Abstimmung
Glasfasernetz: Wann es rentieren wird, ist unklar

Ausser der SVP unterstützen alle Stadtzürcher Parteien den 400-Millionen-Kredit für den Bau eines Glasfasernetzes. Sie sind überzeugt, dass sich diese Investition auszahlen wird. Wann genau das Netz Geld abwerfen wird, ist jedoch nicht ganz klar.

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Glasfasernetz: Wann es rentieren wird, ist unklar

Glasfasernetz: Wann es rentieren wird, ist unklar

Keystone

Am 23. September entscheiden die Zürcherinnen und Zürcher darüber, ob sie dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich ewz einen Kredit von 400 Millionen Franken gewähren sollen. Damit soll in Zusammenarbeit mit der Swisscom ein Glasfasernetz verlegt werden.

Bereits 2007 hatten die Stimmberechtigten einen Kredit von 200 Millionen Franken bewilligt. Damit wurden bis heute 30'000 Haushalte und Unternehmen an ein Pilot-Glasfasernetz angeschlossen. Nun soll das Netz flächendeckend ausgebaut werden.

Der Ausbau soll nicht auf Kosten der Steuerzahler finanziert werden. Das ewz muss die 400 Millionen Franken bis in 30 Jahren wieder an die Stadt zurückzahlen. Ab wann das Glasfasernetz für die Rückzahlung Geld abwirft, ist allerdings nicht klar.

Die vorberatende Kommission rechnete verschiedene Szenarien durch, die vom Worst-Case bis zum durchschlagenden Erfolg reichen. Wie Gemeinderat Bernhard Piller (Grüne) am Mittwoch vor den Medien sagte, rechnet man damit, dass das Netz in 15 Jahren Gewinn abwirft. «Es kann aber auch 25 Jahre dauern.»

Wie schnell die Gewinnschwelle erreicht werde, sei aber nicht ausschlaggebend. Rentieren werde das Projekt ohnehin irgendwann. Die Parteien rechnen damit, dass das Bruttoinlandprodukt durch die neue Datenautobahn jährlich um etwa 0,5 Prozent steigen wird.

«Glasfasernetz gehört in staatliche Hände»

Das Glasfasernetz sei wichtig für den Finanzplatz, die gesamte IT- Industrie, innovative Startups und alle anderen Betriebe, die auf eine leistungsfähige Kommunikationstechnologie angewiesen sind, teilten die Parteien mit. Für sie ist klar, dass eine solche Schlüsselinfrastruktur in staatliche Hände gehört, wie auch die Wasserversorgung, das Stromnetz, Strassen und Schienen.

Insgesamt sollen mit dem Geld bis ins Jahr 2019 rund 240'000 Privathaushalte und Firmen angeschlossen werden, das entspricht 90 Prozent des städtischen Gebietes. Bei Neubauten soll Glasfaser standardmässig verlegt werden, bei bestehenden Bauten entscheiden die Besitzer. Da der Einbau gratis ist, ist anzunehmen, dass die meisten davon profitieren werden.

Swisscom-Monopol soll verhindert werden

Damit das Projekt schneller vorangetrieben werden kann und für das ewz günstiger ausfällt, hat dieses mit der Swisscom einen 30 Jahre gültigen Vertrag geschlossen. Gemäss diesem baut ewz 75 Prozent des Netzes, die Swisscom 25 Prozent.

Von den Investitionskosten trägt das ewz 40 Prozent - also die 400 Millionen, über die abgestimmt wird - die Swisscom hingegen übernimmt 60 Prozent, also 600 Millionen. Die Swisscom, Kommunikationsanbieterin mit dem grössten Marktanteil, profitiert davon, dass sie bereits von Anfang an beim Kunden ist und ihm ihre Angebote unterbreiten kann. Ein Monopol soll aber verhindert werden.

In jedem Glasfaserstrang, der verlegt wird, sind auch Fasern, die nicht von der Swisscom genutzt werden. Sie gehören dem ewz, das die Fasern an andere Provider vermieten wird. Jeder Endkunde hat damit die Wahl, auch wenn «seine» Fasern von der Swisscom verlegt wurden.

Die SVP lehnt den Kredit ab, weil sie das Glasfasernetz als «ein Projekt für wenige» beurteilt. Sie wird ihre Argumente gegen den 400- Millionen-Kredit am Donnerstag präsentieren. (sda)