Zürich

Günstigere Krippen dank weniger Auflagen und grösseren Gruppen

Die Krippen-Kosten sollen sinken: Bürgerliche Politiker fordern weniger Auflagen und grössere Gruppen

Die Krippen-Kosten sollen sinken: Bürgerliche Politiker fordern weniger Auflagen und grössere Gruppen

Die Zürcher FDP, CVP und SVP wollen mit einem Vorstoss im Kantonsrat die Auflagen für Kinderkrippen reduzieren, um die Kosten zu senken. Die SP fürchtet um die Qualität. Der Vorstoss kommt am Montag ins Parlament.

Kindertagesstätten im Kanton Zürich müssen heute zahlreiche Bedingungen erfüllen, um eine Bewilligung zu erhalten.

Bürgerliche: Viel zu viele Auflagen

Es gebe zu viele Auflagen, findet FDP-Kantonsrätin Astrid Furrer (Wädenswil). Sie hat vor drei Jahren mit Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) und Philipp Kutter (CVP, Wädenswil) im Kantonsrat ein Postulat eingereicht, das die Anforderungen auf ein Minimum reduzieren will.

Die vielen Bedingungen würden die Betriebskosten in die Höhe treiben, was dazu führe, dass Kinderkrippen «zur Luxuslösung für ausserfamiliäre Betreuung verkommen», wie Furrer im Postulat schreibt, das am Montag im Kantonsrat diskutiert wird.

Heute hat eine Krippengruppe laut Richtlinien in der Regel elf Plätze. Bei mehr als sieben Kindern muss neben der ausgebildeten Betreuerin noch eine zweite Person anwesend sein. Dies hält Furrer für ein vergleichsweise tiefes Betreuungsverhältnis. Es müsse zwar einen Betreuungsschlüssel geben, aber die Anzahl Kinder pro Gruppe könne durchaus erhöht werden.

Studien zeigten, dass die Anzahl Kinder pro Betreuungsperson in Schweden oder Deutschland höher sei, was sich kaum auf die Qualität auswirke, sagt die Sozialvorsteherin von Wädenswil. Auch mindestens zwei Räume pro Gruppe seien übertrieben: «Das schränkt vor allem innovative Krippenbetreiber unnötig ein.»

Linke: «Man riskiert Skandale»

Als gefährlich bezeichnet hingegen Kantonsrätin Sylvie Matter (SP, Zürich) den Vorstoss der Bürgerlichen. Würden weniger Räume und grössere Gruppen verlangt, verschlechtere sich unweigerlich die Qualität. Das hätten ihr Krippenleiterinnen, Betreuungspersonen sowie die Erziehungswissenschafterin Margrit Stamm bestätigt. Wenn der Staat die Auflagen reduziere, riskiere man Skandale wie denjenigen um den St. Galler Kita-Betreuer, der Kinder sexuell missbraucht haben soll. «Ohne Vieraugenprinzip ist schnell eine Betreuungsperson allein mit den Kindern.»

Ohne staatliche Hürden würden die Krippen sich stärker an Qualitätslabels orientieren, was zu einer Zweiklassengesellschaft führen würde, sagt Matter. Die Qualitätskrippen könnten sich nur noch besser betuchte Eltern leisten. Zudem fürchtet Matter eine weitere Verschlechterung der Anstellungsbedingungen des Krippenpersonals. Anlässlich des Frauenstreiks machten sich die Kindererzieherinnen erst kürzlich stark für kleinere Gruppen und bessere Löhne.

Astrid Furrer sieht die schlechten Arbeitsbedingungen als Folge des Spardrucks in den Krippen: «Weil die Betriebskosten so hoch sind, spart man beim Personal.» Auch hier würden reduzierte Auflagen Abhilfe schaffen. Sie hofft, dass der Rat ihren Vorstoss am Montag unterstützt: «Bezahlbare Krippen sollten auch den Linken ein Anliegen sein.»

Dies sei durchaus so, sagt Sylvie Matter. Allerdings könne dies nicht durch tiefere Betriebskosten erreicht werden, denn das seien primär Personalkosten, die nicht gesenkt werden könnten. Die SP setze eher auf Kanton, Gemeinden und Arbeitgeber, die den Eltern bei den Kita-Kosten unter die Arme greifen sollten.

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