Zürich
Grosse Emotionen um kleines Landstück im Stadtzürcher Parlament

Eine kleines Fleckchen Erde hat im Zürcher Gemeinderat für grosse Emotionen gesorgt. Es liegt im Gebiet "Klein-Ibig" in der Gemeinde Niederhasli. Der Stadtrat beantragte den Verkauf. Nach bodenpolitischen Grundsatzdiskussionen stimmte der Rat mit 69

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Der Verkauf des Gebiets "Klein-Ibig" in der Gemeinde Niederhasli ist umstritten.

Der Verkauf des Gebiets "Klein-Ibig" in der Gemeinde Niederhasli ist umstritten.

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Nach bodenpolitischen Grundsatzdiskussionen stimmte der Rat mit 69 zu 51 Stimmen zu. Konkret ging es um den Verkauf von 4000 Quadratmetern an die Firma Ibig AG für 1,4 Millionen Franken. Befürwortet wurde er von einer aussergewöhnlichen Allianz von SVP, FDP, GLP, CVP und AL. Gegen den Verkauf sprachen sich SP und Grüne aus.

Sie habe nichts gegen die Käuferfirma, betonte die SP-Sprecherin. Aber der Buchgewinn, den die Stadt mache, sei mit 360'000 Franken "lächerlich klein". Zudem lehne ihre Partei den Verkauf von städtischem Boden grundsätzlich ab.

Die Grünen konnten sich mit dem Verkaufsgedanken auch nicht anfreunden. Die Ressource Boden müsse geschützt und das Gebiet in Niederhasli weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden, forderten sie.

Gegen "Agglo-Kolonialismus"

Die SVP stellte sich auf den Standpunkt, dass man Gebiete ausserhalb der Stadt verkaufen soll. Das sei sinnvoll und bringe erst noch Geld in die Stadtkasse. Dieser Meinung schloss sich auch die FDP an und betonte, dass sie "nichts von Agglo-Kolonialismus" halte.

Die AL fand sich - zum Missfallen von Rot/Grün - auf der Seite der Befürworter. Nach Ansicht der Alternativen Liste war dieser Landverkauf nicht das geeignete Objekt, um ein Bodenpolitik-Exempel zu statuieren.

Im vorliegenden Fall sei "Politik mit Augenmass angebracht", sagte ihr Sprecher. Die AL könne sich weder für den Aufruf der SP "Land bleibt in Volkes Hand" noch demjenigen der Grünen "Bauernhof bleibt in Volkes Hand" erwärmen.

Die Stadt Zürich hat in den Jahren 1970/71 im Zuge von allgemeinen strategischen Landzukäufen ausserhalb des Stadtgebiets gesamthaft rund 10,4 Hektaren Land im Industriegebiet "Klein-Ibig" erworben. Mittlerweile besitzt sie davon noch rund die Hälfte.