ZSC Lions
Grosses Feilschen um ein Eishockeystadion in Zürich

Die Ruhe in Sachen neues ZSC-Stadion trügt. Hinter den Kulissen laufen intensive Verhandlungen. Einerseits sitzt die Stadt mit der Lions-Organisation zusammen am Tisch, andererseits versuchen die Gärtner, den Bau zu verhindern.

Pascal Unternährer
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Am vorgesehenen Standort des neuen Zürcher Eishockeystadions in Altstetten stösst das Projekt nicht durchweg auf Gegenliebe. David Baer

Am vorgesehenen Standort des neuen Zürcher Eishockeystadions in Altstetten stösst das Projekt nicht durchweg auf Gegenliebe. David Baer

Seit knapp zwei Jahren angekündigt ist die neue Eishockeyarena für die ZSC Lions in Altstetten. Viel mehr als eine Machbarkeitsstudie wurde seither nicht präsentiert. «Wir sind leicht im Verzug», räumt Peter Zahner ein. Doch gefährde dies den geplanten Baustart 2015 und den Eröffnungstermin im Sommer oder Herbst 2017 nicht, meint der CEO der ZSC Lions. Am 2. Februar wird nach intensiver Vorbereitung der Architekturwettbewerb lanciert, der im Dezember 2012 entschieden wird.

Keine Konzerte

Ob Zahner das Geld fürs Stadion beisammen hat, will er nicht verraten. Auch nicht, ob der Bau die Investoren rund um – so die Annahme – ZSC-Präsident Walter Frey und SVP-Nationalrat Peter Spuhler eine zwei- oder dreistellige Millionensumme kostet. Anfangs war von 60 bis 80 Millionen Franken die Rede. Nun munkeln Insider von weit über 100 Millionen.

Wie beim neuen Fussballstadion sind auch im Fall des Eishockeystadions die Betriebskosten zentral. Da keine Mantelnutzung mit Shopping geplant ist, sind schwarze Zahlen schwieriger zu erreichen. Dass die Investoren deshalb gerüchteweise auch den lukrativen Konzertmarkt beackern wollten, überrascht nicht. Das aber würde die Stadt nicht akzeptieren.

Denn sie ist namhaft am Hallenstadion, der grössten Eventlokalität, beteiligt. ZSC-CEO Zahner verspricht denn auch: «Wir wollen das Hallenstadion nicht konkurrenzieren.» Deshalb wird es eine Nutzungsbeschränkung im neuen Stadion geben.

Eiskunstlauf, Curling und Short Track

Um es auszulasten, hat Zahner eher alle möglichen (Eis-)Sportarten im Visier: Neben Eishockey also Eiskunstlauf, Curling, Short Track etc.

Auch die «Art on Ice»-Show würde er gerne in der neuen Arena beherbergen. Firmen und Generalversammlungen sind ebenfalls hochwillkommen. Die voraussichtlich mit 3000 Stehplätzen ausgestattete Halle soll zwei Ringe (Stockwerke) erhalten und insgesamt 12000 Zuschauern Platz bieten. Für kleinere Veranstaltungen könnte der untere Ring für 4000 bis 6000 Personen geöffnet werden.

Das ist eine Grösse, die der Stadt fehlt, da die Saalsporthalle mit 3000 Zuschauern bereits voll ist. Laut Zahner sind zehn bis zwölf Logen geplant und – wichtig für die Eishockeyfans – ein Videowürfel und ein LED-Ring.

«Zusammenarbeit mit Stadt ist hervorragend»

Die Stadt auszuspielen, können sich die Lions auch nicht leisten. Denn sie gibt das Land zwischen Autobahn und SBB-Gleisen im Baurecht ab und beteiligt sich voraussichtlich mit einem namhaften Darlehen an den Baukosten. Urs Spinner, Sprecher des städtischen Hochbaudepartements, sagt dazu nur: «Wir stehen in Verhandlungen.» Und Zahner: «Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist hervorragend.»

Dass die Stadt dem Klub zum Beispiel mit einem niedrigen oder gar symbolischen Baurechtszins entgegenkommen könnte, hat seinen Grund. In Zürich mangelt es an Eisflächen, weshalb die Stadt seit Jahren auf der Suche ist. Laut städtischer Sportstättenstrategie 2010–2014 fehlen zwei Hallen. Da trifft es sich gut, dass die Bauherren neben dem Stadion eine Trainingshalle bauen wollen, die 500 bis 700 Zuschauern Platz bietet.

Die Idee, dass sich die Stadt hier einmietet und die Eisfläche dem Breitensport zur Verfügung stellt, hat sich zwar inzwischen zerschlagen, weil die Lions-Organisation das Eis auslasten wird. Doch immerhin werden Eiszeiten auf den Eisbahnen Heuried, Dolder und Oerlikon frei, die bisher auch von den diversen Lions-Abteilungen genutzt wurden.

Gärtner auf den Barrikaden

Da die Arena in Altstetten 120 Schrebergärtner vertreibt, ist für Emotionen gesorgt. Obwohl die Stadt etwas südlicher, an der Schlieremer Grenze, für Ersatzflächen sorgt, werden sich die Betroffenen wehren. Sie haben bereits mit einer Petition mit 15000 Unterschriften reagiert. Die Entscheidungsschlacht wird wohl anlässlich der Abstimmung über die Umzonierung des Landes geschlagen.