Zürich

Grosser Missmut unter Anwohnern: Streit um zweiten Gefängniszaun geht in die nächste Runde

Der Kanton will Ausbruchshelfer mit einem zusätzlichen Zaun von der Justizvollzugsanstalt Pöschwies fernhalten. Der Widerstand der Anwohner wächst. Bild: mts

Der Kanton will Ausbruchshelfer mit einem zusätzlichen Zaun von der Justizvollzugsanstalt Pöschwies fernhalten. Der Widerstand der Anwohner wächst. Bild: mts

Pöschwies-Anwohner haben über 1300 Unterschriften gesammelt und fordern Sistierung des Baugesuchs.

Mitten durch ein Naherholungsgebiet plant der Kanton Zürich einen zweiten Zaun um die
Justizvollzugsanstalt Pöschwies, das grösste Gefängnis der Schweiz. Um die Sicherheit zu erhöhen, soll eine zehn Meter breite Schneise durch den Pöschholz-Wald geschlagen und der Wald ausgelichtet werden. Der neue Zaun würde mit 40 bis 70 Metern Abstand zum bestehenden Gefängniszaun durch die baumlose Schneise führen. Anfang Oktober lancierten Regensdorfer Anwohnerinnen und Anwohner eine Petition dagegen. Sie schlossen sich zur IG Pöschholz zusammen.

Inzwischen haben über 1300 Personen die Petition unterschrieben, wie die IG Pöschholz kürzlich mitteilte. Nun wendet sie sich mit einem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, an die kantonale Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) und Baudirektor Martin Neukom (Grüne). «In der Regensdorfer Bevölkerung besteht ein grosser Missmut über dieses geplante Projekt, und bisher wollte niemand die zahlreichen offenen Fragen beantworten», heisst es darin. Weiter bittet die IG Pöschholz die beiden Regierungsratsmitglieder, das bei der Gemeinde Regensdorf eingereichte Baugesuch zu sistieren.

Gemeinderat hat noch nicht über das Baugesuch entschieden

Der Kanton solle eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung durchführen, wenn die Coronapandemie gebannt sei. «Ein derart invasiv in ein beliebtes Naherholungsgebiet eingreifendes Baugesuch in einem Pandemiejahr, ohne Information der breiten Bevölkerung durchzuziehen, ist unseres Erachtens einer Demokratie nicht würdig», schliesst das Schreiben. Noch hat der Regensdorfer Gemeinderat über das Baugesuch nicht entschieden, wie Gemeindepräsident Max Walter (SVP) auf Anfrage sagte. «Wir würden es unterstützen, wenn der Kanton eine Informationsveranstaltung durchführt», so Walter weiter. Er rechnet damit, dass mindestens 200 Leute an so eine Veranstaltung kämen. Daher könnte sie erst stattfinden, wenn sich die Coronasituation entschärft habe. Das Baugesuch behandelt der Gemeinderat laut Walter frühestens in zwei Wochen – ausser, der Kanton sistiere es.

Ob der Kanton auf die jüngsten Forderungen der IG Pöschholz eingeht, bleibt abzuwarten. Die Direktion der Justiz und des Innern als Bauherrin nehme die Petition zur Kenntnis, sagte ein Sprecher Jacqueline Fehrs auf Anfrage. Das weitere Vorgehen sei offen.

Schützenhilfe von Kantonsräten der Grünen

Unterdessen erhält die IG Pöschholz Schützenhilfe von den Grünen: Deren Kantonsratsmitglieder Wilma Willi und Thomas Schweizer haben diese Woche eine Anfrage eingereicht. Sie wollen wissen, ob die Regierung eine Veranstaltung vorsieht, um die Bevölkerung über die projektierte Erweiterung des Gefängnissicherheitsperimeters zu informieren. Zudem stellen sie Fragen zur geplanten Waldschneise. Gemäss Waldgesetz wäre bei einer Rodung andernorts eine Ersatzaufforstung vorzunehmen. «Aus dem bisherigen Bauprojekt geht nicht hervor, um wie viel Waldfläche es geht und wo diese Ersatzaufforstung geplant ist», erklärt Schweizer. Zudem habe ihn die Begründung, warum es einen zusätzlichen Zaun um das Gefängnis brauche, schon in der Kantonsratsdebatte über die dafür nötige Richtplanänderung vor eineinhalb Jahren nicht überzeugt. Wenn es nur darum ginge, den Einwurf von Handys über die Gefängnismauern zu verhindern, täten es Fangnetze auch, argumentiert Schweizer.

Doch das ist nicht der einzige Grund, wie die Baudirektion schon bei früherer Gelegenheit mitteilte. Wichtiger sei, dass es nicht zu Gefängnisausbrüchen mit Hilfe von aussen komme.
Die Antwort des Regierungsrats auf die Anfrage der Grünen steht noch aus. Ein Sprecher der Baudirektion betont, der Wald werde lediglich ausgelichtet und nicht gerodet. Der letzte Pöschwies-Ausbruch geschah übrigens 2001.

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