten zum Sprachrohr für Tiere werden

Nach der Schliessung der Tore wurden Slam-Poeten gestern Abend im Zoo Zürich zum urkomischen Sprachrohr verschiedener Tiere.

Anina Gepp
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Marco Gurtner hat sein Gedicht für die Pinguine geschrieben
9 Bilder
Zwischen den Gedichten wandern die Beuscher durch den Zoo
Zoo-Führer Roger Graf liefert die Hintergrundinformationen zu jedem Tier
Die Oryx-Antilopen lugten neugierig hervor, als Valerio Moser mit seinem Gedicht begann
Auch der Pinguin zeigt sich noch nachdem ihm ein Gedicht gewidmet wurde
Poetry Slam Zoo Zürich
Marco Gurtner hat sein Gedicht den Pinguinen gewidmet
Kilian Ziegler verschrieb sich dem Löwen
Die Löwinnen lassen sich nicht von den Slammers beeindrucken und geniessen ihren Feierabend

Marco Gurtner hat sein Gedicht für die Pinguine geschrieben

Anina Gepp

Ein Pfauenpärchen demonstriert lauthals, als Wortakrobat Marco Gurtner seinen Text zückt. «Warte doch wenigstens, bis ich zur Pointe komme», mahnt ihn der Slammer. Ein Lachen geht durch die Runde. Mit Humor und Wortwitz überzeugen: Genau das macht Slam-Poetry aus. Der literarische Dichterwettbewerb im Zoo geht dieses Jahr in die vierte Runde. Jeder der vier eingeladenen Slam-Poeten hat zu seinem Lieblingstier ein Gedicht geschrieben, das er jeweils vor dem Gehege vorträgt.

Mix aus Humor und Fakten

Kilian Ziegler widmet sich seinem Lieblingstier dem Löwen und erzählt, wie dieser seine grosse Liebe gefunden hat. Über ein «Mietz-and-Greet» sei das gewesen, so der Slammer. Der Löwe habe das Weibchen gesehen und gesagt «Ich Raubtier den Atem». Tatsächlich: Damit konnte die Löwin den König der Tiere natürlich sofort um «die Kralle wickeln». Mit von der Partie ist bei der Führung auch ein Zoo-Wärter, der im Anschluss an den vorgetragenen Text jeweils die Eckdaten zum Tier liefert. Roger Graf erzählt, dass es ein beschwerlicher Weg gewesen sei, bis der Löwe tatsächlich Eingang in den Zürcher Zoo gefunden habe. «Als Zürich in den 20er-Jahren zwei Tiere geschenkt bekommen sollte, lehnten sie die Tiere ab und wollten keinen geeigneten Platz für sie schaffen.» Die Raubkatzen seien zuerst nach Hamburg und dann nach Basel gebracht worden. Der Zoo Zürich öffnete seine Tore dann 1929. Die ersten Löwen habe die Stadt aber tatsächlich erst 1991 erhalten, als die indische Regierung dem Zoo erneut zwei Tiere anvertraute.

Die Raubkatzen scheinen es den Slammern angetan zu haben, denn nach Ziegler widmet sich Gregor Stähli dem Tiger. Genauer genommen erzählt er die Geschichte des anmutigen Tigers Amir, der ein ganz armer Amur-Tiger war. Arm deshalb, weil nicht einmal mehr die Rehe vor ihm zurückschreckten. Nebst dieser Geschichte erzählt der Poet ganz nebenbei, wie schrecklich eigentlich Leggings mit Tieraufdruck seien und dass diese zu allem Übel hin auch noch von der Sorte Frau getragen würden, die besser sowieso gar keine enge Kleidung tragen sollte. Während das Publikum zeitweise aus dem Lachen nicht mehr herauskam, liegt der Tiger nur wenige Meter weit weg am Boden und zeigt sich ziemlich unbeeindruckt von dem, was hier gerade über ihn vorgetragen wird.

Neugierige Einhörner

Neugieriger sind da schon die Oryx-Antilopen, denen sich Valerio Moser verschrieben hat. In hoher Stimme – so wie ein Einhorn eben sprechen würde – mimt der Slammer eine Konversation zwischen zwei Antilopen. Einhorn werden die Tiere deshalb auch genannt, weil von der Seite nur ein Horn zu sehen ist. Es scheint fast so, als wüssten die Tiere, dass sie etwas ganz Spezielles an sich haben: Sie stolzieren während des ganzen Vortrags hinter dem Dichter hin und her.

Nach eineinhalb tierisch guten Stunden schliesst der Zoo seine Tore für diesen Abend endgültig. Phibi Reichlin, selbst Slam-Poet und Organisator des Events, ist zufrieden. Es sei jedes Mal ein Erlebnis, nach der Türschliessung hierherzukommen. «Es ist toll, den Besuchern auf witzige Art den Tierschutz näherbringen zu können», sagt auch Zoo-Führer Graf.