Derzeit haben 15 500 Haushalte ein Grünabfuhr-Abonnement bei der Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ). Seit im Jahr 2013 eingeführt wurde, dass die Haushalte der Grünabfuhr auch Essensreste und Küchenabfälle mitgeben können, zählt die ERZ rund 2000 Abonnenten mehr; die Grünabfuhr-Abonnements in Zürich entwickeln sich also nur zögerlich. Bei Spaziergängen durch die Stadt wird ebenfalls klar: Der Grünabfuhr-Container hat sich noch nicht ins Zürcher Stadtbild eingenistet.

Haushalte gibt es im Vergleich zur Abonnements-Zahl deutlich mehr: Etwas über 193 000 zählt die Stadt zurzeit. Leta Filli, ERZ-Sprecherin, wendet hier allerdings ein: «Für beispielsweise ein Abonnement für einen 770-Liter-Container können sehr viele Wohnungen ihren Bioabfall bereitstellen. Das kann man nicht 1:1 umlegen.» So ist auch die Zielgrösse des ERZ auf den ersten Blick bescheiden: Bis 2017 wolle man 16 000 Abonnements haben.

Aufwand ist für viele zu hoch

Insgesamt 13 000 Tonnen an Essensresten, Küchen- und Gartenabfällen hat die Stadt Zürich im vergangenen Jahr gesammelt. Im Vergleich dazu haben die Gemeinden im Kanton Zürich ein Vielfaches mehr an biogenem Abfall vom sonstigen Haushaltskehricht getrennt, nämlich 113 000 Tonnen.

ERZ-Sprecherin Filli nennt einige Möglichkeiten, warum nur wenige Liegenschaften in der Stadt über einen Grün-Container verfügen: «Die Grünabfuhr ist nicht gratis und der Abonnent muss den Container selbst bewirtschaften. Dazu gehört beispielsweise das Einschliessen des Containers in der Nacht oder auch das regelmässige Auswaschen. Zudem muss eine Liegenschaft über den Platz für einen zusätzlichen Container verfügen.» Anders verhält es sich mit den «Zürisack»-Container der ERZ: Um deren Wartung und Reinigung kümmert sich die Stadt. Denn die Kehrichtentsorgung gehört zur Grundversorgung. Eine solche Pflicht bei der Grünabfuhr gibt es aber nicht.

Bevor diese 2013 eingeführt wurde, wurden in der Stadt Zürich lediglich Gartenabfälle gesammelt. Heute sammeln insgesamt 99 Gemeinden im Kanton Zürich alle Arten von Grünabfuhr, 48 nur Küchen- und Gartenabfälle und die restlichen Gemeinden lediglich Gartenabfälle. Und diese bieten ihren Bewohnern auch oft nur die Bringsammlung auf dem Werkhof an. Ob und wie gesammelt wird, hängt dabei stark von der Gemeindestruktur ab, wie Dominik Oetiker von der Baudirektion des Kantons Zürich sagt: «Viele Gemeinden bieten eine Sammlung an. Die Nutzung dieser ist vor allem davon abhängig, ob für biogene Abfälle eine zusätzliche Gebühr verlangt wird, wie zum Beispiel in der Stadt Zürich, oder ob diese ‹gratis› angeboten wird.» Im Fall einer Gratis-Sammlung erfolge die Finanzierung über die Kerichtsackgebühr und über die Abfallgrundgebühr.

Grünabfall wird Energie

Klar ist: Weder Vermieter noch die übrigen Hausbesitzer sind verpflichtet, einen Sammelpunkt zur Verfügung zu stellen. Mieter, die das wünschen, können höchstens das Gespräch mit ihrer Verwaltung suchen. Oetiker hat eine Vermutung, weshalb die Installation der Grünabfuhr-Container sich so zaghaft entwickelt: Das Problem sei, dass die Sammlung keine Fremdstoffe wie PET-Flaschen enthalten darf. «Wenn die Stadt sich mehrfach beim Vermieter über den zu hohen Anteil an Fremdstoffen im Container beschwert, dann ist es für die Verwaltungen einfacher, gar keine Container aufzustellen, als jedes Mal die Mieter mit entsprechenden Rundschreiben zu Entsorgungsdisziplin aufzufordern.»

Dabei würde sich die Disziplin beim Entsorgen lohnen. Die Grünabfälle der ERZ landen nämlich bei der Biogas Zürich AG. Diese liefert für die Stadt und die umliegenden Regionen grüne Energie zum Heizen, Kochen oder für die Stromproduktion. Mit dem Grünabfall aus der Stadt und dem Kanton produziert die in Altstetten ansässige Firma rund 12 180 000 Kilowattstunden Rohbiogas. Zum Vergleich: Mit einer Kilowattstunde Strom können sie 1 Wäsche waschen oder aber ein Essen für vier Personen auf dem Elektroherd kochen.