Standortmarketing
Greater Zurich Area erhält eine Chance

Die Verantwortlichen der Standortorganisation Greater Zurich Area (GZA), allen voran der im Februar als neuer Verwaltungsratspräsident eingesetzte Wirtschaftsanwalt Balz Hösly, haben das Steuer des schlingerndes Schiffs auf Kurs gebracht.

Alfred Borter
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Jetzt ist der Regierungsrat gewillt, der 1999 gegründeten Organisation erneut die nötigen finanziellen MitteStandortmarketing zuzuführen, damit sie vorerst vier weitere Jahre wirken kann. Das letzte Wort hat allerdings der Kantonsrat.

Konkurrenz hat zugenommen

Wie Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker erklärte, ist der Regierungsrat überzeugt, dass die GZA dank einer neuen Strategie nun beste Voraussetzungen hat, um ihre wertvolle Rolle bei der Neuansiedlung von Unternehmen zu spielen. Auch sei man überzeugt, dass es zwischen der Osec, welche die Schweiz im Ausland als Standort darstellt, und der auf kantonaler Ebene angesiedelten Wirtschaftsförderungen eine Organisation brauche, welche für den Wirtschaftsraum Zürich tätig sei. Die GZA wird zwar hauptsächlich vom Kanton Zürich getragen, mit dabei sind aber sechs weitere Kantone, die Städte Zürich und Winterthur sowie mehrere privatwirtschaftliche Träger. Bis vor einem Jahr war auch der Kanton Aargau probehalber dabei, doch er ist ausgetreten.

«Wir stehen nicht nur in Konkurrenz zu anderen Wirtschaftsregionen in der Schweiz, sondern zu München, Frankfurt und anderen», erwähnte Stocker. Wenn man Arbeitsplätze schaffen und den Wohlstand erhalten wolle, brauche es grosse Anstrengungen, um den Standort Zürich bestmöglich zu propagieren.

Eine Partnerschaftsskultur soll sich entwickeln

Balz Hösly erwähnte, die neue Strategie sei vor allem auch darum nötig geworden, weil sich grössere Umwälzungen anbahnten. Multinational tätige Firmen überprüften alle drei bis fünf Jahre ihre Standorte. Die Firmen wollten rasch klare, schnörkellose Antworten auf ihre Fragen, bevor sie ihre Standortentscheide träfen. Die GZA sei in der Lage, diese Antworten für den Grossraum Zürich zu geben. Neu wird die GZA ihre Aktivitäten aber mehr fokussieren, nämlich auf die Ansiedlungen speziell von Firmen, die in der Präzisionstechnologie tätig sind, etwa in der Feinmechanik, der Medizintechnik, Cleantech, Elektrotechnik und Nanotechnologie.

Ein zweiter Schwerpunkt werden Dienstleistungen für Firmen sein, die im Raum Zürich einen Hauptsitz errichten möchten, indem sie hier etwa das Management, die Rechtsabteilung, das Controlling oder die Logistik für das ganze Unternehmen oder für die Aktivitäten in Europa unterbringen wollen. Die GZA will vor allem in den USA und China präsent sein.

Mit der Osec, den kantonalen Wirtschaftsförderungen sowie mit weiteren Partnern arbeitet man zusammen. Ziel sei es, sagte Hösly, dass die verschiedenen Player wie Uhrrädchen in einem Uhrwerk zusammenwirkten. «Es muss sich eine eigentliche Partnerschaftskultur entwickeln», sagte er.

Signale aus anderen Kantonen?

Auf die Frage, ob man denn schon positive Signale habe von anderen Kantonen, etwa vom ausgetretenen Aargau, und von privaten Firmen, welche ebenfalls nicht mehr alle mit der Arbeit der GZA zufrieden waren, erklärte Stocker, zunächst gelte es, den Kantonsrat vom Wert der Arbeit der GZA zu überzeugen, damit der Rahmenkredit genehmigt werde. Ist das der Fall und damit das Überleben der Organisation fürs Erste gesichert, könne man daran gehen, weitere Kantone und Firmen als Mitglieder zu gewinnen.