Glosse
«Grey’s Anatomy» - Auch im Hintergrund läuft oft spannendes

Zürich reicht als Film- oder TV-Kulisse nicht aus: Das haben die Verantwortlichen der amerikanischen Erfolgsserie «Grey’s Anatomy» gedacht, als sie ein Nebengleis ihrer Story in der Limmatstadt spielen liessen.

Oliver Graf
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Stadt Zürich in Grey's Anatomy
8 Bilder
Der Uetliberg ist mit Schnee bedeckt.
Dr. Burkes Büro am Tag - gewaltige Aussicht in die Berge.
Von welcher Terrasse auch immer, aber Dr. Yang hat direkten Blick in die Stadt.
Der Römerhof ganz unverfälscht.
Die Altstadt ist dem «Klausmann Institute» gewichen, das sich in Sachen Spiegelungen mit den Gesetzen der Physik nicht ganz einig wird.
Aussicht aus Dr. Yangs Hotelzimmer.
Alpen im Zoom-Format.

Stadt Zürich in Grey's Anatomy

watson screenshot

Es scheint als hätten die Produzenten auf die Fähigkeiten von Computerspezialisten gesetzt (vielleicht haben sich aber auch nur ein paar übermütige Praktikanten nach Betriebsschluss ins TV-Studio geschlichen und sich einen Scherz erlaubt). Dass die TV-Bosse für ihren Serien-Hit eine Privatklinik, die es in Realität nicht gibt, für ihre Story aber zentral ist, virtuell «bauen» und an die schöne Limmat setzen, geht ja noch an und kann als künstlerische Freiheit abgetan werden.

Aber reichen die fernen Gebirgszüge und der nahe Üetliberg nicht aus – müssen die schneebedeckten Berge wirklich direkt an den Zürichsee verlegt werden? Und warum werden immer wieder Kirchen verrückt und während einer 45-minütigen Episode unterschiedlich platziert? Wird so aus Zürich ein besseres, ein schöneres Zürich? Statt mehrmals den Lauf der Limmat zu ändern und aus unerfindlichen Gründen neue Strassen und Kreuzungen zu erfinden und zu zeichnen, hätten diese die TV-Bilder aufpependen Spezialisten doch, wenn sie schon gestaltend eingreifen wollen, besser auch noch die Luzerner Kapellbrücke, den Genfer Jet d’eau und den Bärengraben in das Hintergrundbild einbauen können.

Die Grundidee der Grey’s-Macher ist aber gerade für das Schweizer Fernsehen durchaus prüfens- und nachahmenswert. Bei Übertragungen von Fussballspielen etwa: Da liesse sich dieses trist-leere Rund im Letzigrund durch volle Tribünenränge ersetzen. Der Wettersendung vom Dach des Fernsehgebäudes würde ein anderer Hintergrund als diese ewiggleichen Oerliker Gebäudetürme guttun. Ein Matterhorn oder – um sie kostengünstig zu recyceln – gleich die gesamte «Zürcher» Gebirgskette aus «Grey’s Anatomy» etwa. Und auch beim Schweizer Tatort liesse sich doch mit dem Einbau von einigen hiesigen Wahrzeichen der Lokalkolorit noch mehr verstärken. Gut, zugegeben, das Grundproblem wird damit nicht gelöst. Anpassungen im Hintergrund machen ein langweiliges Spiel, schlechtes Wetter und einen langatmigen Krimi nicht besser. Aber wenn der Hintergrund so schlecht oder widersprüchlich bearbeitet ist, wie dies bei «Grey’s Anatomy» der Fall war, kann immerhin darüber diskutiert und gelacht werden.