Alkoholverkauf
Grösste Sünder sind Festbeizen und Take-aways

Der Verkauf von Alkohol an Jugendliche stellt nach wie vor ein Problem dar. Verbesserungen sind aber möglich, wie die Tankstellenshops aufzeigen.

Oliver Steinmann
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Soll die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen in Betrieben, die alkoholische Getränke anbieten, regelmässig überprüft werden? Im Kanton Zürich besteht in dieser Frage keine Einigkeit. Nur 23Prozent aller Gemeinden halten es für nötig, Testkäufe durchzuführen. Und längst nicht alle halten sich dabei an die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Nur allzu oft würden Schulklassen ohne gründliche Vorbereitung für Testkäufe aufgeboten, erklärt Stephan Kunz, Geschäftsführer Blaues Kreuz Zürich. «Vor allem bei jungen Frauen kommt es vor, dass sie sich extra herausputzen, um auszusehen wie 20-Jährige.» Solche Tests würden ihren Zweck kaum erfüllen, jedoch die Verkäufer verärgern. «Diese glauben dann, man habe sie extra hereinlegen wollen.»

710 Betriebe auf die Probe gestellt

Im zu Ende gehenden Jahr wurden in 39 Zürcher Gemeinden Alkoholtestkäufe durchgeführt. 710 Betriebe wurden in Koordination mit dem Blauen Kreuz auf die Probe gestellt, wie die Organisation am Montag mitteilte. Resultat: Im Durchschnitt fällt jeder vierte Anbieter durch. Bei den getesteten Festbeizen ist es sogar jede Dritte, bei den Take-aways ebenfalls hohe 28 Prozent.

Bei diesen standardisierten Überprüfungen liegt das Alter der Testpersonen laut Kunz mindestens ein halbes Jahr unter der Limite für den Verkauf. Ausserdem trage der oder die Jugendliche stets einen Ausweis bei sich und beantworte Fragen des Personals wahrheitsgemäss.

Diese Qualitätsstandards würden viel zur Akzeptanz der Tests beitragen. Das Blaue Kreuz plädiert deshalb dafür, dass standardisierte Testkäufe gesetzlich vorgeschrieben und flächendeckend durchgeführt werden.

Die Erfahrung zeige, dass mit einer kontinuierlichen Kontrolle deutliche Verbesserungen möglich seien.

Erfolg bei Tankstellenshops

Diese Forderung untermauert Kunz mit einem eindrücklichen Beispiel: In den Tankstellenshops konnte die Quote der illegalen Verkäufe innerhalb eines Jahres von 24 auf 16Prozent gesenkt werden.

Voraussetzung war eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Erdölvereinigung, dem zuständigen Branchenverband. «Obwohl die Personalfluktuation in diesen Shops enorm hoch ist, konnte die Situation dank gezielten Schulungen und kontinuierlichen Kontrollen erheblich verbessert werden», freut sich Kunz. Vergleichbares wäre aus seiner Sicht beispielsweise auch bei Festbeizen möglich. «Auch hier wechselt das Personal zwar ständig, der Anbieter bleibt jedoch derselbe.»

Es müsse zuerst gelingen, die betreffenden Personen für das Anliegen zu sensibilisieren.

Kontrollen nötig

Aus Sicht von Kunz wird der Alkoholmissbrauch von Jugendlichen noch allzu oft als Kavaliersdelikt abgetan, und Kontrollen würden mancherorts als Schikane empfunden. Dass diese jedoch nötig sind, zeigt ein weiteres Ergebnis der diesjährigen Tests: In jenen Zürcher Gemeinden, in denen 2010 zum ersten
Mal unangekündigte Kontrollkäufe durchgeführt wurden, sind 60Prozent der Betriebe durchgefallen.