Die Universität Zürich besitzt in Zürich rund 80 mittelgrosse und kleinere Bibliotheken, deren Bücherauswahl hoch spezialisiert sind. Sie dienen einerseits der Forschung, andererseits werden sie von der Öffentlichkeit genutzt. Viele von ihnen stehen nun vor dem Aus, die Uni plant eine grosse Bibliotheksreform.

Die verschiedenen Institutionen sollen in eine grosse zentrale Universitätsbibliothek intergriert werden, welche im Universitätsviertel an der Gloriastrasse zu stehen kommen soll. Eine Projektgruppe unter Prorektor Christian Schwarzenegger arbeitet seit Monaten im Geheimen am Konzept einer "Bibliothek für die Zukunft", wie der "Tages-Anzeiger" berichtet. Gemäss der in einem internen Papier festgehaltenen Leitlinien sollen bis ins Jahr 2025 60 der rund 80 Bibliotheken geschlossen werden. 

Professoren äussern Kritik am Vorgehen

Die Universitätsbibliothek Zürich organisiert dann das interne Bibliothekswesen zentral und löst damit die einzelnen Institutionen ab, die bisher weitgehend autonom durch die Fakultäten bewirtschaftet wurden. Neu sollen sie hingegen nur noch über ein Mitspracherecht bei einzelnen Punkten wie dem Budget, dem Personal oder der Bücherbestellung verfügen. Die Bücherbestände sollen deutlich reduziert und Duplikate aus dem Sortiment entfernt werden. Die Universitätsleitung erhofft sich von der Reform eine Effizienzsteigerung, eine vermehrte Digitalisierung sowie die Schaffung von mehr Arbeitsflächen für Studierende. Schwarzenegger sieht die Massnahme als unerlässlicher Schritt in die Zukunft. Man müsse jetzt reagieren, sonst gehöre man in einigen Jahren zu den Verlierern.

Grundsätzlich stosse die Umwälzung des Bibliothekarwesens bei den Studierenden und Professoren zwar auf Verständnis, schreibt der "Tages-Anzeiger", doch werde die allmächtige und geheime Vorgehensweise der Uni-Leitung stark kritisiert. "Wir haben den Eindruck, dass die Verantwortlichen das Projekt am liebsten im Alleingang durchziehen wollen", sagt Florian Oepping, Vertreter des Mittelbaus, zur Zeitung. Auch andere Professoren kleinerer Fakultäten äussern sich kritisch. Durch die Zentralisierung sei die Forschung, und somit ihre Kernaufgabe, in Gefahr. Durch die Abschaffung der Fakultätsbibliotheken stünden Forschungsgelder in Millionenhöhe auf dem Spiel.