Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Kantonsrats hat gestern einen Bericht veröffentlicht, in welchem sie das Personalwesen in der Verwaltung des Kantons Zürich analysiert. Der Befund fällt für den Regierungsrat wenig schmeichelhaft aus. Jede der sieben Direktionen schaue für sich, was zu Doppelspurigkeiten und Reibungsverlusten führe, wird festgehalten. Und der Regierungsrat tue zu wenig, um diesen Missstand zu beheben.

Als Leser erlebt man Déja-vus. Genau gleich lautete die Kritik im Bericht der GPK über die kantonale Informatik, den sie Ende August vorgestellt hat. «Das ist kein Zufall», sagt Daniel Frei (SP, Niederhasli), der die GPK-Subkommission zum Personalwesen geleitet hat. Hier wie dort gehe es um Querschnittsaufgaben, erklärt er. Er verweist auf das Beschaffungswesen und das Immobilienmanagement als weitere Beispiele. In all diesen Bereichen macht der Kantonsrat via GPK teils seit Jahren Druck auf den Regierungsrat.

«Der Kanton Zürich mit seinen mittlerweile 35 000 Angestellten ist einem Grossunternehmen vergleichbar», sagt Frei. Bei so einer Grösse sei es nötig, dass Aufgaben, die sich direktionsübergreifend erledigen liessen, auch so erledigt würden. «Es geht teils um Banales, teils um Komplexes», sagt er. So gebe es etwa keine einheitliche Regelung, was die Gewährung von Homeoffice angeht. Nicht alle Personalkenndaten seien zentral abrufbar. Bewerbe sich eine Sachbearbeiterin in einem Amt und sei die Falsche für die ausgeschriebene Stelle, merke niemand, dass sie goldrichtig sein könnte für die freie Stelle im Amt nebenan. Stattdessen würden Aufgaben parallel und unterschiedlich erledigt. Als die GPK die Fluktuationsrate in der Gesamtverwaltung erheben wollte, habe sie feststellen müssen, dass die Daten nicht einfach aus einer Quelle zu beschaffen waren.

Fehlendes Bewusstsein

Während die GPK zur Informatik festhalten konnte, dass der Regierungsrat nun den Handlungsbedarf erkannt habe, gibt es solches in puncto Personal nicht zu vermelden. Im Bericht steht, es fehle dem Regierungsrat offenbar am Bewusstsein für den Querschnittscharakter des Personalwesens und für die entscheidende Bedeutung, die dieses für den Kanton als Arbeitgeber und Leistungserbringer spiele. Kurzfristige Partikularinteressen der Direktionen stünden gegenüber gesamtkantonalen Interessen zu oft im Vordergrund.

«Es ist nicht so, dass nichts passiert ist», sagt Frei. Aber der Regierungsrat tue sich schwer. Um den Bewusstseinsprozess bei ihm zu fördern, schiebt die GPK ihrem Bericht gleich ein Postulat hinterher. Mit diesem wird der Regierungsrat aufgefordert, seinerseits einen Bericht zu verfassen, wie sich das Personalwesen zentraler organisieren liesse.

Der GPK-Bericht spurt vor, wo der Regierungsrat sich Anregungen holen könnte. So hat die GPK bei den SBB (33 000 Mitarbeitende) und beim Kanton Basel-Land (4000 Mitarbeitende) nachgefragt. Beide haben in letzter Zeit ihr Personalwesen beziehungsweise ihre Human Resources (HR) zentralisiert. Zu den SBB etwa heisst es im Bericht, die Umstellung sei nur möglich gewesen «dank einem klaren Commitment und Beharrlichkeit der Konzernleitung und des zuständigen HR-Chefs». Heute werde diese Reorganisation – auch von externer Seite – als Erfolgsgeschichte gesehen. Entsprechend verlangt die GPK nun auch vom Regierungsrat Commitment und Führung. Das Postulat werde im Kantonsrat mit grosser Mehrheit überwiesen, steht für Frei fest. Innerhalb der GPK habe überparteilicher Konsens bestanden.

Ein kantonales Personalamt gibt es bereits. Es ist in der Finanzdirektion angesiedelt und umfasst mit der heute dezentralen Struktur lediglich zwei Dutzend Angestellte. Es soll verbindliche Weisungen statt nur Empfehlungen erlassen, verlangt die GPK. Nach einigen Turbulenzen hat das Amt seit Juli 2016 eine neue Chefin. Mit ihre könne eine Reorganisation gelingen, zeigt sich Frei zuversichtlich.