Schmuggel

Grösster Drogenfund: Flughafenzoll stellt 4'442 Kilogramm Khat sicher

Vom 24. März bis 6. April hat die Zollstelle Zürich-Flughafen in einer Schwerpunktaktion den Postverkehr kontrolliert. Dabei stellten sie 495 verschiedene Postpakete sicher, die ingesamt 4'442 Kilogramm der Droge Khat enthielten.

Die in lediglich zwei Wochen gefundenen Postpakete stammten aus Kenia und Tansania, wie Heinz Widmer, der Leiter der Zollstelle Flughafen-Zürich, an einer Medienorientierung erklärte. Die Pakete kamen über die direkten Linienflüge aus Nairobi und Dar es Salaam nach Zürich. Sie waren  offiziell als Tee, Henna oder Gewürze deklariert.

„Die Tarnungen deuten darauf hin, dass im Hintergrund organisierte Kriminalität steckt“, sagte Widmer. Denn ein Teil der Drogen war zwar einfach in grossen Postpaketen lose in blaue Plastiksäcke verpackt. Ein Teil war aber auch aufwendig in gelbe Literbeutel mit der Aufschrift „All Time Kenia Tea“ oder in schön verzierte Massai-Gefässe gestopft. „Man hat sich Mühe gegeben, die Droge zu verstecken.“

Rekord-Drogenfund am Flughafen Zürich – selbst der Leiter der Zollstelle ist verblüfft.

Rekord-Drogenfund am Flughafen Zürich – selbst der Leiter der Zollstelle ist verblüfft.

Der grösste Teil des getrockneten Khats war für den Weitertransport nach Nordamerika, Europa und Asien bestimmt. Lediglich rund 150 Kilogramm der Droge waren an verschiedene Empfänger in der Schweiz adressiert. Zu den Empfängern in der Schweiz konnte Widmer noch nichts sagen. Das sei Sache der weiteren Ermittlungen. Es handle sich um verschiedene „kurze Adressen mit Postfach-Nummern“.

Auslöser für die Schwerpunktaktion waren Informationen von verschiedenen anderen Flughäfen. In Frankfurt und Seoul seien ebenfalls grosse Mengen Khat gefunden worden, sagte Widmer. Deshalb habe man den Flug aus Afrika in den vergangenen zwei Wochen überprüft.

Bis Ostermontag konnten die Zürcher Zöllner 4,4 Tonnen Khat sicherstellen. An einem einzigen Tag kamen bis zu 1098 Kilogramm zusammen. Praktisch an allen Tagen waren die Zöllner fündig geworden.

Im Flug von gestern Dienstag fanden die Zöllner keine verdächtigten Postpakete mehr. Ob sich die Personen, die die Pakete abgeschickt haben, nun einen anderen Weg suchen, ist offen.

Für Widmer ist aber denkbar, dass sie das Versenden vorerst eingestellt haben. Denn sie dürften im Internet über die „Tracking-Methoden“, die die Lieferdienste zur Verfügung stellen, mitverfolgt haben, welchen Weg die Pakte genommen haben.

Entsprechend dürften sie wissen, dass die Pakete in Zürich gestrandet sind. „Wir werden die Flüge in den kommenden Tagen weiter beobachten“, sagte Widmer. „Wir sind gespannt, wie es weitergeht.“

Die für Lieferungen in die Schweiz sichergestellten Drogen wurden den Ermittlungsbehörden in den verschiedenen Kantonen übergeben. Das Khat, das in andere Staaten hätte weitergesandt werden sollen, wird an die Kantonspolizei Zürich und die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Diese werden die Drogen vernichten.

Der Rekordfund dürfte hingegen nicht darauf hindeuten, dass sich in Zürich oder in der Schweiz ein neuer, grosser Drogenumschlagplatz gebildet hat. „Der Grossteil der Pakete war für Adressaten in Nordamerika, Europa und Asien bestimmt“, erklärte Widmer. Auf den Weg, den ein Postpaket nimmt, haben die Absender keinen Einfluss. Zürich dürfte also aufgrund der vorhandenen Flugverbindungen eine eher zufällige Zwischenstation gewesen sein.

Neu ist, dass es sich bei den gefundenen Drogen um getrocknetes Khat gehandelt hatte. „Bislang stiessen wir eher auf kleinere Mengen von frischen Khatblättern“, sagte Heinz Widmer. Für die organisierte Kriminalität haben diese aber einen Nachteil; laut dem Zollstellenleiter sind diese nur beschränkt haltbar und „stinken relativ schnell“. Das getrocknete Khat sei deutlich länger haltbar und könnte damit auch in grösseren Mengen verschickt werden.

Während frische Khatblätter gekaut werden, wird getrocknetes Khat als Tee aufgegossen oder mit Tabak oder Cannabis geraucht. Der Konsum führt zu einem Rauscherlebnis mit Halluzinationen und Euphorie. Aber auch zu Appetit- und Schlaflosigkeit und Herzrhythmusstörungen. Khatkonsum kann auch zu unkontrollierten psychischen Reaktionen führen. Seit dem 1. Juli 1992 untersteht Khat dem Betäubungsmittelgesetz.

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