Zürich
Globusprovisorium: Experten und Heimatschützer wollen keinen parkähnlichen Platz

Der Zürcher Stadtrat will das Globusprovisorium bei der Bahnhofsbrücke abreissen und an gleicher Stelle einen offenen Platz errichten. Experten und Heimatschützer haben andere Vorstellungen für das Areal.

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Das Provisorium bei der Bahnhofsbrücke beherbergt derzeit eine Coop-Filiale. (Archiv)

Das Provisorium bei der Bahnhofsbrücke beherbergt derzeit eine Coop-Filiale. (Archiv)

Keystone

Letzte Woche präsentierte der Zürcher Stadtrat seine Idee, was mit dem Globusprovisorium geschehen soll. Das umstrittene Gebäude von Architekt Karl Egender sollte demnach einem Platz weichen. Mit Ausnahme der Grünen hatte keine Partei etwas gegen den Abriss. Anders klingt es bei Heimatschützern und Experten, wie die "NZZ" berichtet.

Das Globusprovisorium sei ein gutes Werk von einem bedeutenden Architekten. Ein freier Platz auf dem Papierwerdareal sei zudem laut Heimatschutz aus historischer Sicht nicht vertretbar. Ein Park sei "Nonsens", die Bebauung des Areals eine "historische Konstante", wie Vizepräsidentin Barbara Truog sagt. Die Abriss-Befürworter könne sie dennoch gut verstehen. Das Bauwerk sei in die Jahre gekommen und die Idee, ein an einen Dampfer erinnerndes Gebäude in die Limmat zu setzen, nicht für alle erkennbar.

Aufragende Klippe aus der Limmat

Sonja Hildebrand ist Kunst- und Architekturhistorikerin an der Università della Svizzera italiana in Mendrisio. Sie hebt die leichte Konstruktion und die Schiffsmetaphorik des Provisoriums hervor und plädiert gegen eine reine "Stadtkosmetik" und für einen bedeutenden Mehrwert. Der Architekt und Publizist Claude Lichtenstein stellt sich zwar nicht gegen den Abbruch des Provisoriums, bezeichnet die Idee eines weiteren parkähnlichen Aussenraums in unmittelbarer Nähe von Beatenplatz, Lindenhof und Platzspitz aber als "Gipfel der Phantasielosigkeit". Stattdessen soll an gleicher Stelle ein Neubau wie eine "aufragende Klippe" aus der Limmat entstehen.

Raumplaner Hansruedi Diggelmann sieht dagegen überhaupt keinen Handlungsbedarf. Der Egender-Bau sei kein Fremdkörper. Der Präsident der Zürcher Studiengesellschaft für Bau- und Verkehrsfragen bezeichnet das Gebäude in der "NZZ" sogar als "ziemlich gut". Der Abriss zugunsten eines Parks schaffe gleich eine doppelte Leerstelle. Solange keine klügere Nutzungsidee bestehe, könne das Provisorium also getrost noch stehenbleiben.