Die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) und die Baugenossenschaft des eidgenössischen Personals dürfen ihre Siedlungen im Zürcher Stadtkreis 3 neu bauen. Das Baurekurs- und das Verwaltungsgericht haben die Einsprache des Zürcher Heimatschutzes abgewiesen. Der Verein sieht vom Weiterzug ans Bundesgericht ab, wie er gestern bekannt gab.

Voraussichtlich im Jahr 2020 ist der Zürcher Gemeinderat dran: Dann kann er sich mit dem Gestaltungsplan für die Überbauung Seebahnhöfe im Quartier Aussersihl befassen. So in etwa sieht der Zeitplan aus, wie Seebahnhöfe-Sprecher Mike Weibel auf Anfrage sagt. Die beiden Genossenschaften werden die Arbeit am Gestaltungsplan planmässig in rund einem halben Jahr aufnehmen. Dass es bei der nun besagten Überbauung vorwärtsgeht, ist keine Selbstverständlichkeit. Voraus ging ein langer Rechtsstreit.

Erst im Juli ist das Verwaltungsgericht dem Entscheid des Baurekursgerichts gefolgt. Das Urteil beider Gerichte fiel deutlich aus: Die ABZ und die BEP dürfen ihre bald 100-jährigen Siedlungen an der Seebahnstrasse ersetzen, da sie am Ende ihres Lebenszyklus angelangt sind. Eine Unterschutzstellung ist laut Verwaltungsgericht unverhältnismässig. Es gewichtet das Interesse an einer Neubautätigkeit stärker als das Interesse am Erhalt einer «im mittleren Grad schutzwürdigen Wohnsiedlung».

Der Zürcher Heimatschutz begründet seinen Entscheid, nicht ans Bundesgericht zu gelangen damit, dass er die Urteile beider Instanzen nur mit «eingeschränkten, formalen Gesichtspunkten» anfechten könnte. Und rechnet deshalb mit geringen Erfolgschancen in Lausanne.

Die beiden Siedlungen, die durch Neubauten ersetzt werden sollen, stammen aus den 1930er-Jahren. Während die ABZ ihre 156 Wohnungen an der Kanzleistrasse durch 210 Neue aufwerten will, plant die BEP Ähnliches. Sie will die heute 113 Siedlungswohnungen an der Seebahnstrasse mit einem 146-Wohnungs-Neubau ersetzen. Erste Schritte zu diesem Projekt haben die Genossenschaften 2008 unternommen. Es folgte die Erarbeitung eines Quartier-Leitbildes und Vorschläge dazu, wie sich Neubauten in das Quartier einordnen könnten.

Die Stadt Zürich äusserte 2011 erstmals die Absicht, die Siedlungen aus dem Inventar schutzwürdiger Bauten zu entlassen. Mit der Durchführung eines Architekturwettbewerbes war der Stadtrats-Entschluss bezüglich der Entlassung aus dem Inventar schutzwürdiger Bauten im Sommer 2016 dann besiegelte Sache.