Dafür liess die Hälfte der Mitarbeiter sogar die Weihnachtsferien sausen.

In der Halle herrscht ohrenbetäubender Lärm und geschäftiges Treiben. Junge Männer mit roten Poloshirts stehen an verschiedenen Arbeitsstationen. Hier wird geschliffen, da gefräst, dort tackern zwei Mitarbeiter mit einer Art Riesenbostitch Grobspanplatten auf Holzlatten.

Die Firma Moser Holzbau stellt seit Montag in der 1500 Quadratmeter grossen Halle im Gossauer Industriegebiet Wände und Dächer für sogenannte Systemhäuser her. Diese werden in der Halle 9 der Messe Oerlikon aufgestellt; ab dem 4. Januar werden im dort eingerichteten Übergangszentrum der Stadt Zürich rund 250 Flüchtlinge untergebracht. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die «Better Shelter»-Häuser der Ikea den feuerpolizeilichen Anforderungen nicht genügen, musste umgehend eine neue Lösung her (wir berichteten).

Arbeit statt Ferien

«Wir wurden von einem Architekten empfohlen, für den wir schon gearbeitet haben», sagt Projektleiter Michael Widmer, dessen Firma auf die Herstellung von Systemhäusern spezialisiert ist. «Das Ganze kam sehr überraschend. Es macht mich stolz, dass man uns berücksichtigte.» Stolz ist er auch auf seine Mitarbeiter. Viele von ihnen verzichten für den dringenden Auftrag auf einen Teil ihrer Weihnachtsferien. 19 der 33 Mitarbeiter, darunter 2 Lehrlinge, erklärten sich spontan bereit, trotz den dreiwöchigen Betriebsferien zur Arbeit zu erscheinen. Manche organisierten zusätzlich Berufskollegen zur Mithilfe.

«Für irgendjemanden hätte ich das nicht gemacht», sagt Widmer. «Aber wenn ich auf diese Art den Flüchtlingen helfen kann, mache ich das.» Nur wegen des Gelds lohne sich der Aufwand nicht – der Auftrag gehöre mit einem Volumen von 200'000 Franken zur Kategorie Mittelgross.

Die Schwierigkeit am Ganzen sei, dass alles sehr schnell gehen musste. Am letzten Freitag wurde Widmer vom Architekten und von der Stadt Zürich kontaktiert und er informierte noch am gleichen Abend beim Weihnachtsessen seine Mitarbeiter. Am Wochenende organisierte er das Material, am Montagmorgen stellte Moser Holzbau einen ersten Prototyp her und startete am gleichen Tag mit der Produktion.

Am 28. Dezember müssen alle Elemente geliefert sein, damit die 62 Häuser bis zum Eintreffen der Flüchtlinge aufgestellt und eingerichtet werden können.

Topmotivierte Mitarbeiter

«Normalerweise plane ich für so einen Auftrag drei bis vier Mitarbeiter ein», sagt Widmer. «Das Material bestellen wir eine Woche vorher. Jetzt ist alles anders, das ist eine grosse Herausforderung.» Doch die Mitarbeiter würden alles geben. «Es herrscht eine ganz spezielle Stimmung», sagt Michael Widmer. «Einer hat einen Christbaum mitgebracht, alle sind topmotiviert. Sie arbeiten fast noch schneller und besser als sonst.»

Die Firma stellt den Mitarbeitern Znüni und Mittagessen zur Verfügung, die Ferien können im neuen Jahr kompensiert werden. Man habe gestern Mittwoch so lange gearbeitet, damit man heute hoffentlich fertig werde und beizeiten Feierabend machen könne. Am Montag nimmt man in Oerlikon noch den Feinschliff vor. Danach können die Zimmerleute den Rest der wohlverdienten Betriebsferien geniessen.