Es ist das grosse Thema der 6. IV-Revision, die in Teilen 2012 in Kraft treten soll: IV-Rentner und -Rentnerinnen sollen dazu gebracht werden, möglichst wieder zu arbeiten. Bereits seit November 2009 läuft ein entsprechendes Pilotprojekt. Es trägt den Namen «Ingeus».

Angestossen wurde es vom Bundesamt für Sozialversicherungen, organisiert ist es als eigenständige Firma mit Büros in Zürich -Oerlikon. An sie werden IV-Bezüger vermittelt, die den beruflichen Wiedereinstieg wagen wollen. Bis Ende 2010 liessen sich 625 Personen dafür gewinnen, wie im nun versandten Jahresbericht der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA) nachzulesen ist. Bereits für 100 von ihnen konnte ein Arbeitsplatz gefunden werden, heisst es in der dazugehörigen Medienmitteilung.

Eine Herausforderung

34 100 Personen beziehen im Kanton Zürich eine Rente aus der IV. Wie im SVA-Jahresbericht vermerkt ist, sollte für eine nachhaltige Sanierung des Sozialwerks der Sockelbestand der IV-Renten im Kanton Zürich bis Ende 2017 um 2000 reduziert werden.

«Eine Herausforderung», sagt dazu Daniela Aloisi von der SVA-Medienstelle. Die Erfahrungen aus Ingeus stimmten aber zuversichtlich. «Alle, die sich für das Projekt gemeldet haben, taten dies freiwillig», betont sie. Das zeige, dass das Interesse gross sei. Ein Grund dafür könne sein, dass sich der gesundheitliche Zustand seit der Verrentung verbessert habe. Ein starkes Motiv sei auch, wenn zwischenzeitlich familiäre Bande entstanden seien - das sei im Projekt klar zutage getreten.

Aloisi: «Da geht es ums Selbstwertgefühl.» Die Oerlikoner Anlaufstelle verströmt das Ambiente eines Grossraumbüros. Einmal wöchentlich findet sich der Interessent hier zur Beratung ein. Es geht darum, die Motivation zu stärken, aber auch um Praktisches wie Trainings für Bewerbungsgespräche. Hierzu stehen Fachleute zur Verfügung. Bereits seit der 5. IV-Revision gibt es Job-Coaches. Sie haben eine psychologischen Hintergrund und ihr Auftrag lautet, Arbeitnehmer gar nicht erst in die IV abgleiten zu lassen.

Erweitertes Coaching soll Standard werden

Mit der 6. IV-Revision soll nun auch das erweiterte Coaching, wie es bei Ingeus stattfindet, Standard werden. Eine wichtige Aufgabe der Ingeus-Coaches ist es, gute Kontakte zur Wirtschaft aufzubauen. Denn sie muss die Stellen für die Wiedereinsteiger anbieten.

Die Bereitschaft wachse, wenn in einem Unternehmen bereits einmal eine Vermittlung stattgefunden habe, sagt Aloisi. Die 6. IV-Revision bietet neu einen Ansporn, indem für die Firmen das sozialversicherungstechnische Risiko und der administrative Aufwand bei einer solchen Stellenvergabe sinkt. Von der Politik noch zu lösen ist das Problem, dass der Betroffene nach Aufnahme der Erwerbstätigkeit oder nach Erhöhung des Arbeitspensums womöglich weniger Geld im Sack hat.