Porträt

Gesicht des Flughafens: Sonja Zöchling wurde erneut Mediensprecherin des Jahres

Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling auf der von ihrem Team konzipierten Terrasse.

Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling auf der von ihrem Team konzipierten Terrasse.

Sonja Zöchling, zum zweiten Mal Mediensprecherin des Jahres, hat das Airport-Virus. Seit 1986 beim Flughafen angestellt, ist Zöchling in all den Jahren zum Gesicht des Flughafens geworden und geniesst grossen Respekt der Geschäftsleitung.

Es könnte wieder einmal ein langer Tag werden für Sonja Zöchling: Am Morgen hat der Zürcher Regierungsrat die neusten Zahlen des Zürcher Fluglärm-Indexes (ZFI) bekannt gegeben. Einmal mehr wurden deutlich mehr als die im ZFI als Grenzwert definierten 47 000 Menschen vom Fluglärm stark belastet. Doch Zöchling, die von der Zeitschrift «Schweizer Journalist» mittels Umfrage unter Journalisten soeben zum zweiten Mal zur Mediensprecherin des Jahres gewählt wurde, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. «Die Medienanfragen zum ZFI kommen dann am Nachmittag», sagt sie und nippt an ihrem Tee. Das vereinbarte Gespräch über ihre Arbeit am Flughafen kann beginnen.

Die heimliche Flughafen-Chefin?

1986 fing sie als Assistentin des damaligen Flughafen-Direktors an. «Am Abend des ersten Arbeitstags sagte ich zu meinem heutigen Mann: Da bleibe ich nicht lange.» Zu schwerfällig sei ihr der Betrieb damals vorgekommen. Doch Zöchling blieb bis heute 28 Jahre. Und über ihre Pensionierung denkt die 57-Jährige noch nicht nach. Das Flughafen-Virus sei zwar ein Klischee, doch etwas sei eben doch dran: Die vielsprachige, multikulturelle Atmosphäre; der Grossbetrieb, wo vom Informatiker bis zum Schlosser alle möglichen Berufe und Menschen zusammenkommen – all das habe dazu beigetragen, dass sie immer noch gerne zur Arbeit gehe. Auch wenn die Arbeit der Flughafen-Sprecherin manchmal schon um sechs Uhr morgens anfängt und bis in den Abend dauert.

Zöchling ist in all den Jahren zum Gesicht des Flughafens geworden. Drei Flughafen-Direktoren hat sie inzwischen erlebt. In den Geschäftsleitungssitzungen ist sie regelmässig anwesend. Sonja Zöchling, die heimliche Flughafen-Chefin? Sie lacht und winkt ab. Doch aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung begegne man ihr in der Geschäftsleitung mit Respekt. Und sie stehe der Chefetage manchmal auch beratend zur Seite.

Unvergessliche Tage

Zöchling erlebte am Flughafen viele unvergessliche Tage, im Guten wie im Schlechten. Danach gefragt kommen ihr zuerst Flugzeugabstürze in den Sinn: Alitalia. Crossair. Dann der Tag, als nach dem Attentat von Luxor in der Flughafenwerft die Särge der aus Ägypten heimgeflogenen Schweizer Opfer aufgebahrt waren. 9/11, jener 11. September 2001, als der US-Flugverkehr nach den Terroranschlägen in New York zum Erliegen kam und Tausende Passagiere auf dem Flughafen Zürich festsassen. «Anwohner boten wildfremden Menschen an, bei ihnen zu übernachten», erinnert sich Zöchling. Natürlich zählt sie auch das Swissair-Grounding zu den Tagen, die sie nie vergessen wird. Und jenen Vulkanausbruch in Island, dessen Ascheregen den Flugverkehr unterbrach. «Es war die perfekte Krisenkommunikations-Übung: Niemand kam zu Schaden. Wir kommunizierten über alle Kanäle: Facebook, Twitter, Telefon. Unsere Medienstelle hatte während dreier Tage rund um die Uhr Anrufe entgegenzunehmen», sagt Zöchling.

Mit als Erstes habe sie im Kommunikationsteam geklärt, wer wann Pause machen könne. Nur so sei die ständige Erreichbarkeit möglich gewesen. Und das sei das A und O in der Kommunikation: Erreichbarkeit und Information ohne lange Wartezeiten. Auf der anderen Seite sind es die positiven Erlebnisse, die Zöchling im Gedächtnis bleiben. Etwa der Tag, als zum 50-Jahr-Jubiläum des Flughafens Zürich im August 1998 nicht weniger als 300 000 Besucherinnen und Besucher kamen. «Auf Piste 16/34 gab es eine Flugzeug-Ausstellung, für die zum ersten und einzigen Mal die Concorde in Zürich landete.» Viele Leute seien gekommen, um das schnellste und lärmigste Passagierflugzeug der Welt zu bestaunen.

Auch die Eröffnung der von Zöchlings Team konzipierten Zuschauerterrasse im Jahr 2011 bleibt ihr unvergessen. «Im ersten Jahr kamen über 400 000 Besucher», sagt sie nicht ohne Stolz. Solche Erlebnisse zeigten: «Es gibt mehr Leute, die den Flughafen mögen, als solche, die sich durch ihn gestört fühlen.»

Dennoch: Fluglärm war zumindest seit Beginn der Südanflüge 2003 das dominierende Thema in Zöchlings Arbeit. Wüste Drohmails habe sie deswegen bekommen. Gegen ihre Überzeugung habe sie aber nie kommunizieren müssen. «Und wenn, dann hätte ich es mir nicht anmerken lassen», sagt Zöchling lächelnd.

«Die Flieger stören mich nicht»

Als Winterthurerin bekomme sie den Fluglärm durchaus mit. «Ich höre die Flieger. Aber sie stören mich nicht», so Zöchling. Den vermehrten Ostanflügen, die bei einer Umsetzung des Staatsvertrags mit Deutschland ab 2020 kommen, blickt sie daher gelassen entgegen. «Das Flughafen-Virus ist unheilbar», sagt Sonja Zöchling.

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