Jubiläum
Gründer von Ron Orp: «Das Underground-Image wurde uns aufgesetzt»

Zürichs Insider-Newsletter Ron Orp wird zehn Jahre alt. Die Gründer Romano Strebel und Chritian Klinner über den mysteriösen Ron, ihre finanziellen Ambitionen und über das Fest, für das sie am Dienstag die ganze Zollstrasse sperren lassen.

nicole döbeli
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Romano Strebel (links) und Christian Klinner. ho

Romano Strebel (links) und Christian Klinner. ho

Pro Monat kommen heute tausend neue Abonnenten dazu, wie hat Ron Orp am 29. April 2004 angefangen?

Urbaner Newsletter Zürichs

Vor zehn Jahren startete Ron Orp als einfache Website, auf der die Gründer Christian Klinner und Romano Strebel Inhalte zur Stadt Zürich posteten. Mit der Zeit entwickelte sich die Seite zur interaktiven Plattform. Bekannt ist Ron Orp vor allem für den Newsletter - jeden Tag verschickt vom mythischen «Ron» persönlich Ausgehtipps, Restaurantkritiken, Konzertansagen und Weiteres. Heute zählt Zürich 86 000 Newsletter-Abonnenten und rund 100 000 Nutzer mit Login für die Plattform. Die täglichen Kultur-Updates gibts mittlerweile auch für Bern, Basel, Genf, St. Gallen, Lausanne, Luzern und Winterthur. Auch in Berlin, Hamburg, München und Wien sind Stadtschreiber am Werk. (nid)

Christian Klinner: Mit 7000 Franken, einer Handvoll Abonnenten aus dem Kollegenkreis und keinem Businessplan. Romano Strebel und ich wohnten damals in der gleichen WG und arbeiteten bei der gleichen Agentur. Wir wollten unbedingt etwas selber machen. Das Ziel war Leute zusammenzubringen, zu vernetzen und inspirieren. Facebook vernetzt dich mit deinen Freunden, Linked-In mit deiner Arbeit und Ron Orp mit deiner Stadt. Das ist auch heute mit 86 000 Zürcher Abonnenten noch unser Credo.

Wann ist «Ron» dazu gekommen?

Er ist als urbaner Mythos eines Nachts vor zehn Jahren aufgetaucht. «Ron» ist sehr zurückhaltend und gibt keine Interviews. Leute wollten ihm auch schon Wein oder Schokolade vorbeibringen, leider ist er immer gerade dann ausser Haus.

Früher galten die Newsletter als Geheimtipp. Stört es Sie, dass sie heute zum Mainstream zählen?

Dieses Underground-Image ist uns so aufgesetzt worden. Wir fanden es schon immer etwas doof. Leute werfen uns vor, dass wir zu gross seien und uns alle lesen, aber wir freuen uns darüber. Je mehr Leute mitmachen, desto mehr läuft auch auf unserer Plattform. Mit dem Marktplatz, den Wohnungs- und Liebes-Inseraten bieten wir für alle etwas. Man kann ganze Lebenszyklen über Ron Orp planen. Redaktionell sind wir natürlich schon eher alternativ.

Heisst das, es gibt Vorgaben für die Inhalte in den Newslettern?

Nein, die Auswahl ist stark bauchlastig. Jede Ausgabe soll eigentlich ein perfektes Menü für die jeweilige Stadt sein. Sodass nicht nur Konzerte oder Partys angekündigt werden, sondern ein guter Mix zusammenkommt. Die Redaktion und natürlich «Ron» im Hintergrund wählen täglich aus, was wir für gut halten. Wir haben auch kein Corporate Image. Unsere Mitarbeiter werden nicht geschult. Deshalb sind die Newsletter von anderen Städten auch anders geschrieben, als der in Zürich. Ich finde solche Freiheiten muss man zulassen. Und das Faszinierende dabei ist: Es hat noch nie Probleme gegeben. Auch die Mitarbeitenden in Deutschland oder Österreich verstehen, um was es bei Ron Orp geht.

Können Sie von Ron Orp leben?

Ja, heute reicht es mit klassischer Werbung und Inseraten. Die ersten zwei Jahre haben wir gar nichts verdient, da haben wir die Seite als Hobby betrieben. Später sind wir dann bei Werbeagenturen vorstellig geworden und haben ihnen erklärt, was Werbebanner auf Online-Plattformen sind. Jemand hat damals sogar gefragt, was auf der Hinterseite des Banners gezeigt werden könne. Man muss sich vorstellen, dass Facebook gerade mal zwei Monate vor uns gegründet worden ist. Youtube ein ganzes Jahr nachher. Wenn man’s bedenkt, ist eigentlich alles noch sehr jung. Trotzdem gelten Banner heute schon wieder als Auslaufmodell.

Facebook gibt sich oberflächlich als Gratis-Plattform, macht aber regelmässig negative Schlagzeilen mit Datenhandel. Laufen bei Ihnen auch solche Finanzierungsmodelle im Hintergrund?

Schön wärs. Spass beiseite, die Kommerzialisierung rückt schon immer mehr in den Vordergrund. Vor allem auch, weil der Werbemarkt online stark unter Druck ist, da die Preise laufend sinken. Datenverkauf lohnt sich aber nur bei den wirklich grossen Unternehmen wie Google oder Facebook. Wir könnten die Nutzer zwar nach Geschlecht oder Alter aufteilen, aber die Zahlen fallen dann so in sich zusammen, dass sie für den Werbemarkt nicht mehr interessant sind.

Peter Hogenkamp, Gründer der Firma Blogwerk, hat Ron Orp 2010 gelobt, aber auch gesagt, er würde keine Aktien kaufen. Wie sehen Sie das heute?

Das halte ich für eine vernünftige Aussage. Schlussendlich sind wir einfach ein Medium. Ich würde heute auch keine Aktien mehr von einer kleinen Zeitung kaufen. Diese Plattform ist Romanos und mein Traum, ich denke wir machen hier etwas Sinnvolles. Es ist nichts, was reich macht.

Dann schauen Sie gar nicht allzu weit in die Zukunft?

Der Fokus in diesem Jahr liegt auf dem Redesign der Plattform und auf dem Ausbau der Stadtnetze. Diese Nische wollen wir weiter besetzen. Und natürlich wachsen und den Newsletter in weiteren Schweizer Städten verschicken können. Was langfristig kommen wird, kann ich nicht sagen, da ich eben nicht an Businesspläne glaube. Es ändert sich alles immer extrem schnell.

Die Geburtstagsparty für «Ron» ist aber fertig geplant?

Das schon. Wir werden am Dienstag die ganze Zollstrasse in Zürich für ihn sperren lassen. Da stellen wir dann eine lange, weisse Tafel auf mit Essen von verschiedenen Food-Ständen. Ab 18 Uhr spielen Bands und Slam-Poeten haben wir auch eingeladen.