Strassenbau-Eldorado

Gubrist-Kreuzung liegt am Freitag auf – der Überblick über 14 Rechtsverfahren

Beim Gubrist: Die Kreuzung von Zürcher- und Umfahrungsstrasse in Weiningen.

Beim Gubrist: Die Kreuzung von Zürcher- und Umfahrungsstrasse in Weiningen.

Die Strassenachse von Höngg bis Würenlos ist derzeit ein Eldorado für Strassenbauer, Planer, Einsprecher und Juristen. Schnell könnte man da den Überblick verlieren. Behalten Sie mit der 14er-Liste den Überblick über den Baustellen-Boom.

Es fliesst die Limmat, es fliesst der Wein, vom Rebberg in Höngg bis zu jenem in Würenlos. Zehn Kilometer Strasse liegen zwischen den beiden Orten. Auf dieser Strecke fliesst auch der Verkehr. Oder eben nicht. Für manche zu langsam. Für andere zu schnell, zu gefährlich, zu laut. Für Stunden klemmts, der Gubrist zugekorkt, bis nach Urdorf kein Korkenzieher zur Hand. Das alles soll sich mit dem Bau der dritten Tunnelröhre ändern, ein in den Berg zu sprengendes dreispuriges Heilsversprechen. 2025 sollen alle drei Röhren normal befahrbar sein.

Der Flaschenhals abgeköpft, weggesprengt. Und alles wird gut. Nicht nur im Gubrist, auch draussen, auf den Dorfstrassen. Fussgänger müssen sich nicht mehr fürchten, Oetwiler hören keine Autos mehr, Velofahrer haben ihr eigenes Stück Land, Weiningen sieht noch schöner aus und schneller vorwärts kommt der Bus, in den Menschen mit Behinderung neu besser einsteigen können. Zudem steht in Geroldswil kein kaputter Randstein mehr, an dem sich manche den Pneu aufschlitzen. Fehlt nur noch, dass der Benzinpreis so richtig darniederfällt.

14 Strassenprojekte kommen so zusammen – praktisch alle mit Rechtsverfahren. Manche beginnen erst noch, andere endeten vor Bundesgericht und wieder andere stecken irgendwo dazwischen. Ein Überblick tut not.

1. Würenlos: Ein neuer Radweg soll ab nächstem Jahr entstehen

Beim Veloweg vom Würenloser Dorfrand bis zur Zürcher Kantonsgrenze gab es vier Einwendungen, alle wurden zurückgezogen. Das Projekt ist definitiv genehmigt und rechtskräftig. Jetzt läuft das Landerwerbsverfahren. Die Verträge sind in Bearbeitung. Sobald mit allen Grundeigentümern eine Einigung erzielt worden ist, ist das Projekt baureif. Das Aargauer Baudepartement plant, die Arbeiten von 2018 bis 2019 durchzuführen. Das ist aber noch nicht definitiv.

2. Oetwil: Ein auch in Lausanne bekannter Radweg wird fertig

Der Veloweg-Bau von der Kantonsgrenze bis zum Kreisel beim Dorfeingang hatte 2014 begonnen. 2015 wurde er wegen einer Beschwerde unterbrochen. Im März 2017 wies das Bundesgericht die Beschwerde ab. Anfang 2018 nimmt das Zürcher Tiefbauamt die Arbeiten wieder auf. Geplantes Bauende: Sommer 2018.

Radweg in Oetwil: 2018 geht es hier weiter

Radweg in Oetwil: 2018 geht es hier weiter

3. Oetwil: Sanierung der Limmattalstrasse mit neuem Kreisel

Geplanter Baustart: Juni 2017. Neuer Baustart: völlig offen. Denn eine Beschwerde liegt beim Verwaltungsgericht. Das Zürcher Tiefbauamt hofft, dass die Richter der Beschwerde die aufschiebende Wirkung entziehen. Das Bauprojekt bezieht sich auf den Abschnitt vom Bohnäcker bis zum Abzweiger Dorfstrasse/Schweizäckerstrasse.

Hier an der Limmattalstrasse erhält Oetwil einen neuen Kreisel

Hier an der Limmattalstrasse erhält Oetwil einen neuen Kreisel

               

4. Oetwil-Geroldswil: Auch hier wird die Limmattalstrasse saniert

Der Bau läuft. Ursprünglich plante das Zürcher Tiefbauamt das Bauende auf November 2017. Neu ist von Dezember die Rede, da die Limeco noch zwei unterirdische Querungen für ihre neue Fernwärmeleitung bestellt hat, da sie deren Linienführung umplante. Die Baustelle geht vom Oetwiler Abzweiger Dorfstrasse/Schweizäckerstrase bis kurz nach der Bushaltestelle Geroldswil, Schweizäcker.

5. Geroldswil: Die Limmattalstrasse wird saniert und beim Zentrum wird ein neuer Kreisel gebaut

Schliesst nahtlos an das Projekt im Grenzbereich Geroldswil/Oetwil an und geht bis zum bestehenden Kreisel Fahrweidstrasse. Ist schon im Bau. Und im Zeitplan des Tiefbauamts, mit Bauende April 2018. Nur ist noch eine Beschwerde hängig vor dem Verwaltungsgericht. Sie bezieht sich auf einen rund 50 Meter langen Strassenteil, bei der Bushaltestelle Dorfstrasse. Für dieses Stück wurde der Beschwerde aufschiebende Wirkung gewährt. Im April 2018 kommt in diesem Bereich zudem eine weitere grosse Baustelle – das Baufeld Ost, direkt beim neuen Kreisel an der Ecke Limmattalstrasse/Gemeindehausstrasse.

Baufeld Ost: der neue Geroldswiler Zentrumsbau – hier von der Limmattalstrasse her gesehen

Baufeld Ost: der neue Geroldswiler Zentrumsbau – hier von der Limmattalstrasse her gesehen

6. Geroldswil-Weiningen: Die gewöhnliche Strassensanierung der Limmattal- und der Umfahrungsstrasse

Vom Kreisel Fahrweidstrasse bis zur Kreuzung mit der Niederholzstrasse handelt es sich um ein reines Sanierungsprojekt. Darum war kein Rechtsverfahren nötig. Die Bauarbeiten sind laut Tiefbauamt im Zeitplan. Die Strasse, jetzt nur einspurig befahrbar, soll von 21. bis 24. Juli vollständig gesperrt werden für den Belagseinbau – wenn das Wetter mitspielt. Sonst von 4. bis 7. August. Danach ist dieses Projekt fertiggestellt.

Baustellenschilder überall: hier an der Limmattalstrasse auf Höhe des Weininger Gewerbeparks Chrummacher

Baustellenschilder überall: hier an der Limmattalstrasse auf Höhe des Weininger Gewerbeparks Chrummacher

         

7. Weiningen: Kreuzung wird erneuert, Brücke über Autobahn verbreitert – oder vielleicht auch nicht

Dieses Projekt an der Kreuzung von Umfahrungs-, Niederholz- und Dietikonerstrasse ist noch keines. Das Zürcher Amt für Verkehr macht derzeit eine Bedürfnisabklärung bezüglich der Kreuzung. Im Fokus sind insbesondere die Abbiegespuren. Die Abklärung soll zeigen, welcher Handlungsbedarf besteht und ob ein Projekt ein sinnvolles Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen würde. Ein Entscheid liegt noch nicht vor, heisst es auf Anfrage vom Amt für Verkehr. Dieses steht in Kontakt mit dem Bundesamt für Strassen (Astra). Schliesslich verläuft die Niederholzstrassenbrücke über die Autobahn. Aus Sicht von Autofahrern, die schon mal zur verstopften Hauptverkehrszeit über die Brücke gefahren – beziehungsweise darauf gestanden – sind, lässt sich eines sagen: Eine Verbreiterung der Brücke wäre durchaus sinnvoll.

Bei dieser Kreuzung ist noch vieles offen: Der Kanton klärt jetzt den Handlungsbedarf ab

Bei dieser Kreuzung ist noch vieles offen: Der Kanton klärt jetzt den Handlungsbedarf ab

8. Weiningen: Die Strasse mit drei Namen wird saniert und umgestaltet – zudem gibts eine neue Linde

Gegen dieses Bauprojekt, das die Dietikoner-, Badener- und Regensdorferstrasse und damit auch die Lindenkreuzung betrifft, sind zwei Einsprachen eingegangen. Der Kanton befindet sich in Verhandlung mit den Einsprechern. Als nächstes steht dann die Festsetzung durch den Regierungsrat an. Einer der Einsprecher fordert Realersatz (also Land statt Geld) für das Land, das er abgeben muss. Eine Ausgangslage, die erfahrungsgemäss in einem Rechtsstreit enden könnte, also einer Beschwerde beim Verwaltungsgericht, wenn der Regierungsrat nicht auf diesen Einsprecher hört. Laut Tiefbauamt ist es das Ziel, das Projekt per Ende Jahr festsetzen zu lassen. Geplant ist ein Baubeginn mit den Werkleitungen ab 2018. Das eigentliche Strassenprojekt soll 2019 bis 2021 umgesetzt werden.

Weiningen, Lindenkreuzung: Auch sie wird saniert – in diesem Rahmen wird auch die Linde durch eine neue ersetzt

Weiningen, Lindenkreuzung: Auch sie wird saniert – in diesem Rahmen wird auch die Linde durch eine neue ersetzt

       

9. Weiningen: Die Zürcherstrasse wird saniert und umgestaltet

Gegen das Projekt der Gemeinde sind zwei Einsprachen eingegangen. Zwischen Gemeinde und Einsprechern laufen Verhandlungen, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Beide Einsprachen drehen sich um Projektanpassungen, eine davon zudem um den Landerwerb. Vorgesehen ist, das Projekt von Juli 2018 bis 2020 umzusetzen.

Kommen mit der neuen Strassenraumgestaltung noch besser zur Geltung: die verschiedenen Brunnen in Weiningen

Kommen mit der neuen Strassenraumgestaltung noch besser zur Geltung: die verschiedenen Brunnen in Weiningen

      

10. Weiningen: Die neue Kreuzung beim Gewerbehaus Gubrist

Ab nächsten Freitag, 7. Juli liegt das Projekt für 30 Tage auf (Anhörungs- und Mitwirkungsverfahren), sodass Einwendungen eingehen können. Es gibt auf jeden Fall eine neue Linienführung, aber keinen Kreisel. Gebaut wird das Projekt durch das Bundesamt für Strassen (Astra), sobald dies im Einklang mit dem Bau der dritten Tunnelröhre möglich ist – Stand heute voraussichtlich 2021.

Kreuzung von Zürcher- und Umfahrungsstrasse

Kreuzung von Zürcher- und Umfahrungsstrasse

    

11. Weiningen-Unterengstringen: Ende Monat kommt der Seitenwechsel auf der Zürcherstrasse

Die Bauarbeiten sind in vollem Gange und laut Tiefbauamt auch im Zeitplan. Ende Juli kommt Phase 2 der Sanierung und Umgestaltung der Zürcherstrasse. Dann wechseln die Arbeiter die Strassenseite. Auf der Seite, wo heute gebaut wird, fahren dann die Autos, und wo sie heute fahren, wird dann gebaut. Der Verkehr bleibt in beide Richtungen möglich.

12. Oberengstringen: Das Vorprojekt zur Zentrumskreuzung soll bald aufliegen – im Herbst

Gemeinde und Kanton sind derzeit am Ausarbeiten des Vorprojekts. Es ist geplant, dieses im Herbst 2017 öffentlich aufzulegen, sodass Einwendungen eingehen können. Einer der Pläne lautet, dass Fussgänger die Zürcherstrasse in Zukunft auch oberirdisch queren können.

Zukunftsmusik: So könnte die Oberengstringer Zentrumskreuzung dereinst aussehen

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13. Oberengstringen: Die Zürcherstrasse wird erneuert

Dieses Projekt lag kürzlich auf. Eine Einwendung ging ein. Das Tiefbauamt sucht zusammen mit der Privatperson nach einer Lösung. Im Herbst soll das Detailprojekt aufliegen, sodass Einsprachen eingehen können.

14. Zürich Höngg: Auch die Limmattalstrasse steht vor einer grösseren Sanierung

Die Limmattalstrasse soll saniert und die Haltestellen des öffentlichen Verkehrs behindertengerecht gestaltet werden. Womöglich wird auch die Strassengestaltung geändert – für konkrete Aussagen ist es aber zu früh: Das städtische Tiefbauamt ist an der Vorstudien-Phase. Baustart: frühestens 2021.

Strassenbauprojekte auf dem Weg ans Bundesgericht in Lausanne: So läuft es ab

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Einsprache, Einwendung, Beschwerde – wie bitte?

Ein bisschen planen, ein bisschen bauen: So einfach ist es nicht. 66 Paragrafen zählt das Zürcher Strassengesetz, das unter anderem die Rechtsverfahren für Kantonsstrassenbauprojekte regelt.

Sobald zum Beispiel die Zürcher Baudirektion ein Projekt erarbeitet hat, startet das Anhörungs- und Mitwirkungsverfahren gemäss den Paragrafen 12 und 13. Hier können andere staatliche Stellen, Planungsverbände sowie Gemeinderäte von betroffenen Gemeinden ihre Begehren äussern. Bürger haben die Möglichkeit, Einwendungen einzureichen. Damit bitten sie den Staat, ein Projekt abzuändern respektive zu verbessern. Dieser kann, muss die Ideen aber nicht berücksichtigen. Auf jeden Fall muss er dazu Stellung nehmen.

Danach folgt die Planauflage gemäss Paragraf 16, sozusagen das Baugesuch. Hier sind Einsprachen möglich, über die dann abschliessend der Zürcher Regierungsrat mit der Projektfestsetzung befindet.

Gegen den Entscheid der Regierung lässt sich ein Rechtsmittel einreichen: die Beschwerde beim kantonalen Verwaltungsgericht. Die Sache lässt sich dann bis ans Bundesgericht in Lausanne weiterziehen.

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