Schiffshorn
Greifensee wartet auf den Bundesentscheid: «Wir hornen weiter wie gehabt»

Noch ist offen, ob das Hornverbot für den Zürichsee auch auf andere Seen ausgeweitet wird. Die Schiffe der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee hornen im Moment weiter wie bisher. In Zukunft wird ihr Signal vielleicht sogar noch öfter ertönen.

Raphael Brunner
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«Mit seiner Beschwerde hat der Anwohner erreicht, dass jetzt nicht weniger, dafür länger gehornt wird», sagt Andreas Ehrentraut, Geschäftsführer SGG. (Archiv)

«Mit seiner Beschwerde hat der Anwohner erreicht, dass jetzt nicht weniger, dafür länger gehornt wird», sagt Andreas Ehrentraut, Geschäftsführer SGG. (Archiv)

STEFFEN SCHMIDT

Andreas Ehrentraut macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: «Für mich gehört das Hornen zur Schifffahrt dazu», sagt der Geschäftsführer der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee (SGG). Nur ist seine Meinung nicht Gesetz. Und wie die Entwicklung am Zürichsee zeigt, schwingt das Pendel zurzeit in die andere Richtung. Dort hat ein Anwohner erwirkt, dass das Bundesamt für Verkehr (BAV) ein Hornverbot für Kursschiffe ausgesprochen hat – aus Lärmschutzgründen, wie es offiziell heisst.

Zu erwarten ist, dass das Verbot künftig nicht nur für den Zürichsee gilt, sondern wohl für alle Schweizer Gewässer. Noch ist diese Frage nicht geklärt, eine Anfrage des Zürcher Nationalrats Gregor Rutz (SVP) beim BAV harrt noch der Beantwortung.

Andreas Ehrentraut sieht dem Entscheid aus Bern gelassen entgegen. Anders als die Schiffe auf dem Zürichsee hätten die Schiffe der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee ihre Praxis bisher nicht geändert. «Wir hornen weiter wie gehabt», sagt der Zürcher Unterländer.

Das Horn als Warnsignal

Die Flotte der Schifffahrts-Genossenschaft besteht aus drei Schiffen. Im Sommer verkehrt die MS Heimat elfmal täglich als Kursschiff zwischen der Schiffländi Maur und Niederuster. Die MS Stadt Uster und die MS David Herrliberg sind für Rundfahrten und Fahrten für private Anlässe im Einsatz. «Wir benutzten das Horn grundsätzlich nur als Warnsignal», sagt Ehrentraut.

Zum Beispiel wenn sich Schwimmer oder Ruderer in einer bestimmten Nähe zu den Schiffen befänden. Gleich verfahren laut Ehrentraut auch die Kapitäne des historischen Dampfschiffes Greif, das von der gleichnamigen Stiftung betrieben wird.

Die Beschwerde des Anwohners am Zürichsee richtete sich gegen das Hornen der Schiffe, wenn diese den Hafen ansteuern oder verlassen. Dieses Signal ertönt auch am Greifensee, obwohl es dort keine Häfen gibt, sondern nur Anlegestellen. Für Ehrentraut ist dieses Hornen aber ebenfalls ein Warnsignal. «Es bedeutet: Achtung, wir fahren jetzt ab.»

Auf dem Greifensee gebe es kein festgeschriebenes Horn-Regime, sagt der Geschäftsführer der Schifffahrts-Genossenschaft. «Am frühen Morgen etwa sind wir mit Hornen eher zurückhaltend, um die Ruhe des Sees nicht zu stören». Auch am Abend würden die Schiffe nur noch hornen, wenn eine Gefahr erkennbar sei.

Das Gegenteil erreicht

Ehrentraut kann nicht verhehlen, dass er das Hornverbot am Zürichsee als Posse empfindet. Mit Genugtuung in der Stimme weist er darauf hin, dass seit dem Verbot auf dem Zürichsee eher mehr und länger als weniger gehornt wird. Bisher hornten die Schiffe meist einmal kurz, um zu signalisieren, dass sie eine Landestelle an- oder von ihr wegfahren. Dieses Anlege-Hornen genügte auch als Warnsignal. Da dieses Hornen nun verboten ist, verwenden die Zürichseeschiffe neu das offizielle Warnsignal; fahren sie rückwärts, sind das drei kurze Töne, ansonsten ein vier Sekunden anhaltender, langer Ton. «Mit seiner Beschwerde hat der Anwohner erreicht, dass jetzt nicht weniger, dafür länger gehornt wird.»

Seine Genossenschaft werde nun warten, ob seitens des Bundesamts für Verkehr auch eine Verfügung für den Greifensee kommt. «Fällt sie gleich aus wie am Zürichsee, werden wohl auch wir die neue Praxis übernehmen – also öfter und länger», feixt Ehrentraut.