Zürich
Grosseinsatz für die Kantonspolizei: Scharfschützen auf Dächern sichern Präsidenten

Für die Kantonspolizei ist das WEF ein Grosseinsatz. Vor allem am Flughafen wird die Sicherheit erhöht. So sind zum Beispiel auf den Dächern der Parkhäuser Scharfschützen postiert, die die Lage beobachten.

Manuel Navarro
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Scharfschützen sichern Präsidenten

Scharfschützen sichern Präsidenten

Bilder: Paco Carrascosa

Am World Economic Forum (WEF) in Davos treffen sich die Mächtigen und die Berühmten einmal jährlich zum Austausch, 2020 bereits zum 50. Mal. 130 völkerrechtlich geschützte Personen werden erwartet, unter ihnen fünf Angehörige von Königshäusern, 22 Präsidentinnen und Präsidenten sowie 23 Premierministerinnen und Premierminister. Völker­rechtlich geschützt sind nicht einfach alle ausländischen Beamten, sondern hauptsächlich Staatsoberhäupter und Aussenminister.

Entsprechend ist die Kantonspolizei Zürich diese Woche mit einem Grossaufgebot im Einsatz. Um die 18'000 Arbeitsstunden werden die Angehörigen des Korps in den nächsten Tagen leisten. «Etwa 400 bis 500 Polizisten der Kantonspolizei werden eingesetzt, dazu noch weitere der Stadtpolizei Zürich», erklärte Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) am Montag an einem Medienanlass. Und er liess es sich nicht nehmen, diese Zahl auch einzuordnen: «Insgesamt sind das mehr Polizisten, als es im Kanton Graubünden überhaupt gibt.»

Weiterbildungen und ­Ferien sind gesperrt

Obwohl die Kantonspolizei Zürich das grösste Polizeikorps der Schweiz ist, komme es beim WEF an seine Grenzen, sagte Thomas Würgler, Kommandant der Kantonspolizei. Denn nebst den zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen für das WEF muss der normale Polizeidienst ja trotzdem ebenfalls abgedeckt werden. «Es werden weder Pa­trouillendienste gestrichen noch werden Öffnungszeiten von Polizeiposten gekürzt», sagte Würgler. Abgesehen davon muss genug Personal vorhanden sein, um für ein allfälliges Grossereignis gewappnet zu sein. Deshalb verhängt die Kantonspolizei während der ganzen WEF-Woche für ihre Polizisten eine Ferien- und Ruhetagssperre und führt auch keine Weiterbildungskurse durch.

Auch mit Fahrzeugen wie diesem markiert die Polizei Präsenz.

Auch mit Fahrzeugen wie diesem markiert die Polizei Präsenz.

Bilder: Paco Carrascosa

Die meisten Gäste reisen über den Flughafen Zürich in die Schweiz ein. Daher ist die Kantonspolizei in Kloten besonders gefragt. Sie ist hier für die Sicherheit von Personen verantwortlich, die per Völkerrecht geschützt sind. Nebst einer sicheren Einreise ins Land sorgt die Kantonspolizei aber auch für die sichere Verschiebung nach Davos. «Am Flughafen gibt es während des WEF quasi drei Sicherheitslevels», erklärte Würgler. Erstens sind die täglichen Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen sowieso schon sehr gross, nirgendwo sonst im Kanton Zürich gibt es auf so kleinem Raum so viele Polizisten. Zweitens werden diese Kräfte noch punktuell verstärkt. Und drittens gibt es noch zusätzliche Massnahmen, wenn etwa eine Person wie der US-Präsident Donald Trump in Kloten landet.

Ein Beispiel für die punktuelle Verstärkung der Sicherheitskräfte demonstrierte die Kantonspolizei am Montag an einer Führung für die Medien. Auf dem Dach des Parkhauses 3 waren zwei Scharfschützen – die Kantonspolizei bevorzugt den Begriff «Präzisionsschützen» – der Sondereinsatzgruppe Diamant positioniert. Solche Schützen sind während des WEF an verschiedenen Orten am Flughafen in Stellung. «Ihre Aufgabe ist es vor allem, das Gebiet zu beobachten und allfällig ­Verdächtiges zu melden», sagte Marcel Strebel, Chef der Flughafenpolizeisicherheitsabteilung. So hatten die Einsatzkräfte zwar tatsächlich ein Scharfschützengewehr einsatzbereit gemacht, es war aber nicht schussbereit auf das Vorfeld gerichtet, sondern sorgfältig am Boden platziert. Erst wenn es nicht mehr anders geht, würde der Gesamteinsatzleiter den Schützen tatsächlich den Befehl zur Schussabgabe geben.

Dazu wird es allerdings kaum kommen. Staatspräsidenten wie Trump werden meist von ihren eigenen Sicherheitskräften begleitet. Das letzte Wort habe aber trotzdem auch bei den Amerikanern die Kantonspolizei, sagte Würgler. «Mit dem Secret Service haben wir im Vorfeld gute Gespräche geführt. Aber letztlich entscheiden die Sicherheitskräfte der Schweiz.»