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Grosses Interesse an «.zuerich»: Domains gegen den virtuellen Dichtestress

Mehr als 1500 neue Domainendungen stehen bald neben .ch für Webadressen zur Verfügung. Wer sie nutzen darf, ist noch nicht bei allen geklärt. Für .zuerich gibt es bereits über zehntausend Interessenten.

nicole döbeli
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Findet man bald unter www.stadt.zuerich zur Website der Stadt?

Findet man bald unter www.stadt.zuerich zur Website der Stadt?

Webadressen wie www.hafenkran.zuerich oder www.langstrasse.zuerich werden bald Realität sein. Der Grund: Es wird eng im Internet. Als dieses 1998 noch in den Kinderschuhen steckte, wurden die ersten sieben Domainendungen entwickelt. Dazu zählten .com, .org und .net. Mit der Zeit wurde die Anzahl Endungen auf 22 erweitert und länderspezifische wie .ch und .de kamen dazu.

Heute ist .com mit über 107 Millionen Registrierungen die meist verwendete dieser sogenannten Top Level Domains. Diese hohen Zahlen deuten auf das Problem mit neuen Websites hin: Die Kombinationen sind langsam aufgebraucht. Egal, welche Endung man nutzen möchte, die Chance ist hoch, dass dieselbe Zeichenfolge bereits registriert ist.

Die internationale Internet-Verwaltung Icann beschloss deshalb, die Regeln zu lockern. Anfang 2012 konnten Interessenten während einiger Monate neue Domainendungen vorschlagen und sich dafür bewerben. Als Inhaber sind sie für den Betrieb verantwortlich. Sie entscheiden auch, welche Websites mit ihrer Endung laufen dürfen. Um sicherzustellen, dass Bewerber die Mittel besitzen, um den Betrieb zu finanzieren, setzte Icann eine Gebühr von 185 000 Dollar fest.

.zuerich kommt 2015

Bezahlt haben diese fast 2000 Interessenten, darunter auch der Kanton Zürich. Er hat sich bei Icann um die Domain .zuerich beworben. Einige Bewerbungen wurden im Laufe des Verfahrens zurückgezogen, die restlichen werden im Losverfahren abgearbeitet. Zürich musste sich mit der Nummer 1653 am Ende der Schlange einreihen. Seit Anfang dieses Jahres sind die ersten Endungen genehmigt, und Websites können registriert werden. Zum Beispiel mit den Endungen .guru, .singles, .bike oder mit Städtenamen wie .london und .berlin.

Der Kanton muss sich noch etwas gedulden, doch rechnet Projektleiter Can Arikan vom Amt für Wirtschaft und Arbeit Anfang 2015 mit dem Aufschalten erster Internetseiten unter .zuerich. Wie die Domain genutzt werden soll, gibt er vorerst nicht preis. Das Interesse ist jedenfalls gross. Bei der Registrierungsstelle Switchplus sind über 10 000 Reservationen für .zuerich-Adressen eingegangen. Welche davon der Kanton zulässt, zeigt sich erst noch. Laut Switchplus-Geschäftsführer Wolfram Schmidt könnte eine Bedingung sein, dass die Websitebetreiber im gleichen Kanton gemeldet sein müssen.

Es gebe aber auch Domainendungen wie .guru, die ohne Restriktionen für alle verfügbar seien. Wer sich beispielsweise für .berlin interessiere, müsse einzig eine Kontaktadresse in der deutschen Hauptstadt angeben. Die Inhaber verfolgten sehr unterschiedliche Strategien, wichtig sei auf jeden Fall, dass man sich an eine halte, sagt Schmidt. Er könnte sich vorstellen, dass Zürich die Domain nicht kommerziell betreibt und nur für die eigene Verwaltung braucht.

Von den 10000 reservierten Adressen würden dann wohl die wenigsten zustande kommen. Kosten entstünden für die Interessenten aber keine, Reservationen bei Switchplus sind gratis. Geld kommt erst ins Spiel, wenn die Domains lanciert werden. Dann bemüht sich Switchplus, die reservierten Adressen für die Kunden zu ergattern. Die Erfolgsquote ist hoch, laut Schmidt liegt sie bei gut 90 Prozent. Das liege auch daran, dass Switchplus die einzige Stelle sei, die Reservationen entgegennimmt.

Google-Resultate beeinflussen

Während der jährliche Preis für eine Adresse mit .ch bei knapp 16 Franken liegt, kosten die neuen Endungen zwischen 39 und 89 Franken. Dafür ist die Hoffnung gross, dass sich die Domains positiv aufs Marketing auswirken. Niemand kenne den Algorithmus von Google, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit beachte die Suchmaschine nicht nur die Adresse vor, sondern auch nach dem Punkt, sagt Schmidt. Unternehmen mit clever kombinierten Webadressen, wie beispielsweise www.kfz.versicherung oder www.flirt.singles könnten also weiter oben in den Suchresultaten erscheinen, als Konkurrenten mit weniger griffigen Namen.

Die neuen Endungen können aber auch vermeintliche Sicherheit vorgaukeln. Um Missbrauch durch Hochstapler vorzubeugen, versuchen sich deshalb die Inhaber von sensiblen Domainnamen wie .bank oder .versicherung abzusichern. Registrieren können sich teils nur überprüfte Firmen oder solche mit eingetragener Marke. Bei jeder .med-Seite wird im Nachhinein geprüft, ob auch tatsächlich ein registrierter Arzt dahinter steht. Auch der Kanton wird sich entscheiden müssen, was in Zukunft unter seinem Namen im Netz auftauchen soll.