Alles andere wäre eine Überraschung gewesen. Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP), im Amt seit 2007, tritt im Frühjahr 2019 nicht nochmals an. Bemerkungen, die er selber im Vorfeld gemacht hatte, liessen das vermuten. Aber auch das Weitermachen wäre dem 61-jährigen Marathonläufer zuzutrauen gewesen: Er scheint topfit und alles andere als amtsmüde zu sein.

An der gestrigen Medienkonferenz war ihm sichtlich daran gelegen, das Bild eines dynamischer Machers abzugeben. Er sprach die meiste Zeit darüber, was er im letzten Amtsjahr noch alles zu tun gedenkt, bevor er am Ende fast schon nebenbei bemerkte, im Mai 2019 sei Schluss. Auch über seine privaten Zukunftspläne mochte Heiniger noch nicht sprechen. Der ehemalige Anwalt aus Adliswil bestätigte einzig, dass er sich 2019 sicher noch nicht zur Ruhe setzen will.

Karriere auf dem Zenit

Formal gesehen, tritt Heiniger auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Regierungsrat ab. In seinem letzten Amtsjahr ist er zum zweiten Mal Regierungspräsident. Und seit Mitte 2016 präsidiert er ausserdem die kantonale Konferenz der Gesundheitsdirektoren. Die von Heiniger geprägte Zürcher Spitalpolitik strahlt über die Kantonsgrenzen aus. Etliches von dem, was seine Gesundheitsdirektion ausbrütete, übernahmen andere Kantone. Als Liberaler implementierte Heiniger vor allem den Wettbewerb im Gesundheitswesen. Unter seinen strengen Vorgaben ächzten die Spitäler immer wieder.

Heiniger blies im Kanton allerdings häufig ein eisiger Wind entgegen. So stoppte das Volk im letzten Frühling eines seiner wichtigsten Projekte: die Umwandlung des Kantonsspitals Winterthur (KSW) in eine privatrechtliche AG und die Verselbstständigung der Integrierten Psychiatrie Winterthur. Beides bekämpfte die Linke heftig. Die Nachfolgeprojekte trugen der Kritik Rechnung.

Auch seine eigene Partei stellte sich Heiniger mehrfach entgegen: Die Sondersteuer für das Privatspital Hirslanden erhielt von links Applaus, wurde aber von rechts versenkt. Auch bei der gerechteren Verteilung der ärztlichen Zusatzhonorare lief Heiniger im eigenen Lager auf.

Richtige Richtung

Auf die Frage, ob er auch aus Enttäuschung nicht mehr antrete, antwortete Heiniger mit einem klaren Nein: «Mein Entscheid hat mit Rückzug oder Enttäuschung nichts zu tun.» Auch beim KSW und der Psychiatrie Winterthur seien nun ja «Schritte in die richtige Richtung» gemacht worden. Das Zürcher Gesundheitswesen sei bestens aufgestellt. Der abtretende Heiniger betonte auch, er und nicht seine Partei habe den Entscheid zur Nichtkandidatur gefällt.

Die kantonale FDP muss für ihn nun einen Ersatz suchen. Sie will 2019 wie vor vier Jahren mit zwei Kandidaturen antreten, wie Parteipräsident Hans-Jakob Boesch sagte. Zum Duo wird auf jeden Fall die vor vier Jahren gewählte Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh gehören. Sie trat gestern zusammen mit Heiniger auf.

Personalentscheid im Oktober

Boesch beurteilt die Wahlaussichten seiner Partei optimistisch. Das erlaubten die jüngsten Wahlen, mit deren Ergebnis er sehr zufrieden sei. Sowohl in den Exekutiven als auch in den Legislativen habe die FDP zulegen und damit an den Erfolg der Kantonsratswahlen 2015 anknüpfen können. Damals steigerte die FDP den Wähleranteil im Kanton Zürich um 4,3 auf 17,3 Prozent. Sie ist im Kanton hinter der SVP und der SP die drittstärkste Kraft. Boesch sagte weiter, die FDP sei interessiert daran, bei den Wahlen wie vor vier Jahren mit der SVP und der CVP zusammenzuspannen. Laut Boesch wird nun eine Findungskommission eingesetzt. Die Bezirksparteien können Kandidaturen bis Anfang Juni melden. Der Parteivorstand nimmt dann die Nominationen vor. Wer definitiv ins Rennen steigt, entscheiden die Delegierten am 4. Oktober.

An Interessenten mangelt es der FDP nicht. Zu ihnen gehören diverse Mitglieder des Kantonsrates (siehe auch Kurzporträts unten): Fraktionspräsident Thomas Vogel (Illnau-Effretikon); der Präsident der Gemeindepräsidenten Jörg Kündig (Gossau); Stadträtin Astrid Furrer (Wädenswil) und Gemeindepräsident Martin Farner (Oberstammheim). Alle vier Personen bestätigen auf Anfrage, Interesse am Regierungsamt zu haben.

Diverse Frauen sagen ab

Auffallend viele FDP-Frauen bekundeten auf Anfrage kein Interesse an einer Kandidatur für das frei werdende Amt. Zu ihnen gehören die Zürcher Nationalrätinnen Doris Fiala und Regine Sauter. Auch Kantonsrätin Beatrix Frey-Eigenmann, Präsidentin der Finanzkommission, will nicht kandidieren.

Die FDP-Frau Frey-Eigenmann gehörte wie Kantonsrat Thomas Vogel vor vier Jahren zum Trio, das in der engeren Wahl war. Frey-Eigenmann schied aber bereits im ersten parteiinternen Wahlgang gegen die heutige Regierungsrätin Carmen Walker Späh aus.

Mögliche Kandidaten, die für Heinigers Nachfolge infrage kommen