Es gibt sie, die Männer, die Gleichstellungsarbeit leisten. Es gibt sie nicht erst, seit die kantonale Fachstelle für Gleichstellung 2012 den Posten des Männerbeauftragten schuf, der bisher mehr mit Personalfluktuation als mit Inhalten Schlagzeilen machte.

Im Gegensatz zu ihrer kantonalen Schwester gibt es auf der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich kein Stellenprofil, das sich ausschliesslich Männeranliegen widmet. Fachstellen-Leiterin Anja Derungs sieht dafür auch keinen Bedarf: «Gleichstellungsfragen sind Alltagsfragen und wenden sich gleichermassen an beide Geschlechter», sagt sie. Auf dem städtischen Büro arbeiten aber seit Jahren Männer, die sich den Anliegen ihrer Geschlechtsgenossen wie auch denen von Frauen widmen.

Andere Probleme, gleicher Ursprung

Einer der Männer, der sich jenseits des Medienrummels für Chancengleichheit unter den Geschlechtern einsetzt, ist Aner Voloder. Er arbeitet seit drei Jahren auf der Fachstelle, wo er Projekte leitet und juristische Beratungen durchführt. Er berät Frauen wie Männer, genauso wie seine Kolleginnen und Kollegen auch. Die Ausnahme bilden «heikle Themen», so etwa häusliche Gewalt oder sexuelle Belästigung - Fälle also, bei denen Betroffene sich einer Person des gleichen Geschlechts eher anvertrauen.

Männer- und Frauenthemen separat zu behandeln, findet Voloder, der die Arbeit mit beiden Geschlechtern kennt, grundsätzlich jedoch nicht sinnvoll. «Um wahre Gleichstellung zu erreichen, müssen traditionelle Rollenbilder gebrochen werden», sagt er. Dort liege der Ursprung von Ungleichbehandlungen, auch wenn sich diese für Männer und Frauen unterschiedlich bemerkbar macht.

Wo es noch harzt, ist bekannt: Frauen sind in Chefetagen immer noch stark untervertreten, verdienen für gleichwertige Arbeit weniger, sind öfter Opfer von Übergriffen. Männern hingegen stehen immer noch zu wenig Teilzeitstellen zur Verfügung, die ihnen eine tragendere Rolle zuhause ermöglichen würden. In der Folge haben sie im Fall einer Trennung in Sorgerechtsfragen oft das Einsehen. «Es ist ein Teufelskreis», sagt Voloder. Einer, der nur von Frauen und Männern gemeinsam gelöst werden kann, ist er überzeugt. Voloder ist zuversichtlich, dass ein Paradigmenwechsel unterwegs ist. «Doch das Problem wird nicht heute oder morgen gelöst werden. So etwas braucht seine Zeit.»

Vorurteil Frauenbüro

Dass Männeranliegen seit einiger Zeit mehr Bedeutung zugemessen wird, begrüsst Voloder. Doch er warnt: «Dass auch Männer Benachteiligung erfahren, ist im Gleichstellungsdiskurs relativ neu und erfährt deshalb automatisch mehr Aufmerksamkeit. Das vermittelt jedoch ein falsches Bild.» Wenn nur noch von benachteiligten Männern berichtet wird, könne sich schnell der Eindruck einschleichen, dass Frauen keine Diskriminierung mehr erleben. Dabei gebe es gerade in der Arbeitswelt immer noch eklatante Ungleichbehandlungen. «Dass diese Probleme keinen Neuheitsfaktor haben, heisst nicht, dass sie weg sind», so Voloder.

Hartnäckig halten sich nicht nur Rollenzwänge, sondern auch Vorurteile gegenüber Gleichstellungsarbeit. «Die Wahrnehmung, dass in Gleichstellungsbüros Arbeit von Frauen für Frauen geleistet wird, ist immer noch weit verbreitet», so Voloder. Von den Menschen, die das Beratungsangebot der Fachstelle in Anspruch nehmen, sind denn auch nur rund ein Drittel Männer. Doch Voloder ist zuversichtlich, dass es mehr werden. «Unsere Sensibilisierungsarbeit trägt langsam Früchte. Männer schämen sich heute weniger, Hilfe in Anspruch zu nehmen.»

Fachstelle will mehr Männer

Die Fachstelle gibt sich Mühe, auch ihre Arbeit in Männersachen sichtbarer zu machen, etwa mit Projekten wie dem Väterlunch oder dem Männerpalaver. Zudem will sie als Arbeitgeberin in Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit gutem Beispiel vorangehen. Sämtliche Angestellte der Fachstelle arbeiten Teilzeit. «Wir wollen die Gleichstellung zwischen Frau und Mann leben, sowohl was Arbeitszeitmodelle wie auch die Stellenbesetzung betrifft», sagt Leiterin Derungs.

Bei einem ausgeglichenen Team ist man hingegen noch nicht: Die 650 Stellenprozente teilen sich sieben Frauen und zwei Männer. Aus diesem Grund hat sich die Fachstelle eine Art interne Männerquote auferlegt: «Bei neu zu besetzenden Stellen werden wir männliche Bewerber bei gleicher Qualifikation bevorzugen», so Derungs.