Beim heute 32-jährigen Beschuldigten handelte es sich um einen Berufschaoten. So lastete die Anklage dem geständigen Stadtzürcher mehrere Teilnahmen an illegalen Demonstrationen oder schweren Ausschreitungen an. Am 4. Juni 2011 war er an Krawallen in Bern beteiligt. Am 21. Januar 2012 nahm er an einer illegalen Demo gegen das WEF teil, erneut in Bern.

Der schwerste Vorwurf ging aber auf den 1. Mai 2012 zurück. Damals begab sich der Beschuldigte an die unbewilligte Nachdemo im Kreis 4. Dabei feuerte er zunächst pyrotechnische Gegenstände gegen die Polizei ab. Um 16.40 Uhr bewarf er zusammen mit anderen Chaoten auf der Bäckeranlage mehrere zivile Polizeibeamte mit Steinen. Dabei wurde ein Ordnungshüter am Kopf getroffen und schwer verletzt. Der Geschädigte leidet heute noch unter dem Schädelbruch und kann nur noch im Innendienst arbeiten.

Keine fünf Tage später warf der Beschuldigte erneut Steine gegen die Polizei. Diesmal als FCZ-Hooligan beim Letzigrund-Stadion, wo sich vor einem Meisterschaftsspiel Anhänger des FCZ und des FC Basel eine Strassenschlacht lieferten. Beide Fangruppen attackierten auch die Polizei.

Der Steinwerfer wurde am 10. Juli 2012 von der Polizei festgenommen und verbrachte danach 80 Tage in Untersuchungshaft. Fest steht, dass der Mann ein umfassendes Geständnis ablegte, was eine Anklage im abgekürzten Verfahren ermöglichte.

Wichtiges Piloturteil

Staatsanwaltschaft und Verteidigung einigten sich auf einen Urteilsvorschlag. Demnach wurde der Stadtzürcher wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Sachbeschädigung, mehrfachen Landfriedensbruchs, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt. Sechs Monate davon muss er absitzen. Das Bezirksgericht Zürich segnete diesen Vorschlag ohne Erläuterungen ab und fällte damit ein wichtiges Piloturteil. Demnach gilt schon alleine der Wurf eines Steines als versuchte schwere Körperverletzung. Auch der Geschädigten-Vertreter Valentin Landmann sprach von einem bedeutenden Grundsatzentscheid: «Der Wurf eines Steines auf Menschen ist jetzt eine schwerwiegende Angelegenheit», führte er vor den Schranken aus.

Der Prozess wurde von einem grossen Publikum mitverfolgt: einerseits von FCZ-Fans, aber auch von Anhängern des Schwarzen Blocks. Unter ihnen befand sich die bekannte Zürcher Linksradikale Andrea Stauffacher. Der Beschuldigte selber wollte sich vor Gericht nicht äussern.