Littering
Göttis schrecken Abfallsünder in der Stadt Zürich ab

Weil die Werkhöfe die Gemeinden nicht mehr alleine sauber halten können, übernehmen freiwillige Paten das Aufräumen von Strassen oder Quartieren.

Lina Giusto
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Freiwillige lesen in einer gemeinsamen Aufräumaktion mit McDonald’s in Regensdorf Abfall auf. Dominik Baur

Freiwillige lesen in einer gemeinsamen Aufräumaktion mit McDonald’s in Regensdorf Abfall auf. Dominik Baur

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Sie befreien freiwillig und unentgeltlich Strassen oder Quartiere von Abfall. Das sind sogenannte Abfallgöttis. Gemeinden die solche Raumpaten einsetzen, sind nachweislich sauberer. Denn durch die regelmässige Pflege von Strassenabschnitten oder Gebietsteilen in Quartieren steigt die Hemmschwelle für Anwohner oder Durchgänger, Abfall liegen zu lassen. Zu diesem Schluss kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Interessengemeinschaft saubere Umwelt (Igsu) und der ETH Zürich. «Die positive Wirkung von Raumpatenschaften wird zusätzlich durch das Aufstellen von Hinweistafeln oder das Verbreiten weiterer Informationen verstärkt», sagt Nora Steimer, Geschäftsführerin der Igsu. Mit den Hinweisen würde man Passanten auf das Projekt aufmerksam machen. Entsprechend tragen diese mehr Sorge zu einem bestimmten Gebiet.

Zudem handle es sich bei den Abfallgöttis um «äusserst kostengünstige Massnahmen» im Kampf gegen Littering. Steimer sagt: «Grundsätzlich fallen nur Kosten für Handschuhe, Warnwesten, Abfallsäcke, Greifzange und das Entsorgen der Abfälle an.» Der persönliche Aufwand sei freiwilliger Natur und deshalb nicht mit anderen Anti-Littering Massnahmen, wie deutlich teureren Plakatkampagnen, zu vergleichen. In der besagten Studie werden sieben Zürcher Gemeinden, die solche Raumpatenschaften aktiv pflegen beleuchtet.

Die Forscher haben in ihrer Studie alle bestehenden Projekte analysiert und mit gewissen davon Expertengespräche über ihre Kampagnen geführt. Zwei davon fanden in der Stadt Zürich statt und sechs weitere in umliegenden Gemeinden. Dabei wurden besondere Patenschaften, wie das Projekt der Gemeinde Wädenswil, kommerzielle wie die Zusammenarbeit zwischen dem Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) und den städtischen McDonalds-Filialen sowie klassische Littering-Projekte klassifiziert.

Trotz unterschiedlicher Typisierung haben alle Littering-Kampagnen eines gemeinsam: Weil sich lokale Behörden mit immer mehr Abfall im öffentlichen Raum konfrontiert sahen, haben sie entsprechende Massnahmen ergriffen.

Wädenswil: Im Rahmen des Sauberei- Wettbewerbs erkor die Gemeinde Wädenswil die Idee der Strassenpatenschaft zum Gewinner. Die Göttis dürfen ihre gewünschten, zu säubernden Strassenabschnitte selber auswählen. Diese werden von der Dienststelle Jugend der Gemeinde mit einer entsprechenden Tafel, auf der ebenfalls der Name des Paten steht, markiert. Gestartet ist das Projekt im Jahr 2012.

Zürich: Zwischen der ERZ und den städtischen McDonalds-Filialen besteht seit 2009 ein gemeinsamer Verhaltenskodex für einen lebenswerten öffentlichen Raum. Jährlich wird eine gemeinsame Reinigungsaktion in der Innenstadt durchgeführt. Eine weitere Raumpatenschaft zwischen ERZ und den beiden Fussballvereinen GC und FCZ wurde 2010 aber eingestellt. Im Rahmen des Projektes haben die Vereine bei den Fans für mehr Sauberkeit rund ums Stadion geworben, was aber zu wenig Wirkung gezeigt habe, wie Leta Filli, Sprecherin der ERZ, sagt: «Die Abfallmenge ist ungefähr gleich geblieben, das Volumen hat sich eher erhöht, das ist aber ein allgemeines Phänomen, das an der Grösse der Take-away-Verpackungen liegt.» So sind die Vereine nach wie vor für die Sauberkeit auf dem Stadiongelände und die Stadt für den öffentlichen Grund zuständig.

Egliswil: Eglisauber heisst die 2011 lancierte Kampagne der Gemeinde Eglisau gegen Littering. Der Verein Viva Eglisau beispielsweise kümmert sich um die Sauberhaltung der öffentlichen Badi im Ort, während der Tennisclub sich um eigene das Areal kümmert. Der örtliche Verkehrsverein übernimmt die Säuberung diverser Feuerstellen und Wanderwege. Die Bevölkerung konnte von Littering betroffene Orte online der Gemeinde melden, sodass bei den Raumpatenschaften entsprechende Prioritäten definiert werden konnten.

Wald: Einmal im Jahr findet seit 2014 in der Gemeinde Wald der Anti-Littering-Tag statt. Die Einwohner sammeln während eines Tages Abfall im öffentlichen Raum ein. Der Anlass dient vor allem aber dazu im Rahmen des Projektes Zäme für ä suuber’s Dorf, Raumpaten für das gesamte Jahr zu finden. Die Freiwilligen können sich ein Gebiet im Dorf aussuchen, dass sie dann während 12 Monaten sauber halten. Wie die Gemeinde auf Anfrage mitteilt, kümmern sich derzeit 18 Paten um die Sauberkeit des Dorfes. Diese sind je nach Einsatzort einmal bis mehrmals pro Woche unterwegs. So empfiehlt sich in bewohntem Gebiet eine wöchentliche Tour, während auf Kinderspielplätzen oder Schulwegen zwei bis drei Mal wöchentlich eine Reinigungstour lohnt.

Affoltern am Albis: Die Kampagne Abfallgipfel fand 2010 statt. Ziel der Veranstaltung war es, Raumpaten für eine unbefristete Zeit zu finden. Heute sind 23 Raumpaten in der Gemeinde aktiv. Sie werden zudem mit Materialien wie Handschuhen, Greifzange, Warnweste und Abfallsäcken für ihre Reinigungstouren ausgestattet.

Adliswil: Der Litter Club der Gemeinde hat 100 zahlende Mitglieder. Zwei Mal jährlich gibt es seit 2010 in der Zürcher Gemeinde eine grosse Aufräumaktion: «Adliswil räumt auf» und der nationale Clean-up-day der Igsu. Zudem wird jeweils am ersten Samstag im Monat das Dorfzentrum von Abfall befreit. Die Klubmitglieder sind aber auch während des Jahres in selbst gewählten Intervallen in den Quartieren auf der Suche nach Abfall unterwegs.

Illnau-Effretikon: Das wohl älteste Projekt im Raum Zürich ist die Anti-Littering-Kampagne Triffsch...?. Insgesamt 21 öffentliche Plätze oder Strassen werden von freiwilligen oder Vereinen mit einer Patenschaft saubergehalten.

Gemäss der Studie bemühen sich derzeit die Gemeinden Rüschlikon und Uster ebenfalls solche Patenschaften ins Leben zu rufen. Der Versuch eine Bahnhofpatenschaft scheiterte in Uster 2012 jedoch, weil keine Göttis dafür gefunden werden konnten. Die Igsu stellt interessierten Gemeinden Unterlagen zur Organisation von Raumpatenschaften zur Verfügung.