Zählt man die politischen Gewinner der letzten Jahre auf, so kommt man um die Grünliberalen nicht herum. Die Partei ist so stark gewachsen wie keine andere. Als sie 2007 erstmals für den Kantonsrat antrat, holte sie auf Anhieb zehn Sitze (von 180) und knüpfte 2011 mit neun zusätzlichen Sitzen und einem Wähleranteil von über 10 Prozent nahtlos an diesen Erfolg an. Auch in sieben der insgesamt zwölf Zürcher Gemeindeparlamente ist die Partei inzwischen vertreten – unter anderen auch in den Grossstädten Zürich und Winterthur.

Es harzt bei Exekutivwahlen

Doch während die GLP in den Legislativen Sieg um Sieg ins Trockene bringt, harzt es bei den Exekutivämtern bislang mächtig. Nur gerade ein gutes Dutzend Mitglieder sitzen aktuell in einer Stadt- oder Gemeinderegierung. Prominentestes Beispiel ist Parteigründer und -präsident Martin Bäumle in Dübendorf, der aber bereits Stadtrat war, als er noch zu den Grünen gehörte. Je einen Grünliberalen gibt es weiter im Stadtrat Opfikon sowie in den Gemeinderäten von Wetzikon, Kilchberg und Langnau am Albis. Der einzige GLP-Gemeindepräsident ist Christoph Ziegler in Elgg.

Die Grossstädte knacken

Schmerzlich ist für die Partei vor allem, dass ihr sowohl in Winterthur als auch in Zürich ein Stadtratsamt bislang verwehrt blieb. In beiden Städten ist sie bereits zwei Mal zur Wahl angetreten, scheiterte jedoch immer. Zuletzt traf es in Zürich Kandidat Daniel Hodel, der vor genau einem Jahr gegen seine Konkurrenten aus FDP und AL sang- und klanglos unterging. Trotz des überschaubaren Kandidatenfeldes schnitt er bereits im ersten Wahlgang so schlecht ab, dass die Partei ihn für den zweiten Wahlgang gar nicht mehr aufstellte.

«Für eine junge Partei wie unsere ist es schwierig, in der Exekutive Fuss zu fassen», sagt GLP-Kantonalpräsident Thomas Maier. Die Bevölkerung beobachte zuerst, wie sich eine Partei im Parlament schlage, bevor es sie in die Regierung wähle. «Diese Erfahrung haben vor uns auch schon andere Parteien gemacht.» Maier ist aber der Meinung, dass die Zeit für mehr GLP nun gekommen sei: «Wir haben in vielen Gemeinden eine Wählerstärke, die ein Exekutivamt rechtfertigt.»

Ob er damit recht hat, wird sich demnächst zeigen. Am 9. Februar und am 30. März finden in sämtlichen Gemeinden des Kantons Gesamterneuerungswahlen statt. Die GLP geht in allen Parlamentsgemeinden ausser in Adliswil mit einer eigenen Liste an den Start. Die bisherigen Sitze in den Exekutiven will sie halten, in Dübendorf sogar einen zweiten dazuholen; zusätzlich drängt sie neu in die Stadträte von Schlieren, Bülach, Illnau-Effretikon, Uster, Wädenswil sowie – einmal mehr – Winterthur und Zürich.

Rosig sind die Aussichten auch diesmal nicht. In Winterthur hat Beat Meier laut einer kürzlich veröffentlichten Wählerumfrage schlechte Karten. Und in Zürich droht der an sich starke Kandidat Samuel Dubno neben der Konkurrenz aus dem linken und rechten Lager ebenfalls zu scheitern. Dafür stehen die Chancen gut, dass die Bisherige Judith Bellaiche in Kilchberg neu das Gemeindepräsidium übernehmen kann.

Zu wenige profilierte Köpfe

Politgeograf Michael Hermann sieht für das harzige Vorankommen der GLP mehrere Gründe. Einer ist das Parteiprogramm, das sowohl sehr grüne als auch sehr bürgerliche Positionen vereint und damit links und rechts Abwehrreaktionen auslöst. Zwar verfügt die GLP über eine Stammwählerschaft, welche die Partei genau dieser Kombination wegen wählt und ihr die Erfolge in den Parlamenten beschert. «Für Exekutivämter, die nach dem Majorzsystem verteilt werden, braucht die GLP neben der eigenen Wählerbasis aber auch Leihstimmen aus anderen Parteien. Davon bekommt sie bisher zu wenig», so Hermann.

Ein zweiter Grund ist, «dass die Partei über relativ wenige profilierte Köpfe verfügt.» Sie ziehe Leute an, die für die üblichen «Parteispiele» wenig übrig hätten, die Lösungen suchten statt des inszenierten Auftritts. «Es ist aber eine Illusion zu glauben, man könne politisieren, ohne auch die Rolle des Politikers wahrzunehmen – gerade wenn es um Personenwahlen geht», sagt Hermann. Samuel Dubno betrachtet er in dieser Hinsicht als Ausnahme in der aktuell eher blassen GLP-Mannschaft. «Ihm traue ich einen Achtungserfolg zu.» Auf dem Land sei die Lage schwieriger einzuschätzen. Möglich sei aber, dass die Partei in konservativeren Gemeinden als die «bürgerlichen Grünen» eine Marktlücke füllen könnte.

Darauf hofft auch Parteipräsident Maier. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Exekutivmandate «von einer auf zwei Handvoll» zu verdoppeln. Und sollte das nicht klappen, «dann nehmen wir einfach noch einmal einen Anlauf.»