In offenen Briefen an Stadtpräsidentin Corine Mauch und Kulturdirektor Peter Haerle fordern sie, die Strauhof-Belegschaft weiter zu beschäftigen.

Vor einem Jahr hatte die Stadt Zürich beschlossen, das Literaturmuseum Strauhof 2015 zu schliessen. Nach heftiger Kritik überarbeitete die Stadt ihre Pläne und kündigte an, für den Strauhof eine private Trägerschaft für eine vorerst dreijährige Pilotphase ab Herbst 2015 zu suchen.

Bis dahin wird das Museum mit einer Ausstellung zwischengenutzt. Sie widmet sich dem Zürichroman "Alles in Allem" von Kurt Guggenheim. Die Schau ist von Ende Januar bis Ende Mai programmiert.

An diesem Punkt setzen die Kritiker der Stadt an. Ihrer Meinung nach ist es mit der Zwischennutzung nämlich möglich, das Personal nahtlos weiter zu beschäftigen, bis die neue Trägerschaft nach den Sommerferien 2015 die Verantwortung übernimmt.

Dies schreiben neun Gemeinderäte in einem am Mittwoch veröffentlichten offenen Brief. Trotz dieser Zwischennutzung werde den bisherigen Angestellten - betroffen seien elf Personen, die sich 4,5 Vollzeitstellen teilen - auf Ende 2014 gekündigt.

"Ungerecht, unnötig und unfair"

Unterschrieben haben das Schreiben sechs Mitglieder der SP, zwei der Grünen sowie ein CVP-Vertreter. Sie appellieren an die Verantwortlichen der Stadt, Hand zu bieten für eine einvernehmliche Lösung zugunsten des gekündigten Personals. Dieses soll weiterbeschäftigt und schliesslich von der neuen Trägerschaft übernommen werden.

"Die Auflösung der Arbeitsverhältnisse bleibt aus unserer Sicht ungerecht, unnötig und unfair", schreibt die Gewerkschaft VPOD in einem offenen Brief. Ausserdem fühlten sich die Mitarbeitenden "besonders existenziell bedroht, verletzt und unwürdig behandelt".

Die Strauhof-Belegschaft befinde sich seit dem Sommer 2013 in einer belastenden Arbeitssituation. Es herrsche Unsicherheit, welche auch die Lebenssituation der Angestellten beeinträchtige. Dass das Strauhof-Team aus den Medien von der Schliessung erfahren habe, sei respektlos, schreibt der VPOD.

Stadt weist Vorwürfe zurück

Stadtpräsidentin Corine Mauch weist die Vorwürfe zurück. Die Stadt habe ihre Pflichten als verantwortungsbewusste Arbeitgeberin vorbildlich wahrgenommen, teilte Mauch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit. Dies sei ihr in Gesprächen auch vom Vertreter des VPOD bestätigt worden.

Das Präsidialdepartement habe den von der Kündigung betroffenen Mitarbeitenden von Beginn an Unterstützung bei der stadtinternen Stellensuche sowie weitere Hilfestellungen angeboten. Bislang seien diese Angebote jedoch nur vereinzelt genutzt worden. Im vergangenen August habe der Stadtrat dann den Sozialplan für die Mitarbeitenden verabschiedet.

Für 2015 sind laut Mauch keine Personalkosten für den Museumsbetrieb mehr budgetiert. Der für die Zwischennutzung verantwortlichen nicht-städtischen Trägerschaft sei es "selbstverständlich möglich, auf heutige Mitarbeitende des Strauhofs zuzugehen".

Keine Vorgaben will die Stadt zudem der neuen Trägerschaft machen, die ab dem zweiten Halbjahr 2015 für den Strauhof verantwortlich sein wird. Diese müsse Spielraum haben, mit vielen Personen welcher Qualifikation sie das Haus betreiben wolle, schreibt Mauch.