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Grösste Gleisbaumaschine der Schweiz steht im Limmattal im Einsatz: «Das ist Millimeterarbeit»

Die SBB erneuern ihre Gleise zwischen Altstetten und Urdorf. Zum Einsatz kommt dabei die grösste Gleisbaumaschine der Schweiz.

Sandro Zimmerli
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 Das Verfüllen des Schotters ist Millimeterarbeit.
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 Die Schienenstücke müssen von Hand auseinandergeschraubt werden.
 Der Schotter wird in sogenannte Chübeli abgefüllt werden.
Bauarbeiten SBB
 In den Chübeli wird der Schotter transportiert.
 Insgesamt ist der Zug 1,25 Kilometer lang.
 Im Führerstand laufen die Informationen zusammen.
 Beim Anheben der Schiene ist Vorsicht geboten.
 Die "Puscal S" ist technisch auf dem neusten Stand.
 Blitzschnell werden die Schienen getrennt.

Das Verfüllen des Schotters ist Millimeterarbeit.

André Albrecht

Für die einen ist sie eine Fabrik auf Schienen, für andere schlicht ein Monster. Imposant ist sie allemal, die «Puscal S» der Waadtländer Firma Scheuchzer. Die modernste und längste Gleisbaumaschine der Schweiz steht derzeit im Limmattal im Einsatz. Mit ihr wird der Unterbau der SBB-Gleise zwischen Zürich Altstetten und Urdorf erneuert. «Alleine die eigentliche Maschine ist 420 Meter lang», sagt Erich von Arx von der Scheuchzer AG. Rechne man noch alle Verlade- und Materialwagen dazu, komme man auf eine Länge von 1,25 Kilometer.

Schon die Anfahrt des Kolosses von Altstetten her an den Bauplatz auf dem Bahndamm in Schlieren bei der katholischen Kirche ist eindrücklich. Langsam bahnt sich der Zug seinen Weg die Steigung hinauf, ehe er am festgeschriebenen Platz hält. In dieser Nacht gilt es den Schotter sowie die Tragschicht auf einer Länge von 72 Metern zu erneuern, um so die Tragfähigkeit der Gleise sicherzustellen.

«Mehr schaffen wir in der vorgegebenen Zeit bei dieser Steigung nicht», sagt Bauführer Sedat Semiz, der im Auftrag der SBB arbeitet. Das Zeitfenster für die Arbeiten öffnet sich um 21.05 Uhr und schliesst wieder kurz nach 5 Uhr. In dieser Zeit ist die Strecke gesperrt. Anders war dies vergangenes Wochenende. Da war die Strecke von Samstagmorgen bis in den frühen Montag gesperrt. «Auf 1877 Metern konnten wir da die Gleise ersetzen», so Semiz.

So viel Zeit ist an diesem Donnerstag nicht vorhanden. Deshalb beginnen die Arbeiten bald, nachdem die «Puscal S» ihren Standort erreicht hat. Nun wird es laut. Ein Kran hebt ein 18 Meter langes Stück Schiene an und eine Fräse kämpft sich durch den Schotter, der über ein Förderband weggeführt wird. Das Prozedere wiederholt sich noch einmal. Nun wird auch der Unterbau entfernt. «Insgesamt graben wir 95 Zentimeter in die Tiefe», sagt Semiz. Das Gleisstück wird in die nun entstandene Grube gelegt.

Schotter wird wiederverwendet

Der Schotter wird gleichzeitig durch ein Sieb geführt und dort gereinigt. «Zu kleine und zu grosse Stücke werden in die Verladewagen abgeführt», sagt von Arx. Der Rest findet wieder Verwendung und wird in einem anderen Wagen zwischengelagert. Von dort wird der Schotter kurze Zeit später auf sogenannte Chübeli verladen, die ebenfalls per Kran auf die Gleise gehievt und von dort wieder auf den Zug gestellt werden. «Insgesamt werden in einer solchen Nacht rund 600 Kubikmeter Schotter abtransportiert», so von Arx.

Nun saust der Kran wieder heran, hebt das Stück Schiene, transportiert es ab und lagert es auf dem Waggon zwischen. Die Chübeli kommen zum Einsatz. Auch sie werden mit dem Kran an der richtigen Stelle platziert. Die Grube wird nun sorgfältig aufgefüllt. Ein Schieber planiert den Schotter. «Das ist Millimeterarbeit», sagt von Arx. Ist die richtige Höhe erreicht, legen die Kräne das Gleisstück zurück. Nun ist wieder Handarbeit gefragt. «Ohne Arbeiter geht es nicht», sagt von Arx. Denn die Schienen müssen von Hand auseinander und später wieder zusammengeschraubt werden. Rund 35 Mann sind auf der Baustelle. Wenn ihr Einsatz gefragt ist, geht es zügig. Blitzschnell lösen sie die Schrauben oder ziehen sie wieder an.

Langsam schiebt sich die riesige Maschine in Richtung Altstetten. Die Vorgänge wiederholen sich. Alles geht planmässig vonstatten. Kurz nach 5 Uhr heisst es dann Aufbruch. Rund 15 Minuten dauert es, ehe die «Puscal S» ihren Standort in Altstetten erreicht. An ihren Einsatzort dauert die Fahrt der Maschine wegen der Steigung und des Gewichts – insgesamt ist sie mit 900 Tonnen Material beladen – etwas länger. «Von Altstetten bis nach Schlieren braucht sie ungefähr zwanzig Minuten», sagt Semiz.

In Altstetten steht die Maschine tagsüber. «Dort wird sie dann wieder mit neuem Material beladen. Wir arbeiten also in einem 24-Stunden-Betrieb», sagt Semiz. Noch bis zum 22. September werden er und seine Kollegen unter der Woche in der Nacht im Einsatz sein. Reisende nach Birmensdorf müssen so lange die Ersatzbusse ab Schlieren in Anspruch nehmen. Der Unterbau sollte derweil für die nächsten 40 bis 60 Jahre halten. Und so können die Züge weiterhin sicher und pünktlich verkehren.