Beim Tötungsdelikt in der Villa in Küsnacht, das in der Nacht auf den 30. Dezember 2014 passierte, sind noch einige Fragen offen. Der heute 31-jährige Beschuldigte brachte beim Prozessauftakt am Montag allerdings kein Licht ins Dunkel: Er machte von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.

Das Gericht zitierte daher frühere Aussagen des Mannes, der im Drogenrausch seinen Kollegen brutal getötet hatte und die Tat grundsätzlich nicht bestreitet. Der Richter berief sich dabei auf verschiedene Befragungen, in denen der Nachkomme einer Kunsthändlerfamilie seine Aussagen immer wieder geändert hatte.

In seiner letzten Version gab er an, sein Opfer, ein 23-jähriger Engländer, habe ihn angegriffen. Dieser habe dabei grün ausgesehen, lange Ohren und rote Augen gehabt - "alienmässig". Für den Beschuldigten war klar, dass es sich um den Teufel handeln musste, der ihn töten wollte, und er um sein Leben kämpfen müsse.

Gestörte Wahrnehmung

Anschliessend sprach ein Gutachter über die Drogenvergangenheit des Beschuldigten. So habe dieser ab 2010 bis 2014 jeweils am Wochenende zwischen 3 und 5 Gramm Kokain konsumiert. Ab 2011 kam auch noch Ketamin dazu, das antriebssteigern und angstlösend wirke.

Dieses konsumierte er ebenfalls in hohen Dosen, die er weiter steigerte. "In den Wochen vor der Tat waren es wöchentlich 10 Gramm", sagte der Gutachter. Zum Tatzeitpunkt sei der Beschuldigte Kokain- und Ketamin-abhängig gewesen.

Durch die Drogen sei er unter anderem in einen traumähnlichen Zustand geraten, habe die Leute nicht mehr erkannt oder verwechselt und Menschen als bedrohlich wahrgenommen. Zudem hatte er das Gefühl, Superkräfte zu besitzen. "Kokain und Ketamin können die Impulskontrolle verändern", sagte der Gutachter. Man tue Dinge, die man sonst nicht machen würde.

Für den Gutachter schien es plausibel, dass es bei der Tat "ein wahnhaftes Erleben" gegeben habe.

Wahrnehmensveränderung wegen Drogen

Ein zweiter Gutachter hatte den Mann unter anderem auf seine Schuldfähigkeit untersucht. Dies sei schwierig, da sich nur zwei Personen in der Villa befunden hätten: das Opfer und der Täter. Er müsse daher von Hypothesen sprechen, sagte er vor Gericht.

"Ich gehe davon aus, dass bei der Tat eine Intoxikation mit Wahrnehmensveränderung vorlag." Der Gutachter sprach von aufgehobener Realitätskontrolle und -wahrnehmung. Damit sei der Mann schuldunfähig. Der Gutachter sprach sich für eine stationäre oder ambulante Massnahme aus, denn wenn der Mann nicht mit dem Drogenkonsum aufhöre, sei die Gefahr eines Rückfalls gross.

Als zweite Hypothese brachte der Gutachter einen Streit ins Spiel, der eskaliert sein könnte. Dies sei eine theoretische Möglichkeit, die er quasi der Vollständigkeit halber noch eingebracht habe. In diesem Fall müsse man von einer mindestens mittelgradigen Minderung der Schuldfähigkeit ausgehen.

Staatsanwalt ergänzt Anklageschrift

Das Gericht befand zum Schluss, dass es auch die Streit-Variante muss prüfen können. Es lud deshalb den Staatsanwalt ein, seine Anklageschrift um den Punkt "vorsätzliche Tötung bei verminderter Schuldfähigkeit ausgelöst durch den Streit" zu ergänzen.

Der Staatsanwalt hatte ihn bisher unter anderem wegen fahrlässiger oder allenfalls vorsätzlicher Tötung, Vergewaltigung, sexueller Nötigung und wegen Tötungsversuch angeklagt. Die Sexualdelikte und der Tötungsversuch richteten sich gegen seine damalige Freundin.

Der Staatsanwalt fordert - trotz Drogenkonsum - eine Freiheitsstrafe von acht, eventuell 13 Jahren mit ambulanter Behandlung. Er spricht von actio libera in causa: Der Beschuldigte soll sich absichtlich in den Zustand der Schuldunfähigkeit versetzt haben.

Für die Verteidigung ist klar, dass die Tat "im Drogenrausch und im Zustand der vollen Unzurechnungsfähigkeit" begangen wurde, wie sie im Vorfeld des Prozesses mitteilte. Dieser wird am Mittwoch fortgesetzt und dauert voraussichtlich noch bis Freitag.