Aufarbeitung
Geschichte der Zürcher Seidenindustrie soll aufgearbeitet werden

Die Zürcherische Seidenindustrie-Gesellschaft (ZSIG) will die Geschichte der Seidenindustrie im Kanton Zürich umfassend aufarbeiten und in einem populär verfassten Buch darstellen. Der Regierungsrat will dies mit 2,8 Millionen Franken unterstützen.

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Keystone

Die maximal maximal 2,83 Millionen Franken sollen aus dem Lotteriefonds stammen.

Im 19. Jahrhundert war Zürich eines der wichtigsten Zentren der europäischen Seidenproduktion. Die zahlreichen Seidenunternehmen unterhielten zum Teil Verkaufsbüros in New York und St. Petersburg und beschäftigten im Kanton Zürich bis zu 50'000 Personen.

Der Niedergang setzte nach der Weltwirtschaftskrise 1929 ein. Das endgültige Aus kam nach der Ölkrise im Jahre 1973.

Erstaunlicherweise sei die Geschichte der Zürcher Seidenindustrie insgesamt wenig erforscht, heisst es in einer Mitteilung des Regierungsrates vom Donnerstag. Dies könne daran liegen, dass die Archive der Zürcher Seidenfirmen mehrheitlich noch unerschlossen seien und an den ursprünglichen Firmenstandorten liegen.

Die letzte Gesamtdarstellung der Geschichte der Seidenindustrie im Kanton Zürich wurde 1954 verfasst. Danach wurden nur noch Teilaspekte untersucht.

Buch für ein breites Publikum als Ziel

Die ZSIG will nun die Geschichte der Zürcher Seidenindustrie auf breiter Quellengrundlage und unter Berücksichtigung neuester Forschungsansätze untersuchen lassen und in Form eines populär verfassten Buches darstellen.

Die Publikation soll ein breites Publikum erreichen, gleichzeitig aber auch als Grundlage dienen für weitere Auseinandersetzungen mit der Geschichte der Zürcher Seidenindustrie. Als Autor ist der Zürcher Historiker Alexis Schwarzenbach vorgesehen.

Erforschen will die ZSIG die Geschichte ihrer Branche in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv des Kantons Zürich und dem Schweizerischen Nationalmuseum. Die ZSIG habe schon verschiedene Vorarbeiten geleistet und finanziert, schreibt der Regierungsrat.

Zu gross für einen Forscher allein

Die geplante Aufarbeitung verfolge zwei Ziele: Erstens sollen die Bestände der Zürcher Seidenindustrie langfristig gesichert werden. Dabei sollen die textilen Archivteile ins Sammlungszentrum des Nationalmuseums in Affoltern am Albis, die schriftlichen Unterlagen ins Zürcher Staatsarchiv gebracht werden.

In einem zweiten Schritt ist geplant, die Bestände wissenschaftlich zu erforschen. Da ein einzelner Forscher die grossen Mengen an Quellen im Alleingang nicht bewältigen kann, arbeitet die ZSIG mit Forschungseinrichtungen zusammen, die über das notwendige Wissen im Umgang mit grossen Datenmengen verfügen.

Zur Bewältigung der schriftlichen Quellen sind vier Seminarien unter der Leitung von Tobias Straumann am Historischen Seminar der Universität Zürich vorgesehen. Um die Durchführung und den Abschluss des Buchprojektes auch für den Fall sicherzustellen, dass der vorgesehene Autor ausfällt, soll das Publikations-Teilprojekt ebenfalls an der Hochschule Luzern angesiedelt werden.

Geschichte im kollektiven Gedächtnis verankern

Die private Seidenindustrie-Gesellschaft hat bis jetzt rund 2,25 Millionen Franken investiert. Davon übernimmt sie laut Regierungsrat fast 1,3 Millionen Franken. Der Kanton Zürich soll sich mit einem Beitrag von 2,83 Millionen Franken beteiligen. Zudem wird ein Beitrag der Stadt Zürich erwartet.

Der Regierungsrat beantragt dem Kantonsrat, den Kantonsbeitrag als Kostendach zulasten des Lotteriefonds zu bewilligen. Seiner Ansicht nach bietet die Aufarbeitung der Geschichte die Chance, die Seidenindustrie des Kantons Zürich besser im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Das Vorhaben sei zudem gut dokumentiert, solide abgestützt, gut organisiert und mit ausgezeichneten Fachleuten besetzt.

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