Knapp anderthalb Jahre nach dem Spatenstich haben SBB und der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) am Montag am Bahnhof Zürich-Oerlikon das neue Gleis 8 in Betrieb genommen. Dieses ist Teil der Durchmesserlinie, die Ende 2015 Oerlikon über den Weinbergtunnel mit Zürich-Altstetten verbindet.

Mit dem Entfernen einer Haltetafel gaben der Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) und Markus Geyer, stellvertretender Leiter SBB Infrastruktur, das Gleis frei. Als erster regulärer Zug passierte eine S6 das neue Aussenperron.

Stocker bezeichnete in seiner Rede das Gleis 8 als wichtigen Schritt zur Entwicklung der Schieneninfrastruktur im Grossraum Zürich. Heute seien es 17 Züge pro Stunde, die in Oerlikon halten. Bis Ende Dezember werde das Zugsangebot in Zürich-Nord um beinahe 50 Prozent auf 24 Züge pro Stunde erhöht. Für die Durchmesserlinie spiele der Bahnhof Oerlikon eine zentrale Rolle.

Beeindruckt zeigte sich der Volkswirtschaftsdirektor, wie schnell in Oerlikon ein neues Gleis und ein neues Perron entstehen konnten. Dies sei nur dank dem grossen Einsatz der Bauarbeiter bei Hitze, Regen oder Kälte möglich gewesen. «Wenn alles immer so planmässig schnell ginge, dann könnten wir in fünf Jahren wohl schon durch den Brüttenertunnel fahren,» sagte Stocker.

Kein Gleis bleibt, wo es ist

Bis Ende 2016 wird der Bahnhof Oerlikon vollständig um- und ausgebaut. Die Arbeiten erfolgen unter laufendem Betrieb. Bei rund 800 Zügen, die täglich an den Baustellen vorbeifahren, seien Störungen fast nicht zu vermeiden, sagte Geyer.

Neben zwei neuen Gleisen werden auch die Perrons verbreitert. Möglich wird dies, indem die Gleise näher zusammengerückt werden. Diese Arbeiten seien nur bei gesperrten Gleisen möglich, erklärte Geyer. Zudem seien für die Abwicklung des Betriebes grundsätzlich sechs Gleise erforderlich.

Aus diesem Grund habe zuerst das Gleis 8 erstellt werden müssen. Nach der Inbetriebnahme wurde am Montag das Gleis 6 ausser Betrieb genommen, damit das neue Gleis 7 gebaut werden kann. Im April 2014 ersetzt dann das Gleis 7 das Gleis 5, im Anschluss daran das Gleis 6 das alte Gleis 4.

Auf diese Art und Weise geht es dann weiter bis zum Gleis 3. Als besondere Herausforderung bezeichnete Geyer die Verlegung der Gleise 1 und 2, die nach Wallisellen führen und immer in Betrieb bleiben müssen. Gelöst werde das Problem mit dem Bau von Hilfsbrücken.

Sechs Minuten Zeitgewinn

Der erste Teil der Durchmesserlinie geht am 15. Juni 2014 in Betrieb. Ab diesem Zeitpunkt verkehren die S-Bahnzüge von und nach dem linken Zürichseeufer durch den neuen unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse und den Weinbergtunnel nach Oerlikon. Daraus resultiert gemäss Angaben der SBB ein Zeitgewinn von sechs Minuten.

Ab Dezember 2015 verkehren dann auch die Fernzüge auf der Ost-West-Achse über die Durchmesserlinie. Die beiden Brücken zwischen dem Hauptbahnhof Zürich und Zürich-Altstetten sind derzeit im Bau. Insgesamt kostet die Durchmesserlinie 2 Milliarden Franken.