Nachgefragt

Graffiti-Beauftragte: «Alles, was illegal entsteht, wird angezeigt»

Ein Künstler, der aneckt: Harald Naegeli steht vor einer Strichfigur, die er im Gefängnis gemacht hat. Der Totentanz im Grossmünsterturm geht ein paar Zentimeter zu weit. Harald Naegeli (links) betritt 1984 mit Joseph Beuys Schweizer Boden.

Ein Künstler, der aneckt: Harald Naegeli steht vor einer Strichfigur, die er im Gefängnis gemacht hat. Der Totentanz im Grossmünsterturm geht ein paar Zentimeter zu weit. Harald Naegeli (links) betritt 1984 mit Joseph Beuys Schweizer Boden.

Zürichs Graffiti-Beauftragte Priska Rast über den Umgang mit Graffiti heute.

Harald Naegeli, der «Sprayer von Zürich», wurde einst polizeilich verfolgt, dann als Künstler gefeiert. Wie geht die Stadt heute mit Graffiti um?

Priska Rast: Alles, was illegal entsteht, wird angezeigt und verfolgt. Es gibt keine Spezialbehandlungen.

Trotzdem: Es gibt heute Wände in Zürich, an denen legal gesprayt werden darf. Ist das eine Reaktion auf die Debatten um Street Art, seit Naegeli Ende der 1970er-Jahre zu sprayen begann?

Nein. Das ist kulturell gewachsen. Das Jugendhaus Dynamo und die Rote Fabrik waren schon lange solche Orte. Die legalen Sprayerflächen am Oberen Letten und im Skaterpark Allmend habe ich zusammen mit den zuständigen Dienstabteilungen geschaffen. Graffiti sind nicht per se illegal. Es gibt Orte, wo es passt. Den Oberen Letten hat der Stadtrat 2006 «bis auf Widerruf» für Graffiti freigegeben. Es gab nie einen Widerruf, heute gehört es zur Kultur.

Wo liegt die Grenze dieser Kultur?

Nicht Graffiti ist das Problem, sondern das Verhalten des Sprayers. Man muss zuerst fragen. Ich helfe Sprayern auch, Hauseigentümer zu kontaktieren, wenn sie eine geeignete Fläche sehen – damit sie fragen können. Aber das durchschnittliche städtische Gebäude ist keine Spielwiese für Sprayer.

Wie oft kommt es vor, dass Sprayer Sie fragen, ob sie eine Wand gestalten dürfen?

Etwa 30 Mal im Jahr kommen Sprayer auf mich zu. Es lohnt sich zu fragen, denn es gibt durchaus Hauseigentümer, die darauf eingehen. Am besten ist es, wenn man eine Skizze mitbringt.

Wissen Sie, wie viele Naegeli-Werke an Zürichs Wänden noch sichtbar sind?

Nein. (mts)

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